Partner sind jetzt Konkurrenten

GOSSAU. Ab heute können über 500 Gossauer Haushalte das Glasfasernetz nutzen. Damit beginnt auch der Konkurrenzkampf zwischen der Swisscom und zehn anderen Anbietern. Letzteren wollen die Gossauer Stadtwerke Kunden zuspielen.

Angelina Donati
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Hans-Jörg Kölsch, Gossauer Stadtwerke, in einer Trafostation, wo neu auch Glaserfaserkabel hineinführen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Hans-Jörg Kölsch, Gossauer Stadtwerke, in einer Trafostation, wo neu auch Glaserfaserkabel hineinführen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Sich einen Film vom Vorabend ansehen, Musik herunterladen und womöglich schon bald mit dem Smartphone den Backofen betätigen: Die Nachfrage nach diesen Diensten nimmt zu – und damit die Datenmenge, die transportiert wird. Um den Anforderungen gerecht zu werden, ist eine grössere Bandbreite vonnöten. Ob digitales Fernsehen, Telefonie oder Internet – Glasfasern gelten als eine effektive Datenleiter. Nach langer Vorbereitung ist das Glasfasernetz ab heute, 1. September, im Mettendorf und Isenringquartier in Gossau für 550 Wohnungen betriebsbereit.

Für kleine Anbieter werben

Damit startet auch der Kampf unter den Anbietern. Erschlossen wird das Netz durch die Gossauer Stadtwerke und die Swisscom. Sobald aber die ersten Kunden das neue Angebot nutzen können, verstehen sich die beiden als Konkurrenten. «Die Spielregeln, wann wir erstmals werben können, sind in unseren Verträgen definiert», sagt Beat Lehmann, Geschäftsleiter der Gossauer Stadtwerke. «Die Swisscom achtet diesbezüglich genauestens auf unsere Kommunikation», ergänzt Sandro Gubser, Projektleiter. Er arbeitet für die St. Galler Stadtwerke, die das Gossauer Team mit ihrem Wissen unterstützen.

Neben der Swisscom wollen zehn andere Anbieter die Gossauer für sich gewinnen. Mit noch mehr Gigabit pro Sekunde, Kombiangeboten und Aktionen werben sie um die Gunst der Kunden. Dadurch steige besonders für die Cablecom die Konkurrenzsituation, sagt Gubser. Sie nämlich besitzt noch ein eigenes Netz. «Grösster Profiteur ist die Swisscom, die nun ihr veraltetes, analoges Netz ersetzt.» Bei den anderen Anbietern handelt es sich vorwiegend um kleine, teils noch wenig bekannte Namen. Nichtsdestotrotz würden sie über ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis verfügen und können sich ohne weiteres mit den «Grossen» messen, versichert Gubser. Die Stadtwerke haben sich zum Ziel gesetzt, die kleinen Anbieter zu pushen und ihr Angebot zu vermarkten. «Denn bei dieser Auswahl kann es für Kunden schwierig sein, abzuwägen, welcher Provider nun der richtige ist», erläutert Lehmann. Zusammen mit hiesigen Elektrounternehmen und Computer-Shops wollen die Stadtwerke die Kunden persönlich beraten.

Synergien beim Bau nutzen

Wie bei der Elektrizität muss auch der Unterhalt der Glasfasern sichergestellt werden. Bestehende Trafostationen, die es in verschiedenen Quartieren gibt, werden nun fortlaufend auch für die Glasfaserkabel genutzt. Wie komplex das Ganze ist, zeigt Hans-Jörg Kölsch, Bereichsleiter Elektrizität der Gossauer Stadtwerke, wenn er in der «Unterwelt» die Kabelanschlüsse überprüft. Steigt man in der Trafostation an der Ringstrasse ein Stockwerk tiefer, lagern dort unzählige Kabel, in verschiedenen Farben und Grössen – mittendrin auch die Glasfasern.

Bei der Installation der Glasfasern wollen die Stadtwerke möglichst Synergien nutzen. So wird darauf geachtet, dass Strassensanierungen oder der Ersatz alter Werkleitungen für die Stromversorgung in die Planung einbezogen werden. Bis Februar werden 1000 weitere Haushalte und bis Ende 2016 über 3000 erschlossen. «Wir sind voll im Zeitplan», sagt Gubser. Und das, obwohl das Gossauer Stadtparlament zwecks fundierter Prüfung das Projekt ins Stocken brachte. Das Bauteam hatte daraufhin sechs Monate aufzuholen.

Sandro Gubser Projektleiter FTTH St. Galler Stadtwerke (Bild: Hanspeter Schiess)

Sandro Gubser Projektleiter FTTH St. Galler Stadtwerke (Bild: Hanspeter Schiess)