Pflicht und Kür auf dem Rücken der Pferde

In der Reithalle fand gestern das fünfte nationale Voltigeturnier statt: Kinder und Jugendliche zeigten ihr Können in Gruppen- und Einzel- Choreographien. Bei ungemütlich kaltem Regenwetter strömten die Zuschauer zahlreich in die Halle, die es so vielleicht bald nicht mehr gibt.

Sarah Schmalz
Drucken
Nationales Voltige Turnier in der Reithalle (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

Nationales Voltige Turnier in der Reithalle (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

Am nationalen Voltigeturnier in der Reithalle flechten sich die Mädchen zur Mittagspause die Frisuren neu: Der strenge Dutt wird mit Haarnadeln befestigt, ein blauer Zopfgummi kommt drum herum. Der Glitzer darf natürlich nicht fehlen: ob als silberner Rand oder in Form von funkelnden Perlen.

Während sich die einen in der Halle schönmachen, trotzen andere draussen Wind und Wetter: Auf einem kleinen Wiesenstück übt ein Grüppchen Handstand und Überschlag.

OK-Präsident Thomas Leibacher, dessen Tochter ihn mit der Begeisterung fürs Voltigieren angesteckt hat, gerät ins Schwärmen. Hier zeige sich wieder, welche Leidenschaft die Mädchen für ihren Sport hätten. «Wenn's auch regnet und windet, sie üben trotzdem draussen und sind gut gelaunt. Beeindruckend.» Beeindruckt ist Leibacher auch vom Teamgeist unter den Voltigiererinnen. «Es ist anders als bei den <Rösselern>. Wir sind keine Einzelkämpfer.»

Die Gruppen, die in der Reithalle gegeneinander antreten, gehören den Kategorien «Basis» und «Leicht» an: Für ein Turnier der Stufen «Mittel» oder «Schwierig», bei denen drei Athletinnen auf galoppierenden Pferden ihre Kunststücke aufführen, wäre die Reithalle zu klein. Am Nachmittag bringen die Gruppen der Kategorie «Leicht» ihre Kür zur Aufführung; die Longenführerin treibt das Pferd mit rhythmischem Peitschen auf das Sägemehl an. Im Gegensatz zum Pflichtprogramm am Morgen zähle nun der künstlerische Ausdruck, eine stimmungsvolle Choreographie, so Leibacher. Die Voltige-Gruppen laufen in einer Reihe und in gestrecktem <Galopp> vor der Jury auf, vor der sie sich, mit leichtem Kopfnicken und Ballerina-Knicks, elegant verbeugen. «Auch diese Begrüssung wird von der Jury bewertet.»

Der Voltige-Gruppe des Reitclubs St. Gallen scheint alles zu gelingen: das Aufspringen auf das galoppierende Pferd, die Formationen, die zu zweit auf dem Pferderücken gezeigt werden. Seit dem Saisonbeginn im Herbst hat die Gruppe für das Turnier trainiert. «Na ja, mein Aufgang war nicht optimal», meint ein Mädchen nach dem Auftritt. Favorit seien ohnehin die Lütisburger. Nicht von ihnen aber müssen sich die St. Galler auf Rang zwei verweisen lassen, sondern vom aus Reinach bei Basel angereisten Voltigeverein Basiliensis.

Auf die Kür folgen die Einzel- und Pas-de-deux-Wettkämpfe. Die Zuschauerränge sind gut gefüllt; vor allem mit Eltern der Turnierteilnehmer. «Das hat sie jetzt aber gut gemacht», wird geflüstert. Oder: «Schau, wie sie strahlt.» Es seien aber auch Zuschauer ohne Bezug zum Voltigieren da, sagt Leibacher. «Die Leute wissen, dass die Halle bald zu einem Kulturlokal umfunktioniert werden könnte. Manche wollten heute einmal sehen, was wir hier eigentlich so treiben.»

Nationales Voltige Turnier in der Reithalle (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

Nationales Voltige Turnier in der Reithalle (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

Nationales Voltige Turnier in der Reithalle (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

Nationales Voltige Turnier in der Reithalle (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

Die Voltige-Gruppe III des Reitclubs St. Gallen führte am nationalen Voltigeturnier in der Reithalle ihre Kür auf. Die Gruppe erreichte den zweiten Schlussrang. (Bilder: Coralie Wenger)

Die Voltige-Gruppe III des Reitclubs St. Gallen führte am nationalen Voltigeturnier in der Reithalle ihre Kür auf. Die Gruppe erreichte den zweiten Schlussrang. (Bilder: Coralie Wenger)

Nationales Voltige Turnier in der Reithalle (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))

Nationales Voltige Turnier in der Reithalle (Bild: Coralie Wenger (Coralie Wenger))