PFLEGEFACHLEUTE: Der Master in Pflege startet

ST.GALLEN. Ab Herbst bietet die Fachhochschule St. Gallen den ersten Master-Studiengang in Pflege an – mit Vertiefungsrichtung chronische Gesundheitsprobleme. Sie begegnet damit dem Mangel an hochqualifizierten Pflegefachleuten.

Markus Löliger
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Pflegefachleute sind gesucht – gerade auch solche mit Fachhochschulabschluss. (Bild: Urs Jaudas)

Pflegefachleute sind gesucht – gerade auch solche mit Fachhochschulabschluss. (Bild: Urs Jaudas)

Mit dem neuen Master-Studiengang stehen Pflegefachpersonen erstmals in der Deutschschweiz Karrieremöglichkeiten offen, wie sie bisher skandinavische und angelsächsische Länder anboten. Die Ostschweiz kooperiert bei diesem Studiengang mit den Fachhochschulen Zürich und Bern.

Mit seinem Ja zu diesem Master-of-Science-Studiengang hat der Bund bestätigt, dass die beteiligten Fachhochschulen Forschungsschwerpunkte von nationaler Bedeutung aufgebaut haben.

Solche wissenschaftlichen Forschungsinstitute sind Voraussetzung, weil die Forschung in den Master-Studiengängen sehr stark in die Lehre einfliesst. Die Leiterin des Fachbereichs Gesundheit an der Fachhochschule St. Gallen (FHS), Professorin Martina Merz-Staerkle, ist überzeugt: «Der eigene Master in Pflege sichert der Schweiz als Bildungsstandort die internationale Wettbewerbsfähigkeit.»

Chronisch Kranke im Fokus

Die Vertiefungsrichtung des Studiums an der FHS: Chronische Gesundheitsprobleme unter besonderer Berücksichtigung älterer Menschen und der Patienten- und Angehörigen-Edukation. Das bedeutet, dass die Erhaltung der Selbständigkeit der Patienten ein wichtiges Ziel ist. Die Studierenden lernen, entsprechende Pflegekonzepte zu erarbeiten und deren Umsetzung im Alltag einer chronisch kranken Person zu begleiten.

«Es geht um die Förderung des Selbstmanagements», sagt Eva-Maria Panfil, Projektleiterin des Master-Studiums in Pflege. «Chronisch Kranke werden ihre Krankheit nicht mehr los. Sie müssen sich den Alltag so einrichten, dass sie trotz Einschränkung möglichst gut leben können.»

Vier Gründe für einen Master

«Die Einführung des Masters in Pflege leistet keineswegs einer Akademisierung Vorschub, wie oft kritisiert wird, sondern deckt ein dringendes Bedürfnis nach hochqualifizierten Fachleuten aus der Pflege», sagt Martina Merz-Staerkle.

Eva-Maria Panfil zählt vier Hauptgründe auf, warum es den Lehrgang dringend braucht: «Die Zahl der chronisch Kranken steigt unaufhaltsam – allein zwischen 1990 und 2020 steigt ihr Anteil an der Gesamtzahl der Kranken von 35 auf 60 Prozent. Ein zweiter Grund: Das Gesundheitswesen kann immer weniger Geld bereitstellen, weshalb es wichtiger wird, die vorhandenen Mittel gezielt und effizient einzusetzen.

Chronisch kranke Patienten werden künftig vermehrt zu Hause leben und dort ihren Alltag meistern müssen. Zudem zeichnet sich bei den Pflegefachleuten ein immer stärkerer Mangel ab.»

Die Master-Absolventen werden laut Panfil vor allem konzeptionell und supervisorisch tätig sein. Sie werden vermehrt auch an den Schnittstellen zwischen Spital und Nachbehandlung respektive Rehabilitation gefragt sein.

Dort entstehen neue Aufgaben, wenn nach der Einführung von Fallpauschalen in der Spitalfinanzierung ab 2012 die Aufenthaltsdauern kürzer und die Genesung der Patienten beim Austritt weniger weit gediehen sein werden.

Pflegeerfahrung gefragt

Untersuchungen zeigen, dass sich chronisch Kranke dann besonders gut betreut fühlen, wenn Pflegende ihre Bezugspersonen sind.

Es sei deshalb wichtig, sagen Martina Merz und Eva-Maria Panfil übereinstimmend, «dass Master-Absolvierende gute Fachkenntnisse aus der Pflege mitbringen und gleichzeitig genügend Wissen haben über die vielen Schnittstellen im Gesundheitswesen.»

«Ganz neue Konzepte werden zu suchen sein, wenn die Menschen immer älter werden und gleichzeitig die Zahl der professionell Pflegenden sinken wird», sagt Eva-Maria Panfil. Sie sieht in diesem Bereich neue Arbeit auf die künftigen Master in Pflege zukommen.