PeLago-Ausbau auf Eis gelegt

RORSCHACHERBERG. Rorschach hat den Verwaltungsrat gebeten, die Planung für den Ausbau des regionalen Pflegeheims zu sistieren. Wenn die Stadt das Altersheim Promenade um eine Pflegeabteilung erweitert, wäre ein Ausbau des PeLago hinfällig.

Rudolf Hirtl/Richa Huber
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Längerfristig soll das Pflegeheim für die Region ausgebaut werden, um von Fachleuten prognostizierten steigenden Patientenzahlen im Bereich Demenz und Pflege gerecht zu werden. (Bild: Richa Huber)

Längerfristig soll das Pflegeheim für die Region ausgebaut werden, um von Fachleuten prognostizierten steigenden Patientenzahlen im Bereich Demenz und Pflege gerecht zu werden. (Bild: Richa Huber)

«Espada» – so der klangvolle Name des Projektes, das im November 2013 als Sieger des Architektur-Wettbewerbs zur Erweiterung des Pflegeheims der Region Rorschach gewählt wurde. Die Jury mit Zweckverbandspräsident Beat Hirs, PeLago-Geschäftsleiterin Ingrid Markart und dem Rorschacher Stadtpräsidenten Thomas Müller sowie Fach-Preisrichtern erachtete das Projekt des Zürcher Architekturbüros Gäumann, Lüdi und von der Ropp als bestes der eingereichten Wettbewerbsvorschläge.

Pflege ja, Demenz nein

Von einem Baustart ist man freilich noch weit entfernt. Und auch von der damals demonstrierten Harmonie ist nicht mehr viel zu sehen. Im Gegenteil. Der Stadtrat Rorschach hat den Verwaltungsrat mittlerweile um die Sistierung der Planung des PeLago-Ausbaus gebeten, um eine strategische Planung des Altersheims Promenade in Rorschach nachzuholen. «Sollte Rorschach das Altersheim Promenade im Rahmen einer Sanierung stark umbauen, erweitern und neu auf Demenz und Pflege ausrichten wollen, müsste im PeLago voraussichtlich keine zusätzliche Kapazität geschaffen werden», sagt Beat Hirs.

Rorschachs Stadtpräsident Thomas Müller spricht von einer neuen Ausgangslage und räumt ein, dass der Stadtrat aufgrund des Neins zur «Stadt am See» die künftige Ausrichtung des Altersheims Promenade tatsächlich neu beurteile. Die Einbindung einer Demenz-Abteilung sei aber nicht vorgesehen. «Wir sind der Meinung, dass Demenz-Patienten mit Vorteil zentral, also im PeLago positioniert werden.» Die Einrichtung von Pflegeplätzen im «Promenade» sei hingegen möglich.

Laut Müller ist nicht nur die Neuausrichtung des Altersheims Promenade Grund für die Sistierung der Planung. Ursprünglich sei das Projekt Ausbau PeLago mit 15 Millionen Franken budgetiert gewesen. Das Siegerprojekt hätte allerdings 20 Millionen Franken gekostet und weitere fünf Millionen müssten für die Modernisierung des bestehenden Traktes aufgewendet werden. Weil die veranschlagten Kosten also weit über den Erwartungen lägen, hätten der Stadtrat Rorschach und auch der Gemeinderat Goldach beantragt, bezüglich Finanzierung nochmals über die Bücher zu gehen.

«Region wird uns dankbar sein»

Der Verwaltungsrat hat denn auch im März der Beratungsfirma OBT den Auftrag erteilt, die künftige betriebswirtschaftliche Positionierung kritisch zu überprüfen und verschiedene Szenarien zu berechnen. «Darüber orientieren wir an der kommenden Delegiertenversammlung Ende Oktober», sagt Beat Hirs und ergänzt, «das Anbauprojekt würde eigenfinanziert und ohne Gemeindebeiträge funktionieren.»

Etwas anders beurteilt dies Thomas Müller. Bei der ursprünglichen Zielsetzung sei der Zweckverband von Erstellungskosten von 300 000 Franken pro Pflegeplatz ausgegangen, was Erfahrungswerten in diesem Segment entspreche. Beim Siegerprojekt wären die Kosten auf 500 000 pro Platz/Bett gestiegen. Daher liege es auf der Hand, dass eine Kostenoptimierung erfolgen müsse. Auch deshalb, weil die Ergänzungsleistungen des Kantons von maximal 180 Franken pro Tag bereits mit den heutigen Tarifen beinahe ausgeschöpft seien. «Die Region wird uns einmal dankbar sein, dass wir diesen Marschhalt gemacht haben, davon gehe ich aus», bekräftigt Müller.

Der Stadtpräsident verweist auch auf den Kanton Thurgau, wo die Anzahl der Pflegebetten plafoniert werden soll, um dafür die häusliche Pflege zu forcieren. Dies sei eine Tendenz, die auch auf den Kanton St. Gallen übergreifen könne. Eine Entwicklung, die sich auf die Finanzierung von Plätzen in Pflegeheimen auswirken könne und die bei der Planung des Ausbaus des PeLago berücksichtigt werden müsse.

Für Notfälle gerüstet sein

Aktuell ist das PeLago nicht voll ausgelastet. Warum ist aber trotzdem ein Ausbau nötig? «Da wir Notfalleintritte aufnehmen, müssen wir gewisse Kapazitätsreserven zur Verfügung halten und können nicht voll auslasten. Dennoch lag im PeLago die Belegung auch im 2014 über dem budgetierten Wert», sagt dazu Zweckverbandspräsident Beat Hirs. Fachleute würden von steigenden Patientenzahlen im Bereich Demenz und Pflege ausgehen und es brauche in der Region geeignete Angebote. «Als Verwaltungsrat wollen wir vorausdenken und nicht erst dann investieren, wenn ein Notstand vorliegt und Patientinnen und Patienten abgewiesen werden müssten. Ein solches Ausbauprojekt dauert bekanntlich einige Jahre, bis bezogen werden kann.» Weiter betont Hirs: «Als Verwaltungsrat beantragen wir den Delegierten deshalb eine Verschiebung des Investitionsentscheides auf die Delegiertenversammlung 2015. Das schafft dem Stadtrat Rorschach die gewünschte Zeit, die Zukunftsfragen um das Altersheim Promenade zu klären.»

Das PeLago sei ein Zweckverband der Gemeinden Untereggen, Goldach, Rorschacherberg und Rorschach. Rorschach sei fix eingebunden. Über 40 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner des PeLago stammten aus Rorschach. «Wir wollen als Region optimal aufeinander abgestimmte Angebote und keine Überkapazitäten schaffen. Deshalb koordinieren wir die Planung untereinander.»