Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Pionier werden mit Ökostrom

Geht es nach Studenten der Fachhochschule St. Gallen, könnte in Häggenschwil schon bald ein Biomassekraftwerk sauberen Strom produzieren. Aber der Gemeinderat will nichts überstürzen.
Corinne Allenspach

HÄGGENSCHWIL. Das Biomassekraftwerk wird an einem abgelegenen Ort in Häggenschwil gebaut. Bauern können ihre Gülle kostenlos abgeben und im Sommer beliefert die Bevölkerung die Anlage mit Grüngut aus dem Garten. Zusätzlich werden Photovoltaikanlagen installiert. Dank Kraftwerk und Solarenergie können bis zu 60 Prozent des Stromverbrauchs mit erneuerbaren Energien gedeckt werden. Und das Dorf würde eine Pionierrolle einnehmen, wie es das bereits mit seiner privaten Oberstufe macht.

Ökostrom hat seinen Preis

Es ist Montagabend, als fünf Studenten der Fachhochschule St. Gallen (FHS) dieses mögliche Szenario in der Aula der Primarschule vor zwei Dutzend Interessierten vorstellen. Häggenschwils Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring gefällt's. «Ich bin überzeugt, dass die Studie in der Region noch zu reden gibt», sagt er. Was daraus aber konkret umgesetzt werde, sei noch offen.

Klar ist, Häggenschwil möchte «grüner» werden. Weg vom Atomstrom, hin zu Strom aus erneuerbaren Energien, möglichst vor Ort produziert. Um zu sehen, welche Möglichkeiten für die 1200-Seelen-Gemeinde in Frage kämen, erstellten die Studenten der FHS im Auftrag des Gemeinderats das Praxisprojekt «Pioniere der Nutzung grüner Energie in der ländlichen Bodenseeregion». Mit dem Ziel, Varianten auszuarbeiten, bei denen künftig mindestens 30 Prozent des Häggenschwiler Stromverbrauchs – aktuell sind dies gut zwei Gigawattstunden pro Jahr – durch Ökostrom gedeckt werden könnten. Doch dies hat seinen Preis, wie die Projektgruppe feststellte. Investitionen zwischen 4,5 und 9 Millionen Franken wären nötig, um das Ziel zu erreichen.

Landschaft nicht verschandeln

Die Studenten haben etwa 30 Energievarianten geprüft, wobei sie eng mit Experten zusammengearbeitet und sich in umliegenden Gemeinden, wie beispielsweise den Energiestädten St. Gallen, Wittenbach und Waldkirch informiert haben. Eine Erkenntnis dabei: «Photovoltaik ist in der Schweiz die beliebteste aller erneuerbaren Energien.» Und: «Eine Kombination von erneuerbaren Energien ist unabdingbar.»

Die Empfehlung schliesslich für Häggenschwil: Die Gemeinde sollte sich in einem ersten Schritt einem Biomassekraftwerk widmen, wie es bereits eines in Kägiswil im Kanton Obwalden gibt. In einem weiteren Schritt soll die Stromgewinnung mit Photovoltaikanlagen erweitert werden, insgesamt in einer Grösse von 1,5 Fussballfeldern. Wobei es laut Projektgruppe sinnvoll ist, Anlagen nur auf Dächer- und Fassadenflächen zu installieren und nicht in der freien Natur, um das Landschaftsbild nicht zu beeinträchtigen.

Solidarität ist begrenzt

Hans-Peter Eisenring lobt die «spannenden Ergebnisse» und verspricht, die umfangreiche Studie im Gemeinderat und in der Arbeitsgruppe Energie vertieft anzuschauen. Denn man wolle in Häggenschwil betreffend erneuerbarer Energien ein Beispiel sein, «wo andere hinschauen». Gleichzeitig betont Eisenring aber, man müsse realistisch bleiben und dürfe nicht blauäugig investieren. Denn: «Wenn Ökostrom mehr als zwei Rappen teurer ist als herkömmlicher Strom, hört die Solidarität bei vielen Leuten auf.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.