Pionierprojekt für 22 Millionen

Der Abwasserverband für Gemeinden in der Region Rorschach, im Unteren Rheintal und im Appenzellerland baut die ARA in Altenrhein aus zur Elimination von Mikroverunreinigungen. Die DV bewilligt dafür 22 Millionen Franken.

Fritz Bichsel
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So sind am östlichen Ende der ARA Altenrhein (r.) für die Eliminierung von Mikroverunreinigungen Neubauten und ein Sauerstofftank projektiert. (Bild: Visualisierung: Ingenieurbüro Holinger)

So sind am östlichen Ende der ARA Altenrhein (r.) für die Eliminierung von Mikroverunreinigungen Neubauten und ein Sauerstofftank projektiert. (Bild: Visualisierung: Ingenieurbüro Holinger)

REGION RORSCHACH. Die Abwasserreinigungsanlage in Altenrhein wird als erste im Kanton St. Gallen und als eine der ersten schweizweit für diese Stufe ausgerüstet. Die Mehrkosten übernimmt der Verband: Den Einwohnern und Betrieben werden die gleichen Gebühren verrechnet wie seit Jahren. Der Verband bereitete sich technisch und finanziell seit Jahren auf diese neue Aufgabe vor. Anfang 2016 setzte der Bund die neuen Bestimmungen für Abwasserreinigungsanlagen für viele Einwohner oder nahe bei einem See in Kraft. Die Delegierten der Gemeinden des Verbandes Altenrhein genehmigten jetzt einstimmig den Kredit von 21,8 Mio. Franken für Bauten und Technik.

Gereinigtes Abwasser enthält Rückstände von Medikamenten, synthetischen Mitteln oder Schwermetallen. Sie beeinträchtigen das Wasser in Flüssen und Seen. Das Entfernen ist im Grundsatz einfach: zusätzlich filtern oder mit Ozon behandeln und filtern – wie für Trinkwasser. Es gibt jedoch viele Verfahren, Filter und Kombinationen. Das System muss auf die Zusammensetzung des Abwassers in einer Reinigungsanlage abgestimmt werden. Die ARA Altenrhein beteiligte sich an Pilotversuchen in der Schweiz und ging auch ins Ausland: Um zu erproben, welches System bei ihr geeignet ist, brachte sie nach Auskunft von Geschäftsführer Christoph Egli Abwasser mit einem Lastwagen auch in eine Anlage in Eriskirch.

Neuartiges System gewählt

Nach Tests mit acht Verfahren blieben zwei: Behandlung mit Ozon und Nachbehandlung im bestehenden Sandfilter oder in einem zusätzlichen Filter mit granulierter Aktivkohle (GAK). Der Verwaltungsrat und die Delegierten entschieden sich für die teurere Variante mit GAK. Altenrhein wird damit schweizweit die erste ARA, die Mikroverunreinigungen mit der neuen Kombination von Ozon und GAK beseitigt. Gemäss Erläuterungen von Ingenieuren und Geschäftsführer bringt das hohe Wirkung, mehr Sicherheit im Betrieb mit zwei Filtern, Schonung des Sandfilters, der über Jahre optimiert wurde zur Beseitigung anderer Stoffe, Vorteile beim Unterhalt und bessere Möglichkeiten für Ausbau bei Bedarf.

Der Auftrag fürs Projekt ging aufgrund der Ausschreibung an die Ingenieurgemeinschaft Holinger/Kuster+Hager. Es umfasst Bauten und Technik für Ozonreaktoren und Filter, Energie, Pumpen, Lüftung, Messtechnik, Steuerung und vieles mehr sowie einen grossen Sauerstofftank. Für möglichst genaue Berechnung der Kosten wurde der technische Hauptteil bereits ausgeschrieben. Den GAK-Filter liefert die Wabag aus der Schweiz und die Anlage zur Ozonierung die Ozonia aus Frankreich.

Geringe Kosten für Mehrwert

Der Verwaltungsrat des AVA entschied sich zur Schonung des Bodensees als Trinkwasserspeicher und auch aus finanziellen Gründen für schnelles Vorgehen. Die neue Stufe in den betroffenen ARA wird mitfinanziert durch eine Abgabe von neun Franken je Einwohner und Jahr, die alle ARA in der Schweiz bezahlen müssen. Daraus vergütet der Bund drei Viertel der Investitionskosten zurück. Die Berechnungen zum Projekt zeigen, dass die Kosten beim Verband Altenrhein nur etwa einen Franken je Einwohner höher sein werden als wenn er die Abgabe – etwa eine halbe Million pro Jahr – bezahlen müsste. Von dieser wird er befreit, wenn die Anlage im August 2018 in Betrieb geht.