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POLITISCHE KARRIEREN: Eine kleine Laufbahnberatung für die St.Galler Regierungsräte

Sprungbrett oder Endstation? Bundeshaus oder Ferienhaus? Für den Ständerat kandidieren oder auf die Pensionierung warten? Die Zukunftsaussichten für die St.Galler Regierungsmitglieder.
Regula Weik und Andri Rostetter
Beni Würth (Bild: Jil Lohse)

Beni Würth (Bild: Jil Lohse)

Der Aussichtsreichste

Falls es demnächst einen Ostschweizer Bundesrat geben sollte, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass es Beni Würth sein wird. Der 50-jährige CVP-Mann hat das passende Alter, seine Misserfolge (Expo2027, Innovationspark, Metropolitanraum) haben ihm nur marginal geschadet. Und Würth spielt auf der politischen Klaviatur wie kein anderer im Siebnergremium. Direkt in den Bundesrat wird er es kaum schaffen. Dafür ist er in Bern (noch) zu wenig bekannt. Wahrscheinlicher ist, dass er bei nächster Gelegenheit für den Ständerat kandidieren wird. Dafür stehen seine Chancen nicht schlecht. Sollte Karin Keller-Sutter Bundesrätin werden, kann Würth seine Ambitionen auf einen Sitz in der Landesregierung allerdings begraben. Zwei St. Galler Bundesräte wird es in den nächsten 100 Jahren nicht geben.

Stefan Kölliker (Bild: Regina Kühne)

Stefan Kölliker (Bild: Regina Kühne)

Der Ambitionierte

Stefan Kölliker hat in den nächsten zwei Jahren einiges vor. Sechs Volksabstimmungen stehen in seiner Agenda: IT-Offensive, Medical Master, FHO, Uni-Erweiterung, Campus Wattwil, GBS. Seine Partei, die SVP, steht längst nicht hinter allen Vorhaben. Kölliker nimmt es gelassen; er hat bereits mit Harmos gegen die eigene Partei gewonnen. Geschadet hat es ihm nicht, im Gegenteil: In der SVP wird er mittlerweile als heisser Kandidat für ein Amt unter der Bundeshauskuppel gehandelt. Ob das ausserhalb der Partei auch so gesehen wird, darf bezweifelt werden. Kölliker hat zwar an Profil gewonnen. Für den Bundesrat, wo sich der 47-Jährige wohl am liebsten sähe, müsste er aber noch wacker zulegen. Hinzu kommt: Die parteieigene Konkurrenz schläft nicht. Gut möglich, dass ihm dereinst Esther Friedli vor der Sonne steht.

Heidi Hanselmann (Bild: Urs Bucher)

Heidi Hanselmann (Bild: Urs Bucher)

Die Geprüfte

Heidi Hanselmann hat wilde Jahre hinter sich. Grandios gewonnene Abstimmungskämpfe, heftige Streitereien und gröbere Stolperer haben ihr viel Aufmerksamkeit gebracht – nicht nur positive. Die SP-Frau kommt deshalb für ein Amt in Bern kaum mehr in Frage – erst recht nicht, nachdem Parteikollege Paul Rechsteiner im Ständerat bleiben will. Was will Hanselmann noch? Seit 2004 ist sie Regierungsrätin und Gesundheitschefin. Jetzt ist sie 56 und noch immer eine der rastlosesten Arbeiterinnen in der Pfalz, in ihrem Büro brennt häufig Licht bis tief in die Nacht. Manchmal wirkt sie fast wie eine Gefangene ihrer Dossiers. Die Spitalpolitik wird ihr auch künftig kaum Verschnaufpausen lassen. Den Medical Master kann sie noch unter Dach bringen. Aber dann: Wie wär’s mit einem Departementswechsel?

