«Pesta fördert den FCR-Geist»

Der FC war lange der wichtigste Sportclub der Arbeiterstadt Rorschach. Ralph Hilgers, seit zwei Jahren Sportchef, beschreibt am Saisonbeginn die heutige Situation des über 100 Jahre alten Clubs und die Aussichten für die Zukunft.

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Ralph Hilgers

Ralph Hilgers

Herr Hilgers, Sie haben als Bub auf der Feuerwehrstrasse getschuttet, sind seit Ihrem achten Lebensjahr Mitglied des FC Rorschach. Heute spielen Sie als Senior und dienen als Sportchef. Wie hat sich der Club verändert? Es heisst, im FC habe es bald keine Schweizer mehr.

Ralph Hilgers: Im FC war der Anteil an Spielern aus Arbeiterfamilien immer sehr hoch. Ich denke an die Zeit der italienischen und spanischen Gastarbeiter. Dann kamen zunehmend Junioren aus eingewanderten Familien vom Balkan und später aus der Türkei. Rorschach hat ja einen Ausländeranteil von bald 50 Prozent und so widerspiegelt auch der FC die Bevölkerungsstruktur der Stadt.

Es soll ja Schweizer Eltern geben, die ihre Buben lieber dem FC Goldach oder Rorschacherberg anvertrauen, weil im FC kaum mehr Deutsch gesprochen werde.

Hilgers: Mit dem Rückgang der Einwohnerzahl in Rorschach und der Zunahme in Goldach und Rorschacherberg sind dort auch Fussballclubs gewachsen. Wir betreuen aber immer noch gut 150 Junioren aus zehn Nationen.

Die Italiener im Club gründeten 1975 eine Untersektion, zuerst als FC Pugliese und dann als Stella Azzurra. Diese hat sich als eigenständiger Verein etabliert. Ein Verein im Verein – wohl eine etwas problematische Situation?

Hilgers: Dies war dem FC nicht immer förderlich und ist auch heute teilweise unbefriedigend. Auch ich war zehn Jahre lang Stella-Azzurra-orientiert, jetzt will ich als Sportchef die Zusammenarbeit verbessern. Die italienischen und spanischen Secondos dieser Mannschaft durchliefen die FC-Junioren und wollten als Kollegen zusammenspielen. Heute spielt Stella als zweite Mannschaft des FC in der 3. Liga und ist finanziell selbsttragend. Der Erfolg von Stella und FCR hängt ab von der Zusammenarbeit.

Wie unterstützt die Stadt den FC? Stadtpräsident Müller lud die Mannschaft 2010 nach dem Aufstieg zu einem Nachtessen ein und versprach, Garderobe und Duschen beim Sportplatz Pestalozzi sanieren zu lassen. Ist dies geschehen?

Hilgers: Die Stadt zahlt wie anderen Vereinen einen Beitrag je Rorschacher Junior. Laut Kassier ergibt dies jährlich etwa 9000 bis 10 000 Franken. Im Gebäude wurde nur repariert und gemalt, aber nicht saniert. Man muss sich beim Besuch auswärtiger Clubs für unsere altertümliche Anlage schämen. Die Stadt sollte das langsam verlotternde Gebäude sanieren.

Das tut die Stadt nicht, weil sie wünscht, dass die erste Mannschaft auf der regionalen Anlage Kellen spielt. Warum will der FC unbedingt auf dem Pesta bleiben?

Hilgers: Der Hauptgrund ist der Ertrag aus der Bewirtschaftung des Vereinslokals auf dem Pesta. Meine Eltern amten dort als freiwillige Wirte. Es ist keine Goldgrube, aber von den Erträgen auf der Anlage Kellen erhalten wir gar nichts. Auf dem Pesta gibt es für uns auch Erträge aus der Bandenwerbung. Und nicht zuletzt: Der Pesta fördert den alten FC-Rorschach-Geist in der Stadt. Wir brauchen ihn zudem, weil gar nicht alle Spiele von FC Goldach, Rorschacherberg und Rorschach zu den Spielzeiten 13, 15 und 17 Uhr auf Kellen ausgetragen werden könnten.

Der Vorstand hat den Vertrag mit Christoph Weishaupt als Trainer der ersten Mannschaft aufgelöst. Emilio Knecht, ein FC-Urgestein, ist bis zum Sommer wieder eingesprungen. Wie verläuft die Suche nach dem neuen Trainer?

Hilgers: Beim Engagement von Christoph Weishaupt war unsere einzige Unklarheit, ob es aufgrund seiner langen Tätigkeit im Juniorenbereich mit der Kommunikation mit den erwachsenen Spielern hapern könnte. Christoph ist fachlich ein guter Trainer, doch er hat den Ton mit den gestandenen Spielern nicht gefunden. Sie fühlten sich oft behandelt wie E-Junioren. Der Vorstand steht kurz vor dem Engagement eines neuen Trainers und wird demnächst informieren.

Die erste Mannschaft verlor das erste Spiel im Frühjahr in Kreuzlingen und liegt damit auf dem drittletzten Platz. Wird Knecht das Team vor dem Abstieg bewahren?

Hilgers: Emilio Knecht setzte die gleichen Spieler ein wie im Herbst und wird in den nächsten Spielen auch Junioren einbauen, die in den Vorbereitungsspielen – zum Beispiel gegen Brühl – sehr gut gespielt haben. Die Mannschaft hat einen guten Zusammenhang und sollte sich in dieser ersten Saison in der Liga halten können, obwohl es in den restlichen Partien sehr schwierig wird.

Mit dem Tod von Edy Rechsteiner hat der FC seinen jahrelangen Kommunikator verloren. Auch die gut gestaltete Homepage ist nicht à jour. Wie weiter?

Hilgers: Edy Rechsteiner fehlt uns sehr und wir haben noch keinen gleichwertigen Ersatz gefunden. Die Homepage aktualisieren ist eine wöchentliche Aufgabe. Wie viele Vereine finden auch wir immer wieder Leute, die sich freiwillig für kurzfristige Mitarbeit zur Verfügung stellen, aber nur wenige, die Verantwortung für eine längere Verpflichtung übernehmen, zum Beispiel ein Amt im Vorstand oder eben die regelmässige Homepage-Betreuung.

Wie geht es dem FC finanziell?

Hilgers: Bis Ende Saison werden wir unseren Anteil von 60 000 Franken für die Kellen-Allwetterplätze amortisiert haben. Aber es sind immer noch hohe Altlasten aus früheren Jahren in der Bilanz, welche uns zu äussersten Sparmassnahmen zwingen. Nur dank der grosszügigen Unterstützung des Supporter Clubs 1907 konnten wir die Erfolgsrechnungen in den letzten Jahren positiv abschliessen. Ende Saison laufen Sponsorenverträge aus, welche hoffentlich erneuert werden können. Es fehlt uns auch für diese Charge (das Marketing) eine aktive Person im Vorstand.

Interview: Otmar Elsener

Grund zur Freude wie hier beim Aufstieg 2010 erhofft die erste FC-Mannschaft auch Ende Saison. Jetzt wieder mit Emilio Knecht (mit Mütze) als Trainer kämpft sie um den Verbleib in der 2. Liga interregional. (Bilder: Otmar Elsener)

Grund zur Freude wie hier beim Aufstieg 2010 erhofft die erste FC-Mannschaft auch Ende Saison. Jetzt wieder mit Emilio Knecht (mit Mütze) als Trainer kämpft sie um den Verbleib in der 2. Liga interregional. (Bilder: Otmar Elsener)