Politik auf dem Stundenplan

Wie geht es nach dem Ja zur Einwanderungsinitiative weiter? Wie sieht die Energiezukunft aus, und ist die Schweiz sicher? Mit diesen Fragen haben sich die Schüler des BZR beschäftigt.

Jolanda Riedener
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Linus Thalmann, Isabel Schorer, Markus Ritter, Basil Oberholzer und Barbara Gysi (v. l.) diskutieren unter der Leitung von Hanspeter Trütsch mit Berufsschülern des BZR in Rorschach. (Bild: Jolanda Riedener)

Linus Thalmann, Isabel Schorer, Markus Ritter, Basil Oberholzer und Barbara Gysi (v. l.) diskutieren unter der Leitung von Hanspeter Trütsch mit Berufsschülern des BZR in Rorschach. (Bild: Jolanda Riedener)

RORSCHACH. In leere Gesichter schaut Hanspeter Trütsch, Bundeshauskorrespondent des SRF, gestern morgen, als er das Publikum fragt, ob man denn in Herisau am 18. Oktober auch Christian Levrat wählen könne. «Am 18. Oktober ist eben nicht nur der zweite Olma-Sonntag», sagt Trütsch weiter. In seiner Einführung erklärt er den knapp 100 Berufsschülern des Berufs- und Weiterbildungszentrums Rorschach-Rheintal, wie Politik funktioniert und was die Schwierigkeiten dabei sind: «Wählen ist wie Joghurt kaufen. Was drin ist, weiss man erst, wenn man einen Bissen probiert hat.»

In der achten Ausgabe des Politforums können die Berufsschüler fünf St. Galler Politiker hautnah kennenlernen. Mit Markus Ritter (CVP), Isabel Schorer (FDP), Basil Oberholzer (Junge Grüne), Barbara Gysi (SP) und Linus Thalmann (SVP) nehmen fünf Vertreterinnen und Vertreter der grössten Parteien teil. In Workshops lernen die Berufsschüler klassenweise zwei der fünf Politiker näher kennen, wobei sie die Gelegenheit haben, ihnen direkt Fragen zu stellen.

Aktuelle Schwerpunkte setzen

Daniel Kehl ist Berufsschullehrer und hat im Hinblick auf die National- und Ständeratswahlen 2015 drei Themenfelder erarbeitet, welche mit den Politikerinnen und Politikern diskutiert werden. So werden im Themenfeld Zukunft Konflikte mit der EU sowie die Einwanderungs-Initiative behandelt. Beim Themenfeld Risiko und Verantwortung wird über die Energiezukunft der Schweiz diskutiert, und im dritten Themenfeld steht die Sicherheit der Schweiz mit der Bedrohung durch Terrorismus oder Kriminalität im Fokus. Kehl ist überzeugt, dass der direkte Kontakt zu den Nationalratskandidaten dazu beiträgt, dass sich die Jugendlichen für die Politik zu interessieren beginnen: «Sie müssen sich aber darauf einlassen.» Das Thema Einwanderung und Flüchtlinge ist stark präsent. Fünf Schüler der Logistikerklasse, die mit Basil Oberholzer diskutiert, haben selbst einen Migrationshintergrund. Ein Grossteil der Klasse ist noch zu jung zum Wählen. Einer der Berufsschüler fragt, wie Oberholzer über die Flüchtlingsthematik denke. «Das Thema wird aufgebauscht. Während des Kosovokrieges hatten wir viel mehr Flüchtlinge hier. Es ist nicht so, dass wir zu wenig Platz in der Schweiz haben.»

«Wen soll man wählen?»

Mit Markus Ritter diskutieren angehende Konstrukteure und Polymechaniker im dritten Lehrjahr über erneuerbare Energien. Ein Lernender fragt ihn, ob die Schweiz überhaupt etwas zum Umweltschutz beitragen könne, da sie weltweit nur 0,2 Prozent des CO2-Ausstosses verursache. Natürlich sei auch die Schweiz dazu verpflichtet, Umweltschutz zu betreiben, «die Schweiz muss mit einem guten Beispiel voran- gehen», sagt Ritter. Auf die Frage, wen die Schüler denn wählen sollen, empfiehlt ihnen Ritter, sich auch auf das Gefühl zu verlassen. Die zentralen Fragen aus jedem Workshop werden im Plenum zusammengetragen und von den Politikerinnen und Politikern unter der Moderation von Hanspeter Trütsch beantwortet.

Die letzte Müdigkeit ist jetzt auch aus den Augen der Schüler verschwunden und sie beteiligen sich rege an der Diskussion. Das Thema Flüchtlinge polarisiert auch unter den Politikern. Markus Ritter sagt, dass gerade vorläufig aufgenommene Flüchtlinge in der Schweiz bleiben werden: «Wenn sie hier sind, bringen wir sie nicht mehr zurück.» Eine Aussage, die einem jungen Mann im Publikum sauer aufstösst: «Diese Menschen riskieren ihr Leben, um in die Schweiz zu kommen, obwohl sie nicht wissen, ob sie diese gefährliche Reise überhaupt überleben.»