Pflegekinder besser schützen

Künftig ist der Kanton für die Aufsicht von Pflegefamilien zuständig. Neun Stellen vermitteln die Pflegekinder. Die neue Verordnung ist in die Vernehmlassung geschickt worden.

Janina Gehrig
Drucken
Teilen
Für die Betreuung von Pflegekindern braucht es eine Bescheinigung. (Bild: ap/Thomas Kienzle)

Für die Betreuung von Pflegekindern braucht es eine Bescheinigung. (Bild: ap/Thomas Kienzle)

ST. GALLEN. Im Kanton St. Gallen betreuten Ende vergangenen Jahres 200 Pflegefamilien 246 Kinder dauerhaft, die aus sozialen Gründen nicht oder nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen konnten. Für die Aufsicht über die Pflegefamilien ist ab 2013 der Kanton zuständig. Bisher war das Aufgabe der einzelnen Gemeinden. Das Departement des Innern hat die neue kantonale Verordnung im Auftrag der Regierung in die Vernehmlassung geschickt. Sie dauert bis Ende August.

Kanton überprüft Eignung

Weiterhin müssen Pflegeeltern, die ein Pflegekind dauerhaft, also für mehr als drei Monate aufnehmen, eine Bewilligung einholen. Diese stellt künftig der Kanton aus. «Die wesentliche Neuerung besteht darin, dass sich Pflegefamilien nun an uns wenden, wenn sie Pflegekinder bei sich aufnehmen und betreuen wollen», sagt Andrea Lübberstedt, Leiterin des Amtes für Soziales des Kantons St. Gallen. Ob sich die Familien dazu eignen, wird somit bereits vor der Plazierung der Kinder abgeklärt. Und zwar anhand einheitlicher Standards. «Wir überprüfen etwa, ob Pflegeeltern genug Raum haben für ein Pflegekind, ob sie persönlich, gesundheitlich und finanziell in der Lage sind, das Kind zu betreuen.» Musste ein Kind notfallmässig kurzfristig untergebracht werden, war bisher keine Eignungsabklärung für Pflegeeltern vorgesehen. «Das führte teils zu schwierigen Entwicklungen», sagt Lübberstedt. Mit der neuen Regelung stünden geeignete Plätze zur Verfügung, bevor es zu einer Notfallsituation komme.

Neun Einzugsgebiete

Gleichzeitig lösen neue Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden (KES) die bisherigen 77 Vormundschaftsbehörden ab. Ihre Aufgabe wird es sein, für die Kinder ein geeignetes neues Zu- hause zu finden. Im Kanton St. Gallen werden neun KES-Behörden gebildet, die folgende Einzugsgebiete abdecken: Gossau, St. Gallen, Rorschach, Rheintal, Werdenberg, Sarganserland, See-Linth, Toggenburg und Wil-Uzwil. «Es ist oft schwierig, für die Kinder geeignete Plätze zu finden. Mit der Bündelung der Aufgaben fällt der Druck weg, da Pflegeeltern schon eine Eignungsbescheinigung haben», sagt Lübberstedt.

Auch für die Betreuung der Kinder in Tagesfamilien sind vereinfachte Verfahren vorgesehen. Wer regelmässig und gegen Entgelt Kinder unter zwölf Jahren betreuen möchte, braucht wie bisher eine Eignungsbescheinigung. Dafür sind weiterhin die Gemeinden zuständig. Neu muss aber nicht für jedes betreute Kind eine Bewilligung eingeholt werden.

Aktuelle Nachrichten