Pflästerlipolitik statt Südspange

Der Bau der Südspange ist unsicher. Die Stadt macht sich daher im Richtplan Gedanken über Alternativen: Die Autobahnzubringer könnten ausgebaut werden. Allerdings fehlt es dafür an Platz und auch noch an Geld.

Katja Müller
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Musterausbau: Auf der St. Leonhard-Strasse wurde eine eigene Busspur gebaut, um den gesamten Verkehrsfluss zu verbessern. (Bild: Urs Jaudas)

Musterausbau: Auf der St. Leonhard-Strasse wurde eine eigene Busspur gebaut, um den gesamten Verkehrsfluss zu verbessern. (Bild: Urs Jaudas)

Die Stadtautobahn stösst bald an ihre Grenzen. Insbesondere, wenn man von einem künftigen Verkehrswachstum von einem Prozent jährlich ausgeht, wie dies die Verkehrsingenieure der Stadt tun. Die Frage ist, wie darauf reagiert werden kann. Eine Lösung des Problems wäre die Südspange, eine unterirdische Entlastungsstrasse. Das Grossprojekt wird von Stadt und Kanton favorisiert. Ob es gebaut wird, ist aber fraglicher denn je. Gerade hat der Bund das 1,5-Milliarden-Projekt auf die lange Bank geschoben (Tagblatt vom 10.

September).

Dass man etwas unternehmen müsse, sei klar, sagt Christian Hasler, Leiter Verkehr beim städtischen Tiefbauamt. Die A1 im Raum St. Gallen gehöre aus Sicht des Bundes zur höchsten Problemstufe. Es könne aber sein, dass dieser statt dem Bau einer neuen Strasse nur günstigere, betriebliche Massnahmen ins Auge fasse. Beispielsweise könnte die Zufahrt zur Autobahn durch Lichtsignale dosiert werden.

Allerdings stellt diese Lösung Stadt und Kanton vor grössere Probleme, denn der Verkehr würde sich dann im städtischen Netz stauen.

Eigentrassierung anders planen

Die Stadt will den öffentlichen und den Langsamverkehr fördern und unter anderem bei Kreuzungen Kapazitäten schaffen. Ohne den Bau der Südspange wäre sie laut Hasler doppelt gefordert und müsste die Kapazitäten auf dem städtischen Netz noch stärker ausbauen.

Im Richtplan sind deshalb Massnahmen aufgezeigt, wie die Stadt die wachsende Blechlawine zu managen gedenkt.

Ohne Südspange könne man, was die Verkehrskapazität betreffe, allerdings nur «Pflästerlipolitik» betreiben, sagt Verkehrsplaner Hasler. Damit es weder auf der Autobahn noch in der Stadt zu unzulässig langen Rückstaus komme, wäre beispielsweise ein Ausbau der Autobahnzubringer notwendig. Als Muster dafür dient die St. Leonhard-Strasse, wo vor kurzem eine neue Spur gebaut wurde, um den Verkehrsfluss zu verbessern.

Zudem wären für die Eigentrassierung des öffentlichen Verkehrs aufwendigere Massnahmen nötig, wenn die Südspange nicht gebaut werde. Im Richtplan angedacht sei beispielsweise ein Bustunnel zwischen Bahnhofplatz und Kreuzbleiche.

Platz für neue Spuren

Zwei Voraussetzungen müssen für den Ausbau der Zubringer gegeben sein: Einerseits braucht es genügend Platz, anderseits muss die Finanzierung gewährleistet sein.

Im Neudorf und in Winkeln gebe es noch beschränkt Möglichkeiten, um die Strassen zu verbreitern, sagt Hasler. In St. Fiden werde es schon deutlich schwieriger, und bei der Kreuzbleiche habe man bereits alles gemacht, was verhältnismässig sei.

Eine andere Variante sei, aus Platzgründen auf direkte Zufahrten in Quartiere oder auf andere Spuren, beispielsweise für Velos, zu verzichten.

Dies widerspreche allerdings dem Leitgedanken der Grundzüge der räumlichen Entwicklung und des Reglements für eine nachhaltige Verkehrsentwicklung.

Unklare Kostenverteilung

Ebenfalls ein Problem ist die Finanzierung. Während die Südspange eine Nationalstrasse und damit zum grössten Teil Sache des Bundes wäre, sind bei punktuellen Massnahmen auf dem übrigen Strassennetz Kanton und Stadt gefordert.

Im Rahmen des Aggloprogramms würde der Bund voraussichtlich 40 Prozent der Kosten für die öV-Eigentrassierung übernehmen. Die verbleibenden Kosten für Stadt und Kanton dürfe man nicht unterschätzen, sagt der Verkehrsplaner. Allein der Bustunnel koste insgesamt rund 200 Millionen Franken.