Politischer Netzwerker am Puls der Bauern

Nach wie vor ist der Bauernverband eine der grössten und einflussreichsten Institutionen der Schweiz. Der St. Galler Ableger des Verbandes hat ab Juni 2011 einen neuen Geschäftsführer: Kantonsrat Andreas Widmer wird das Amt des in Pension gehenden Hans Müller übernehmen.

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Andreas Widmer, CVP, steht ab Juni 2011 dem St. Galler Bauernverband vor. (Bild: Thomas Ammann)

Andreas Widmer, CVP, steht ab Juni 2011 dem St. Galler Bauernverband vor. (Bild: Thomas Ammann)

Nach wie vor ist der Bauernverband eine der grössten und einflussreichsten Institutionen der Schweiz. Der St. Galler Ableger des Verbandes hat ab Juni 2011 einen neuen Geschäftsführer: Kantonsrat Andreas Widmer wird das Amt des in Pension gehenden Hans Müller übernehmen.

Als 23-Jähriger im Gemeinderat

Andreas Widmer wuchs zusammen mit sechs Geschwistern auf einem Bauernhof auf. Schon früh interessierte er sich für Politik und die gesellschaftlichen Mechanismen in der Schweiz.

Bereits mit 23 Jahren wurde der ausgebildete Landwirt in den Mosnanger Gemeinderat gewählt. «Es war doch eine Überraschung», erzählt Widmer rückblickend, «dass im ländlichen, konservativen Mosnang ein 23jähriges CVP-Mitglied in die Exekutive gewählt wird.» Im nachhinein betrachtet der 50-Jährige diese Aufgabe als richtungsweisend für seine Karriere.

«Ich stand bereits früh in der Öffentlichkeit und war es fortan gewohnt, mich parallel zum Beruf auch anderweitig zu engagieren.»

Nach der Ausbildung zum Landwirt absolvierte Widmer berufsbegleitend verschiedene Weiterbildungen im kaufmännischen und betriebswirtschaftlichen Bereich. «Ich war schon immer ein Zahlenmensch und bildungsinteressiert.» 15 Jahre arbeitete er als Besamungstechniker – kein alltäglicher Beruf. «In der Viehzucht ist es üblich, dass die Tiere künstlich befruchtet werden.

So kann kontrolliert gezüchtet werden.» Mittlerweile ist der dreifache Familienvater Regionalleiter bei Swissgenetics in Bütschwil, einem Tierzuchtbetrieb.

«Braucht starke Bauernbasis»

Seit 2000 sitzt Andreas Widmer im St. Galler Kantonsrat. Er politisiere stets nahe an der Landwirtschaft, sagt Widmer über sich selber. Sind Bauern nicht traditionell Angehörige der SVP? Widmer räumt zwar ein, dass die Volkspartei bei den Bauern gut positioniert sei. Aber: «Es braucht in allen Parteien eine starke Bauernvertretung.

Nur so kann auf politischer Ebene etwas bewirkt werden.» Das Bewusstsein und die Sensibilität gegenüber der Natur sind für den CVPler wichtige Eigenschaften eines Landwirts. «Diese Einstellung hat viel mit der CVP gemeinsam.»

Nun wurde Andreas Widmer vom neunköpfigen Vorstand des St. Galler Bauernverbandes zum neuen Geschäftsführer gewählt. «Ich bin stark in der Landwirtschaft verwurzelt.

Zudem wird mir mein politisches Netzwerk helfen, den Bäuerinnen und Bauern auf kantonaler und nationaler Ebene Gehör zu verschaffen.»

Tiefe Preise – starke Regulierung

Der St. Galler Bauernverband ist ein eigentlicher Dienstleistungsbetrieb für seine über 4000 Mitglieder. «Vor allem ist er Anlauf- und Koordinationsstelle bei Anliegen und Sorgen jeglicher Art», erklärt der Neo-Geschäftsführer.

«Zudem vertritt der Verband auch die Interessen gegenüber Politik, Kanton und den verschiedenen Sozialpartnern.»

Momentan bereiten dem Bauernverband die tiefen Marktpreise und die dadurch sinkenden Erlöse Sorgen. «Die Richtlinien und Auflagen verteuern die inländische Produktion. Gleichzeitig wird der Markt liberalisiert, und ausländische Billigprodukte drängen auf den Schweizer Markt.

Hier ist der Verband gefordert. Wir müssen die Rahmenbedingungen verbessern. Die Bauern brauchen mehr Freiheit in der Produktion, um längerfristig konkurrenzfähig zu bleiben.» Es sei nun Aufgabe der Politik, hier den Hebel anzusetzen. «Die Parlamente sollten auf die bäuerliche Basis hören.»

Ökologisch und nachhaltig

Widmer erzählt von früher, als der Markt durch den Bund geschützt wurde und es bei der Produktion fast keine Auflagen gab. «Heute unterstehen wir einer zu starken Regulierung.

» Der Kantonsrat hofft auf politische Unterstützung. Denn: «Das ökologische Bewusstsein der Bauern ist heute extrem hoch. Es wird vielmehr auf die Umwelt und nachhaltige Landwirtschaft geachtet.»

Auf Andreas Widmer warten einige Herausforderungen. Der passionierte Ausdauersportler, welcher mit 50 Jahren noch immer den Gigathlon bestreitet, wird aber wohl mit fast allen fertig werden. Thomas Ammann