Pegel reagiert auf Wetterkapriolen

Das Wasser im Bodensee steht leicht höher als am Jahresbeginn üblich. Durchs ganze Jahr 2014 wich der Pegel nie extrem vom Durchschnitt ab. Die stärksten Ausschläge spiegeln schönen Vorsommer und verregneten Sommer.

Fritz Bichsel
Drucken
Teilen
Die Schneeschmelze der vergangenen Tage führte zu einem Anstieg des Bodenseepegels. (Bild: Corina Tobler)

Die Schneeschmelze der vergangenen Tage führte zu einem Anstieg des Bodenseepegels. (Bild: Corina Tobler)

Zuerst der starke Schneefall vor dem Jahreswechsel, dann die intensiven Regenschauer. Die Wetterkapriolen der vergangenen Tage haben viel Wasser in die Flüsse gespült, und sie liessen auch den Bodenseepegel ansteigen – um 10 Zentimeter, wie es beim Bundesamt für Umwelt heisst. Damit liege der Pegel leicht über dem für diese Jahreszeit üblichen Durchschnitt. Generell reagiert der Bodenseepegel relativ rasch auf das Wetter. Dies belegt auch die Statistik aus dem vergangenen Jahr (Grafik), die also auch eine Art Jahresrückblick des Wetters in der Region ist.

Frühling schon ab Januar

Langer Frühling bereits ab Januar, warmer Vorsommer, verregneter Hochsommer, goldener Herbst bis in den November: Diese unüblichen Wettersituationen im vergangenen Jahr spiegelt die Bodensee-Pegelkurve. Von Anfang Jahr bis in den April stand das Wasser nahe dem Durchschnitt der gut 130 Jahre, seit denen der Pegelstand aufgezeichnet wird. Bei wechselhaftem und dann früh heissem Wetter kam anschliessend bis im Juni weniger Wasser in den See als üblich. In der zweiten Hälfte Juni wich der Pegel dieses Jahr am stärksten vom langjährigen Mittel ab mit 65 Zentimetern nach unten. (Der Rekord in diese Richtung liegt bei einem Meter.)

Für Spaziergänge am See oder mit Ausblick in den Bodenseeraum war im ersten Halbjahr 2014 ausgiebig Gelegenheit bei angenehmem Wetter. Auch Freiluftveranstaltungen wie der Frühlingsmarkt in Goldach oder das Rorschacher Stadtfest und der erste Teil der Reihe «Kultur im Pavillon» in Rorschach profitierten dieses Jahr vom langen Frühling oder vom warmen Vorsommer.

Pech für Bäder und Schifffahrt

In den Monaten Juli und August zieht es die Leute üblicherweise mehr in und auf das Wasser. 2014 lockte das aber selten. Bäder und Schifffahrt litten im nassen und kühlen Hochsommer. Das Wasser im Bodensee stieg rasch über das langjährige Mittel. Dieses übertraf es 2014 Anfang August am meisten mit rund 40 Zentimetern. (Der Rekord bei der Abweichung nach oben, zu Hochwasser, liegt bei zwei Metern.) Organisatoren und Besucher von Anlässen im Freien hatten Glück in der Schlechtwetterperiode: Für Bundesfeiern war es angenehm. Die Sandkünstler in Rorschach mussten zwar bei Regen modellieren, ihre Werke liessen sich aber bei besserem Wetter bestaunen. Dem Seefest in Horn oder dem Beachvolleyball-Turnier in Rorschach lachte im oft verregneten August die Sonne.

Entschädigung im Herbst

Für den Regensommer wurde man entschädigt durch einen schönen warmen Herbst bis in den November. Das Seewasser sank entsprechend auf die Durchschnittsmarke und Mitte Oktober sogar leicht unter diese. Dann blieb der Pegel bis in den November etwa gleich, statt wie um diese Jahreszeit üblich weiter zu sinken. Das bewirkte nicht überdurchschnittliche Niederschläge, sondern für die Jahreszeit zu hohe Temperaturen. So fiel auch in höheren Regionen im November nicht wie üblich Schnee, sondern Regen, der gleich in den See abfloss. In den letzten Tagen 2014 sank der Pegel Richtung langjähriges Mittel. Dies, weil es endlich schneite und das Wasser in Form von Eis und Schnee liegen blieb.