Fredy Fässler (Bild: Michel Canonica)

Fredy Fässler (Bild: Michel Canonica)

Der Unaufgeregte

Fredy Fässler kann gelassen in die Zukunft blicken. Im Kanton geht ihm die Arbeit zwar nicht aus: Datenschutz- und Polizeigesetz müssen überarbeitet werden, die Planung für ein Verwaltungszentrum in Winkeln läuft auf Hochtouren. Hängt der Sozialdemokrat 2020 aber eine weitere Regierungslegislatur an, erreicht er just im Jahr 2024 das Pensionsalter. Es sei denn, er probiert es 2023 mit einer Ständeratskandidatur. Paul Rechsteiner wird dann 71 und dürfte seinen Sitz definitiv räumen. Fässler wäre für die kleine Kammer prädestiniert: Er politisiert unaufgeregt und kompromissfreudig. Es wäre aber eine Überraschung, würde Fässler nach Bern wechseln. Ambitionen auf ein eidgenössisches Amt liess er bis jetzt jedenfalls nicht erkennen. Oder er hält sie geschickter verborgen als andere.

Marc Mächler (Bild: Urs Bucher)

Marc Mächler (Bild: Urs Bucher)

Der Amtsjüngste

Wegen vier Jahren wählt das Volk niemanden in die Regierung, auch Marc Mächler nicht. Der 48-jährige Freisinnige ist zwar nicht jüngstes, aber amtsjüngstes Regierungsmitglied. Er wird sicher noch mindestens eine Legislatur anhängen wollen. Einer Wiederkandidatur 2020 steht nichts im Wege – es sei denn, es unterlaufen ihm bis dann gravierende Fehler. Seine erste grosse Bewährungsprobe, die Theater-Abstimmung, hat er erfolgreich überstanden. Die nächsten heiklen Geschäfte stehen 2019 an, dann kommen Uni-Erweiterung und Kanti Wattwil vors Volk. Mächler wird die nächsten Jahre nutzen, um an Profil zuzulegen. Denn eine zweite Karriere auf Bundesebene dürfte für ihn durchaus eine Option sein; zum Beispiel im Ständerat. Bis zur Pensionierung müsste er sonst noch 17 Jahre in der Pfalz verbringen.

Bruno Damann (Bild: Urs Bucher)

Bruno Damann (Bild: Urs Bucher)

Der Beobachter

Bruno Damann ist kein Blender, aber auch kein Leader. Der CVP-Mann macht einfach seinen Job. Und so wird es wohl auch nach 2020 sein. Der heute 61-Jährige dürfte sich dann zur Wiederwahl stellen – es sei denn, sein Herz spielt ihm einen Streich. Für höhere politische Weihen kommt Damann kaum in Frage, die Positionskämpfe seiner Regierungskollegen kann er getrost aus der Distanz beobachten. Bei derart viel Gelassenheit läuft Damann allerdings Gefahr, dass er mehr verwaltet als regiert. Bis jetzt ist er jedenfalls nicht als grosser Gestalter aufgefallen. Da darf er ruhig noch zulegen; der Kanton wird es ihm danken. Baustellen gibt es genug. Ein paar Stichworte: Verkehr, Ansiedlungspolitik, Innovationspark, Metropolitanraum. Und auch den Streithähnen im Toggenburg gilt es entschieden gegenüberzutreten.

Martin Klöti (Bild: Ralph Ribi)

Martin Klöti (Bild: Ralph Ribi)

Der Abtretende

In der St.Galler Regierung hat keiner so klare Zukunftspläne wie Martin Klöti (63): Er wird seine Laufbahn in zwei Jahren beenden. In Erinnerung bleiben wird er kaum wegen politischer Grosstaten, sondern vielmehr wegen seiner geschliffenen Auftritte, in denen er jeweils sein Bühnendeutsch zelebrierte. Böse Zungen bezeichnen den FDP-Mann deshalb auch als «besten Schönredner der St. Galler Politik». Seit einem knappen Jahr präsidiert Klöti die Sozialdirektorenkonferenz, bis jetzt ohne sichtbare Auswirkungen. Einen letzten Kampf wird er noch ausfechten müssen: Läuft es nach Plan, steht 2019 die Volksabstimmung zum Klanghaus Toggenburg an. Er wird sich leidenschaftlich für das Anliegen einsetzen – auch um das weitgehend selbst verschuldete Klanghaus-Debakel im Kantonsparlament vergessen zu machen.

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