Personal auf die Probe stellen

GOSAU. Weniger Alkohol ist cool: Davon ist Jugendsozialarbeiter Alfred Felix von der Stadt Gossau felsenfest überzeugt. Er führt deshalb zusammen mit Jugendlichen an Veranstaltungen Testkäufe durch. Nicht alle Veranstalter bestehen den Test.

Rita Bolt
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Alcopops: Den Jugendlichen schmeckt's. Der Verkauf ist aber an unter 18-Jährige verboten. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Alcopops: Den Jugendlichen schmeckt's. Der Verkauf ist aber an unter 18-Jährige verboten. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Jugendsozialarbeiter Alfred Felix sitzt mit Jugendlichen auf einem Bänkli, lässt sich von Musik berieseln. Er ist aber nicht der Musik wegen hier. Er kontrolliert, ob der Veranstalter die Auflagen bezüglich Alkoholausschank an Jugendliche einhält. Er mischt sich am BBC Open unter die Gäste, ist am Henessen- und Pläuschler-Fest, an der 1.-August-Party oder den Blues Nights, an einem Handball- oder Fussballmatch anzutreffen. Er ist nicht immer ein gern gesehener Gast, denn er stellt das Personal auf die Probe.

Zusammen mit minderjährigen Jugendlichen. Sie versuchen Alkohol zu kaufen. «Die Jugendlichen werden dafür nicht willkürlich ausgesucht», sagt Alfred Felix. Die Eltern der Jugendlichen hätten eingewilligt. Nach den Testkäufen sitzt Alfred Felix mit den Jugendlichen zusammen, füllt einen Fragebogen aus und bespricht das Geschehene.

Im Zweifelsfall der Ausweis

«Zu 90 Prozent leisten die Veranstalter gute Arbeit», anerkennt der Jugendsozialarbeiter. Sehr gute Arbeit sei am BBC Open geleistet worden. Kein Minderjähriger habe Alkohol erhalten. Kontrolliert wird jeweils auch die Abgabe der farbigen Bändel an der Kasse. Auch am Eingang habe alles geklappt. Nicht ganz so gut haben andere Feste – Alfred Felix will die Namen nicht nennen – abgeschnitten: «Bei Testkäufen haben Jugendliche leider Alkohol erhalten», beantwortet Felix eine entsprechende Frage.

Er wisse zwar, wie es zu und her gehe, wenn viele Leute an der Bar auf ihr Getränk warten. Das Personal sei unter Druck und vergesse, die Bändel zu kontrollieren. Im Zweifelsfall müsse das Servierpersonal sogar den Ausweis verlangen.

Abzug bei der Kaution

Ein Alkoholausschank an Minderjährige hat Konsequenzen – an welchem Anlass auch immer.

Wenn die Polizei Testkäufe macht, gibt es eine Busse und eine Strafanzeige, wenn der Jugendschutz nicht eingehalten wird. Wenn das Jugendsekretariat feststellt, dass das Jugendschutzgesetz nicht eingehalten wird, kann es je nach Vergehen sein, dass dem Veranstalter nicht die ganze Kaution zurückbezahlt wird. Denn im Gossau-eigenen Präventionsprojekt mit Namen «Weniger isch cool» muss der Veranstalter eine der Grösse des Anlasses entsprechende Kaution hinterlegen. Diese kann bis zu 2500 Franken betragen.

«Unser Ziel ist es natürlich, den Veranstaltern die Kaution zu 100 Prozent zurückzuerstatten», sagt Alfred Felix. Ein weiteres Ziel: Dass auf dem Platz Gossau nur noch der Jugendsozialarbeiter Testkäufe durchführt und die Polizei diesbezüglich nicht mehr aktiv ist. Felix begründet, warum: Für einen Veranstalter sei es erstens nicht sehr angenehm, wenn die Polizei vor Ort sei, und zweitens könne es geschehen, dass die Polizei und das Jugendsekretariat im gleichen Zeitraum Testkäufe angeordnet hätten. Das sei am Henessenfest so gewesen.

Trinkgelage der Zaungäste

Der Jugendsozialarbeiter hat die Festgelände und die Jugendlichen unter 18 Jahren, die dort verkehren, meist im Griff. Die minderjährigen Zaungäste, die ausserhalb der Festgelände den mitgebrachten Alkohol trinken und den Abfall liegenlassen, nicht. Dessen ist sich auch Alfred Felix bewusst. Der Veranstalter sei nur für sein Festgelände verantwortlich, nicht für das, was im öffentlichen Raum geschehe.

Wenn er trinkende oder kiffende Jugendliche sehe, rede er mit ihnen, kläre sie über die Folgen auf, sagt der Jugendsozialarbeiter. Eine permanente Kontrolle der Gelände wäre mit vermehrter Präsenz der mobilen Jugendarbeit oder der Polizei verbunden, was wiederum eine Personalfrage wäre.

Schulung ist gratis

«Mir liegen die Jugendlichen am Herzen», sagt Alfred Felix. Er ist überzeugt, dass das Projekt «Weniger isch cool» ein guter Ansatz für Präventionsarbeit bildet.

Veranstalter werden vom Jugendsozialarbeiter vor dem Anlass geschult und auf die Gefahren und Konsequenzen des Alkoholausschanks an Minderjährige aufmerksam gemacht und für das Jugendschutzgesetz sensibilisiert.