Pfarrerstochter mit Blumengarten

Von Kiel über das Tessin nach St. Gallen: Die neue Halden-Pfarrerin Birke Horváth-Müller ist in vielen Welten zu Hause. Frömmigkeit ist für sie ebenso wichtig wie soziales Engagement. Und wie Blumen verschenken.

Daniel Klingenberg
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Birke Horváth-Müller Evangelische Pfarrerin Halden (Bild: Ralph Ribi)

Birke Horváth-Müller Evangelische Pfarrerin Halden (Bild: Ralph Ribi)

Frau Horváth-Müller, warum kommen Sie nach St. Gallen?

Birke Horváth-Müller: Seit fünf Jahren arbeitete ich in einem 70-Prozent-Pfarramt im Südteil des Kantons Graubünden, zuständig für das Calancatal und das Misox. Ich war sehr gerne dort. Aber die Gemeinde ist überaltert und ich suchte eine Herausforderung, in der ich mit Menschen in allen Lebensabschnitten zu tun habe, auch mit Kindern und Jugendlichen. Zudem freue ich mich, in einem Team-Pfarramt zu arbeiten.

Und warum sind Sie als Norddeutsche in die Südschweiz gezogen?

Horváth-Müller: Es ist der Klassiker: Wegen der Liebe. 2004 kam ich aus Hamburg, wo ich zehn Jahre Pfarrerin war, zu meinem Mann ins Tessin nach Brissago.

Sie sind in Kiel in einem Pfarrhaus aufgewachsen.

Horváth-Müller: Ich bin 1963 in Kiel geboren und dort aufgewachsen. Mein Vater vertrat eine sehr linkspolitische Theologie, das ist der eine Teil meiner religiösen Sozialisierung.

Es gibt einen zweiten Teil?

Horváth-Müller: Der andere Teil ist meine Erfahrung in einer pietistisch geprägten Jugendgruppe. Pietismus hat mit der Frömmigkeit des Herzens zu tun und als Jugendliche gefielen mir das Singen und Gitarrespielen.

Beim Stichwort Kiel kommt einem Tatort-Kommissar Klaus Borowski in den Sinn. Mögen Sie die Figur?

Horváth-Müller: Man sagt, Norddeutsche seien etwas spröde. Das verkörpert er sehr gut.

Die Halden hat in St. Gallen wegen der Ökumene eine Sonderstellung. Warum passen Sie hierher?

Horváth-Müller: Mein Mann ist katholisch, das ökumenische Grundprogramm ist für uns Alltag. Ich bin in meinem Leben mit sehr verschiedenen Welten in Kontakt gekommen: Das Norddeutsche, das Italienische, verschiedene religiöse Wurzeln. Halden ist ein kirchliches Avantgarde-Projekt, das Offenheit für Vielfalt voraussetzt. Ich wünsche mir, dass ich meinen Lebensrucksack hier einbringen kann.

Was ist Ihnen als Pfarrerin wichtig?

Horváth-Müller: Gott ist ein liebender Gott. Liebe richtet auf und befreit. Diese Überzeugung und Erfahrung will ich zu den Menschen tragen.

Lebt das politische Engagement Ihres Elternhauses in Ihnen weiter?

Horváth-Müller: Gott ist Liebe, aber Gott will auch Recht und Gerechtigkeit. Wir leben in einer bodenlos ungerechten Welt, der grösste Teil der Menschen auf der Erde lebt unter sehr schwierigen Bedingungen und Land und Leute werden ausgebeutet. Der Glaube ruft daher nach sozialpolitischem Engagement.

Und die Frömmigkeit der Pubertät?

Horváth-Müller: Ich sage dem heute eher Spiritualität. Es geht darum, der eigenen Sehnsucht nach Gott Sorge zu tragen.

Warum ist das für Sie wichtig?

Horváth-Müller: Ich kann das so sagen: Wenn ich Blumen verschenken will, brauche ich auch einen Garten, in dem Blumen wachsen. Es geht darum, die eigenen Wurzeln zu pflegen.

Wie pflegen Sie den Blumengarten?

Horváth-Müller: In Deutschland machte ich in der Fastenzeit bei der Aktion «Anders leben» mit. Diese Praxis übe ich auch hier. Ich lerne zum Beispiel einen Psalm auswendig und spreche ihn jeden Tag zu Gott.

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