«Planungsstop für Mörschwil»

Gegen den vom Mörschwiler Gemeinderat vorgelegten Entwurf des neuen Richtplans regt sich heftiger Widerstand. Die Vernehmlassungsfrist läuft noch bis Ende Jahr. Ein Votant verlangt sogar einen Planungsstop für die Gemeinde.

Notker Angehrn
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Die Arbeitsgruppe «Naturnahes Mörschwil» will Grünflächen erhalten. Auch im Gebiet Hueb soll nicht mehr weiter eingezont werden. (Bild: Urs Bucher)

Die Arbeitsgruppe «Naturnahes Mörschwil» will Grünflächen erhalten. Auch im Gebiet Hueb soll nicht mehr weiter eingezont werden. (Bild: Urs Bucher)

MÖRSCHWIL. Bereits an der Präsentation des Richtplanentwurfs durch die Gemeindebehörden Anfang November war das Interesse in der Bevölkerung gross. So auch am Informationsabend der Arbeitsgruppe «Naturverbundenes Mörschwil» vom vergangenen Mittwoch. Rund 40 Personen werden vorerst von Guido Schildknecht und Peter Mäder emotional auf die Erhaltung des Grünlandes eingestimmt. Ersterer holt bei seinen Erzählungen weit aus. Er erzählt aus der Geschichte und der Gegenwart Mörschwils und zitiert aus den Werken des Bauerndichters Alfred Huggenberger. Dabei ist es für die Zuhörer nicht einfach, «Kraut und Rüben» auseinander zu halten, zu merken, worum es der Arbeitsgruppe konkret geht. Dies zeigt sich auch in der anschliessenden Diskussion.

Gelbe Flächen im Visier

Im Richtplanentwurf werden angrenzend ans bestehende Siedlungsgebiet mittel- bis langfristige Möglichkeiten zur baulichen Entwicklung der Gemeinde aufgezeigt. Im neuen Plan sind diese Gebiete gelb statt grün markiert. Da sehen die Initianten von «Naturverbundenes Mörschwil» rot. «Die grünen Landschaftsfenster der Gemeinde sollen erhalten bleiben», betont Guido Schildknecht. Das Gebiet Häftlibach sieht er zudem als wichtigen Naherholungsbereich und fordert: «Dieses Land sollte man aufwerten, nicht verbauen.»

Breite Unterstützung

Briefe werden verlesen, welche die Anliegen der Initianten unterstützen. Sie stimmen weitgehend mit den Absichten der Arbeitsgruppe überein. Im Kern: «Ein neuer Richtplan müsste die Zersiedelung wirklich stoppen, nicht nur als Leitlinie auflisten – um dann praktisch das Gegenteil vorzuschlagen. Die Nachfrage nach Bauland kann nicht die Rechtfertigung sein für immer neue Einzonungen im grossen Stil.»

Auch aus der Versammlung gibt es dazu mehrfach Unterstützung. Vor allem von Direktbetroffenen eines künftig möglichen Baugebiets: «Die grünen Landzungen ins Siedlungsgebiet sollen bleiben.» Verschiedene kündigen an, den Gemeinderat auch direkt über ihre Ansichten in Kenntnis zu setzen. «Der Richtplan hat für die Behörden zwar eine Leitfunktion, bewirkt jedoch noch keine konkreten Veränderungen», erklärt ein Fachmann die rechtlichen Voraussetzungen. Trotzdem sei es wichtig, jetzt die Möglichkeit der Vernehmlassung zu nutzen. Referendum und Einsprachen seien aber erst später bei einer beabsichtigten Änderung des Zonenplans möglich. Mitinitiant Peter Mäder betont: «Wir wollen mit unserer Eingabe den Gemeinderat einladen, über die Bücher zu gehen, um die Landwirtschaftszonen zu erhalten.»

Weiterkämpfen

Ein Votant wird konkreter: «Wir müssen einen Planungsstop für die nächsten fünf bis acht Jahre verlangen. Ein neuer Richtplan hat keine Eile. Es hat noch für 360 Einwohner Platz im heutigen Siedlungsgebiet von Mörschwil.»

Die Initianten erhoffen sich eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung. «Der Aufmarsch hat uns ermutigt», sagt Guido Schildknecht erfreut und hofft, dass sich noch weitere Personen zur Mitarbeit in der Arbeitsgruppe melden. Und so nostalgisch wie begonnen, endet die Versammlung. Schildknecht rezitiert den Text vom «Häftlibachlied» – dem ersten Mörschwiler Lied von 1940 – und führt damit in eine Zeit, «als die Welt noch in Ordnung war».