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Phantasien einer Feministin

Laurie Penny hat ein feministisches Science-Fiction-Buch geschrieben. Am Mittwoch sprach die Engländerin im Palace über Kinder kriegen, Grundeinkommen und Kapitalismus.
Kathrin Reimann
Historikerin Natascha Wey (links) führte mit Laurie Penny (Mitte) die Diskussion, nachdem Julia Kubik (rechts) aus dem Buch gelesen hatte. (Bild: Ralph Ribi)

Historikerin Natascha Wey (links) führte mit Laurie Penny (Mitte) die Diskussion, nachdem Julia Kubik (rechts) aus dem Buch gelesen hatte. (Bild: Ralph Ribi)

Laurie Penny weiss, was sie will. Und auch, was sie nicht will. Zum Beispiel aus nächster Nähe fotografiert werden. Mit leicht schriller Stimme forderte sie den Fotografen am Mittwoch bei ihrem Auftritt im Palace ziemlich direkt auf, das zu unterlassen.

Keine Freunde, aber Bücher

Die 29jährige Engländerin gilt als wichtige Stimme des jungen Feminismus. Die zierliche Autorin mehrerer Bücher bezeichnet sich als Nerd und Unruhestifterin. Dazu passt ihre blitzschnelle und direkte Sprechweise, die nicht gerade massentauglich ist. «Ich hatte als Teenie keine Freunde und habe deshalb alle möglichen Bücher gelesen. Auch feministische», erklärt sie den frühen Zugang zur politischen Bewegung. 2011 analysierte sie in ihrem ersten Buch «Fleischmarkt» die Strategien, mit denen Frauenkörper im Spätkapitalismus entmachtet und kontrolliert wurden und legte den täglichen Sexismus des Mainstreams offen. 2014 legte sie mit «Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution» nach. In dem Werk kritisiert sie dominierende Vorstellungen von romantischer Liebe und Partnerschaft und die sexuelle Unterdrückung der Frau. Schuld, dass der Feminismus «seit ungefähr einem Vierteljahrhundert auf der Stelle tritt» und «bis zur Unkenntlichkeit zu einer Hochleistungsmaschinerie verdreht worden» ist, hat ihrer Meinung nach das kapitalistische System, wie sie in einem Interview vor ihrem Auftritt sagt.

Serienmord als Kunstform

Zu welchen abstrusen Lebensformen die Weiterentwicklung des Turbokapitalismus führen könnte, darüber phantasiert Penny im Science-Fiction-Fantasy-Buch «Babys machen und andere Storys». In der Kurzgeschichte «Das Tötungsglas» etwa, gilt Serienmord als Kunstform und Killer konkurrieren um Fördergelder und darum, die Gesellschaft von Lebensmüden zu erlösen. Die talentierte Assistentin eines mittelmässigen Strangulierers erzählt von der abgefahrenen Branche, von dem grenzwertigen Umgang ihres Vorgesetzten mit ihr, und davon, wie sie sich an ihm rächt.

«Ich habe genug Praktika gemacht, um zu wissen, wie scheisse es dabei laufen kann», kommentiert Penny nach der Lesung. Zu lange sei sie nicht ernst genommen worden, schlecht bezahlt worden und habe aus diesem Grund in irgendeinem Loch gewohnt. «So bin ich auf die Idee gekommen, die Geschichte über eine angehende Serienkillerin zu schreiben, die in einer offensichtlichen Männerdomäne versucht Fuss zu fassen.»

Ein Roboter als Baby

Eine andere Geschichte handelt von einer Frau, die sich ein Roboter-Baby bastelt, weil sie keine Schwangerschaft durchstehen will. «Ein Kind zu haben bedeutet Arbeit, ich bin sicher, viele würden die Option Baby-Roboter wählen, wenn es sie gäbe.» Auch sicher ist sich Penny, dass, wenn Männer Kinder austragen müssten, schon längst eine technische Alternative zur Schwangerschaft gefunden worden wäre. «Ein Kind auf die Welt bringen, ist so, als würde man Kürbisse scheissen – kein Mensch will das.» Ausserdem hätten Feministinnen bereits in den 1970er-Jahren über künstliche Gebärmütter nachgedacht. «Im Feminismus ist wenig neu, was aber nicht mein Fehler ist: Es ist einfach nichts passiert.» Allerdings ist sie froh, dass gewisse Konversationen nicht mehr geführt werden müssen und Feminismus an Popularität gewinne. «Wenn etwas hip wird, kann man sich darüber ärgern, als Nerd freue ich mich aber darüber, wenn andere über dasselbe sprechen wie ich.» Auch wenn sie einräumt, dass viele Feministinnen im Internet aktiv seien und als «digitale Feministinnen-Armee» ihre Netzwerke rund um die Welt spannen würden.

Sie rät dem Palace-Publikum, keine Angst vor Feminismus zu haben und ihn als Werkzeugset und nicht als Regelwerk zu betrachten. «Wir müssen aufhören, die schönste, die dünnste oder die beste Feministin sein zu wollen.» Auch dürften keine Kämpfe zwischen Müttern und Nicht-Müttern entstehen. «Ohne Solidarität können wir die Welt nicht verändern», sagt Penny.

Den Kapitalismus überwinden

Einen Schritt in Richtung Weltverbesserung könne aber durch die Annahme des bedingungslosen Grundeinkommens gemacht werden. «Wir müssen den Kapitalismus überwinden. Es geht nicht um die Lohngleichheit, was nur dazu führen würde, dass Frauen genau wie Männer kapitalistisch ausgebeutet werden und zusätzlich noch die ganze Hausarbeit erledigen.»

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