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PIAZZATRÄUME: Blick zurück: Der St.Galler Marktplatz - von der Restfläche zum zentralen Schmuckstück

Die zentrale Freifläche in der St.Galler Altstadt ist das Band von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt. Es handelt sich allerdings nicht um einen Platz aus einem Guss; die einzelnen Teile sind eher zufällig entstanden. Der Stadtbrand von 1418 spielte dabei eine zündende Rolle.
Reto Voneschen
Der Marktplatz von der Einmündung der Marktgasse mit Blick auf die Rondelle und das Geschätftshaus Union. (Bild: Benjamin Manser - 14. Dezember 2017)

Der Marktplatz von der Einmündung der Marktgasse mit Blick auf die Rondelle und das Geschätftshaus Union. (Bild: Benjamin Manser - 14. Dezember 2017)

Noch immer harrt die zentrale öffentliche Freifläche der St.Galler Altstadt einer Neugestaltung. Die Leidensgeschichte dafür ist allgemein bekannt: Zwei Anläufe sind 2011 und 2015 an der Abstimmungsurne gescheitert. Derzeit ist die städtische Direktion Planung und Bau aber daran, ein drittes Projekt aufzugleisen. Gesucht sind neue Visionen für Marktplatz, Bohl, Blumenmarkt und untere Markt- sowie Neugasse. Das Stimmvolk soll dereinst über sie und nicht mehr über die Tausenden von Details eines ausgearbeiteten Projekts entscheiden.

Ein Flickenteppich kleiner Freiräume

Schon die Umschreibung des Perimeters für die Neugestaltung macht auf das grosse Handicap des St.Galler Marktplatzes aufmerksam: Der zentrale öffentliche Raum der Altstadt ist kein in einem Wurf gestalteter und daher jetzt einfach umzukrempelnder Platz. Es handelt sich vielmehr um ein Konglomerat diverser, in den vergangenen 600 Jahren fast zufällig entstandener Freiräume und Baulücken.

Das Vadian-Denkmal nach 1910. Man beachte die inzwischen ausgebauten Strassen links und rechts am Pärklein vorbei. Noch fehlt der Bau des Restaurants Marktplatz und der Acrevis-Bank. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Das Vadian-Denkmal nach 1910. Man beachte die inzwischen ausgebauten Strassen links und rechts am Pärklein vorbei. Noch fehlt der Bau des Restaurants Marktplatz und der Acrevis-Bank. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Vor dem Stadtbrand von 1418 lagen Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt ausserhalb der Stadtmauern. Erst danach wurden die Befestigungen um die Ira-Vorstand – die heutige nördliche Altstadt – gezogen. Auf der Freifläche zwischen «alter» Stadtmauer und der Vorstadt standen öffentliche Gebäude – darunter die Metzg. Und darauf wurden an Markttagen etwa auch Fuhrwerke parkiert. Im Laufe der Zeit siedelten sich hier diverse Märkte an. In der Textilmetropole St.Gallen fand hier Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts der Gemüsemarkt statt. Die letzten Resten sind der heutige ständige Markt.

Der Marktplatz mit dem 1904 aufgestellten Vadian-Denkmal auf einer colorierten Ansichtskarte um 1910. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Der Marktplatz mit dem 1904 aufgestellten Vadian-Denkmal auf einer colorierten Ansichtskarte um 1910. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Die Stadt befreit sich aus dem Mauerring

Mit dem Abbruch des Ira-Tors (bis 1865 am heutigen Eingang der Marktgasse) und des alten Rathauses (bis 1877 dort, wo heute das Vadian-Denkmal steht) erfuhr die Freifläche eine Erweiterung in die untere Marktgasse hinein. 1904 wurde das Vadian-Denkmal aufgestellt. Rund um den Freiraum entstanden damals öffentliche und private Repräsentationsbauten.

Sie wurden hauptsächlich in den 1930er-Jahren sowie mit der neuen «Union» 1949 bis 1951 verändert und ergänzt. Die Gestaltung von Marktplatz und Blumenmarkt gehen ebenfalls auf den Anfang der 1950er-Jahre zurück. Die heutige Gestaltung des Bohls mit der Calatrava-Wartehalle wurde in den 1990er-Jahren realisiert. Eine bauliche Veränderung in diesem Bereich strapazierte die Geduld von Städterinnen und Städter sehr lange: Das alte Stadttheater am Bohl wurde 1971 abgebrochen. Der Nachfolgebau «Markt am Bohl» nach vielen Irrungen und Wirrungen erst 1991 eingeweiht.

Ab den 1890er-Jahren übernahm der Marktplatz zunehmend Verkehrsfunktionen. Zuerst mit der Trambahn, später mit Trolleybus und Bus, nach 1945 für den stetig wachsenden Autoverkehr. Aus Planungen, die den Freiraum mit Abbruch der «Union» am Oberen Graben und dem Abbruch des Waaghauses am Ostrand des Bohl in eine Hochleistungsstrasse verwandeln wollten, wurde – zum Glück – in den 1960er-Jahren nichts.

