Pfleger leiden mit

Dem Krankenpflegeverein wurde der Beitrag um 50 000 Franken gekürzt. Der Verein sah sich daraufhin gezwungen, die Löhne der Pfleger zu kürzen. Inzwischen sei der Schock aber verdaut.

Sebastian Schneider
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GOSSAU. Kasperli weiss: «Hüt en Rappe, morn en Rappe, git e schöni Zipfelchappe.» Auch der Gossauer Stadtrat musste sich Kasperlis Weisheit zu Herzen nehmen und Ende 2013 überall, wo er nur konnte, den Rotstift ansetzen. Und selbst wenn er an vielen Stellen nur kleine Beträge strich, sind die Entlastungsmassnahmen in der Rechnung 2014 doch ins Gewicht gefallen. Rund 2,5 Millionen Franken hatte der Stadthaushalt entlastet werden können. Parteivertreter reagierten auf diese Meldung unterschiedlich (Tagblatt vom Freitag).

Weniger Feiern

Die Kasse entlastet haben insbesondere Verbesserungen in der Organisation der Verwaltung (über 600 000 Franken). Doch unter den 34 Entlastungsmassnahmen sind auch kleinere Beträge zu finden. 2000 Franken etwa wurden für die Jungbürgerfeier und den Neuzuzügeranlass gestrichen, 6000 Franken für die Bundesfeier. 1000 Franken werden beim Verbrauchsmaterial in Zivilschutzanlagen gespart.

Weniger für Kultur und Pflege

Der Bericht zur Aufgaben- und Leistungsüberprüfung zeigt jedoch auch Sparmassnahmen auf, die Dritte direkt betreffen. So wurde etwa der Beitrag an das Schloss Oberberg um 20 000 Franken reduziert. «Die Kürzung bedeutet für uns Mehrarbeit», sagte Albert Lehmann, Präsident des Fördervereins Schloss Oberberg, nach dem Parlamentsbeschluss im Herbst 2013. Gestern war er für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Direktbetroffener ist auch Johann C. Krapf, Präsident des Krankenpflegevereins Gossau. Obschon er sich dagegen zur Wehr setzte, beschloss das Parlament, den Beitrag an den Verein um 50 000 Franken zu kürzen. Zu spüren bekam dies insbesondere das Personal. «Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verdienten vergangenen Jahres 2,8 Prozent weniger als im Vorjahr», sagt Krapf. Der Aufwand des Krankenpflegevereins von rund 1,4 Millionen Franken bestehe zu 85 Prozent aus Lohnkosten. Deshalb habe kein Weg daran vorbeigeführt, beim Personalaufwand zu sparen.

Doch auch einnahmenseitig musste der Verein eingreifen: «Wir haben die Mitgliederbeiträge aufs Jahr 2015 hin erhöht», sagt Krapf. Konkret zahlt ein Einzelmitglied neu 30 statt 20 Franken, Familien neu 40 statt 30 Franken.

«Den Sparschock haben wir inzwischen verdaut», sagt Krapf weiter. Dank des Finanzchefs und der Administrationsleiterin mit «sparsamen Ausgabeverhalten» und einer «glücklichen Entwicklung der Aufträge für die Pflege» habe man gar einen Ertragsüberschuss von 12 000 Franken erzielen können. Zudem konnten dank des Eintritts in den Versicherungspool der Gemeinden auch Versicherungsprämien gespart werden. Und so fallen in diesem Jahr die Sparmassnahmen bei den Löhnen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weg.

Krapf will in Zukunft offensiver über den Krankenpflegeverein informieren. Für ihn ist auch der Name veraltet. Heute abend könnte sich bereits etwas ändern. An der Mitgliederversammlung im Andreas-Saal sind neue Statuten und der Name Spitex Gossau beantragt.