PATENPROJEKT: Hilfe beim Einleben in der Fremde

In Rorschacherberg gibt es fünf Integrationsbegleiter für Flüchtlinge. Eine der freiwilligen Helferinnen ist Michaela Buob. Zwischen ihr und ihrer eritreischen Patenfamilie hat sich eine Freundschaft entwickelt.

Lisa Wickart
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Michaela Buob besucht Letensea und Okube mit ihren Kindern Segen, Philmon und Lydia regelmässig. (Bild: Lisa Wickart)

Michaela Buob besucht Letensea und Okube mit ihren Kindern Segen, Philmon und Lydia regelmässig. (Bild: Lisa Wickart)

Lisa Wickart

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@tagblatt.ch

Okube und seine Familie sind vom Krieg geflüchtet. In Eritrea mussten sie um ihr Leben fürchten. Nun sind sie in Rorschacherberg. In Sicherheit. Das Einleben im neuen Land ist jedoch nicht so einfach wie gedacht. Dafür ist Michaela Buob da: Die Rorschacherbergerin hilft der eritreischen Familie, sich zu integrieren. Sie hat sich freiwillig gemeldet, um an ihrem Wohnort Flüchtlinge zu unterstützen.

Das freiwillige Patenprojekt hat Brigitte Jäggi zusammen mit der Gemeinde Rorschacherberg im Januar dieses Jahres aufgegleist. Sie ist für die Betreuung der rund 60 Flüchtlinge und Asylsuchenden in der Gemeinde zuständig. «Für eine gute Integration braucht es mehr als das, was die Gemeinde für die Asylsuchenden tun kann», sagt sie. Somit machte sich Jäggi auf die Suche nach freiwilligen Helfern. Im Patenprinzip gehe es um das Sprechen und Üben von Deutsch: «Die Sprache ist das A und O der Integration.» Jedem Paten wird eine Familie zugeteilt. Wichtig sei, dass die Beziehung zwischen Pate und Familie stimme. «Es soll kein Müssen sein, von beiden Seiten nicht», sagt Jäggi. Mittlerweile hat sie fünf Paten gefunden. «Viele Leute, die ich angefragt habe, scheuen sich vor zu grossem Zeitaufwand», sagt sie. Dabei könne jeder Pate selbst entscheiden, wie viel Zeit er aufwenden möchte. Hinter der einen oder anderen Absage stecke wohl auch die Angst vor einer fremden Kultur.

Michaela Buob hat in der Zeitung vom Patenprinzip erfahren. Sie hat sich danach mit Brigitte Jäggi in Verbindung gesetzt und kurze Zeit später die Familie kennen gelernt. Vater Okube ist vor zwei Jahren von Eritrea über Italien in die Schweiz geflüchtet. Im Dezember 2016 durfte er seine Familie zu sich nach Rorschacherberg holen. Alle Fünf sind anerkannte Flüchtlinge. Michaela Buob besucht die Familie manchmal einmal in der Woche, manchmal jede zweite Woche. Am 22. Februar dieses Jahres hat sie die Eritreer zum ersten Mal besucht. Am Anfang konnte sie sich nur schlecht mit der Familie verständigen. Mittlerweile verstehen sich Patin und Patenfamilie viel besser: «Die Besuche und das Üben haben sich gelohnt.»

Okube geht in eine Sprachschule in St. Gallen, Mutter Letensea in die Quartierschule im Rorschacherberg. Die siebenjährige Segen, die zehnjährige Lydia und der dreizehnjährige Philmon gehen in Rorschacherberg in den Kindergarten und die Schule und können sich besser als ihre Eltern auf Deutsch verständigen. Die Kinder hätten grosse Fortschritte gemacht. Auch wenn die Familie ihre Hilfe irgendwann nicht mehr benötigt, will Michaela Buob die Familie in Zukunft weiterhin besuchen. «Es hat sich eine Freundschaft entwickelt», sagt sie. Und das sieht man. Beim Besuch begrüssen alle Familienmitglieder sie mit einem Lächeln an der Haustür und bieten ihr einen Kaffee an. Die Kaffeebohnen röstet Letensea selbst im Wohnzimmer. «Sie sind wahnsinnig angepasste und freundliche Leute», sagt die 39-Jährige. Und gastfreundlich: Bei jedem Besuch biete ihr die Familie Getränke und manchmal etwas zu essen an. «Davon kann sich so mancher Schweizer eine Scheibe abschneiden», sagt sie.

Michaela Buob bringt manchmal etwas aus ihrem eigenen Garten mit. Dieses Mal sind es Erdbeeren. Lydia probiert die unbekannten Früchte. «Was ist das?», fragt sie. Erdbeeren schmecken ihr. Rhabarber dafür gar nicht. Die habe Michaela auch schon mitgebracht. Die Familie hat neben ihrer Wohnung selbst einen kleinen Garten zur Verfügung. «Ich habe ihnen Pflanzen gebracht und gezeigt, wie sie sie einpflanzen sollen.» Mittlerweile wachsen hier unter anderem Radieschen, Kartoffeln und Salat. In einer Woche will Michaela Buob die Familie wieder besuchen. «Das Schönste ist mitanzusehen, wie sie trotz ihres schwierigen Wegs eine solch grosse Freude ausstrahlen.»

Hinweis

Für weitere Informationen zum Patenprojekt: brigitte.jaeggi@ rorschacherberg.ch