Der Bereich von Bohl, Marktplatz und Blumenmarkt (von unten her) ums Jahr 1650. Auf dem Platz ist die Metzg (H), das alte Rathaus (F) und oben das Schibenertor (N) zu erkennen. Links vor der Metzg steht das Ira-Tor. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)

Der Bereich von Bohl, Marktplatz und Blumenmarkt (von unten her) ums Jahr 1650. Auf dem Platz ist die Metzg (H), das alte Rathaus (F) und oben das Schibenertor (N) zu erkennen. Links vor der Metzg steht das Ira-Tor. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde St.Gallen)

Der Gemüsemarkt auf dem Marktplatz mit Marktfrauen und Kundinnen um 1900. Im Hintergrund ist das Geschäftsschild der heute noch existierenden Löwen-Apotheke zu erkennen. Links daneben das Restaurant "Wilhelm Tell". (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Der Gemüsemarkt auf dem Marktplatz mit Marktfrauen und Kundinnen um 1900. Im Hintergrund ist das Geschäftsschild der heute noch existierenden Löwen-Apotheke zu erkennen. Links daneben das Restaurant "Wilhelm Tell". (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Der Marktzplatz mit Gemüsemarkt sowie Kundschaft und Pferdefuhrwerk auf einer Ansichtskarte, die 1905 verschickt wurde. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Der Marktzplatz mit Gemüsemarkt sowie Kundschaft und Pferdefuhrwerk auf einer Ansichtskarte, die 1905 verschickt wurde. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Der Marktplatz auf einer 1920 gelaufenen Ansichtskarte. Auf der linken Seite des Bohl sind das Hotel Hecht und dahinter das alte Stadttheater zu erkennen. Man beachte auch die Gleisführung der Trambahn: Ein Teil der Linien verkehrte durch die Goliathgasse zum Platztor Richtung Osten. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Der Marktplatz auf einer 1920 gelaufenen Ansichtskarte. Auf der linken Seite des Bohl sind das Hotel Hecht und dahinter das alte Stadttheater zu erkennen. Man beachte auch die Gleisführung der Trambahn: Ein Teil der Linien verkehrte durch die Goliathgasse zum Platztor Richtung Osten. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Marktplatz und untere Marktgasse auf einer Ansichtskarte vor 1904. Noch fehlt das Vadian-Denkmal. Im Pärklein steht eine Wettersäule, davor parkieren Fuhrwerke. Man beachte auch den noch weitgehend unbebauten Rosenberg im Hintergrund. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Marktplatz und untere Marktgasse auf einer Ansichtskarte vor 1904. Noch fehlt das Vadian-Denkmal. Im Pärklein steht eine Wettersäule, davor parkieren Fuhrwerke. Man beachte auch den noch weitgehend unbebauten Rosenberg im Hintergrund. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Der Marktplatz mit der Marktrondelle und dem neuen ständigen Markt (die grünen Hüttlein stehen heute noch!) Ende der 1950er-Jahre. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde SG/Sammlung Foto Gross)

Der Marktplatz mit der Marktrondelle und dem neuen ständigen Markt (die grünen Hüttlein stehen heute noch!) Ende der 1950er-Jahre. (Bild: Stadtarchiv der Ortsbürgergemeinde SG/Sammlung Foto Gross)

Die heutige Gestaltung des Marktplatzes geht auf die Jahre 1949 bis 1951 zurück. Damals wurde die neue "Union" und die Marktrondelle gebaut. Hinten sind auf der linken Seite des Bohl das Hotel Hecht und dahinter das alte Stadttheater zu erkennen. Das zweite Hotel am Platz war der "Gallushof". Er ist am linken Bildrand zu sehen. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Die heutige Gestaltung des Marktplatzes geht auf die Jahre 1949 bis 1951 zurück. Damals wurde die neue "Union" und die Marktrondelle gebaut. Hinten sind auf der linken Seite des Bohl das Hotel Hecht und dahinter das alte Stadttheater zu erkennen. Das zweite Hotel am Platz war der "Gallushof". Er ist am linken Bildrand zu sehen. (Bild: Sammlung Reto Voneschen)

Auch das gehört zur Legende des St.Galler Marktplatzes: In den Anfängen des Lokalfernsehens wurden zeitweise Bilder von Verkehrskameras in die städtischen Haushalte übertragen. Im Bild eine solche Übertragung von 1997 auf dem Servicekanal der Cablecom. (Bild: Ralph Ribi)

Auch das gehört zur Legende des St.Galler Marktplatzes: In den Anfängen des Lokalfernsehens wurden zeitweise Bilder von Verkehrskameras in die städtischen Haushalte übertragen. Im Bild eine solche Übertragung von 1997 auf dem Servicekanal der Cablecom. (Bild: Ralph Ribi)

Der Marktplatz heute: Der Blick vom Union-Gebäude aus über Blumenmarkt und ständigen Markt in Richtung Bohl im Früherbst 2005. (Bild: Ralph Ribi)

Der Marktplatz heute: Der Blick vom Union-Gebäude aus über Blumenmarkt und ständigen Markt in Richtung Bohl im Früherbst 2005. (Bild: Ralph Ribi)

Der Marktplatz heute: Die Marktrondelle mit Kiosk und Bäckerei-"Filiale" im Sommer 2016. (Bild: Urs Bucher)

Der Marktplatz heute: Die Marktrondelle mit Kiosk und Bäckerei-"Filiale" im Sommer 2016. (Bild: Urs Bucher)

Der Marktplatz heute. Im Zuge der Umgestaltung sollen sicher die Autoparkplätze aufgehoben werden. Was sonst mit dem Platz geschieht, ist nach der Neulancierung des Umgestaltungsprojektes noch vollständig offen. (Bild: Michel Canonica und Benjamin Manser - 2. Februar 2017)

Der Marktplatz heute. Im Zuge der Umgestaltung sollen sicher die Autoparkplätze aufgehoben werden. Was sonst mit dem Platz geschieht, ist nach der Neulancierung des Umgestaltungsprojektes noch vollständig offen. (Bild: Michel Canonica und Benjamin Manser - 2. Februar 2017)

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