Partizipation und Parkplätze

Stadträtin Patrizia Adam und ihre Herausforderin Maria Pappa diskutierten am Donnerstag in der Militärkantine. Im Vordergrund standen Verkehrsfragen und Bauvorlagen.

Roger Berhalter
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Zweites Duell vor dem zweiten Wahlgang: Stadtratskandidatin Maria Pappa und Stadträtin Patrizia Adam mit den Moderatoren Daniel Wirth (links) und Reto Voneschen. (Bild: Urs Bucher)

Zweites Duell vor dem zweiten Wahlgang: Stadtratskandidatin Maria Pappa und Stadträtin Patrizia Adam mit den Moderatoren Daniel Wirth (links) und Reto Voneschen. (Bild: Urs Bucher)

Vor dem zweiten Wahlgang zu den Stadtratswahlen am 27. November duellieren sich die Kontrahentinnen Patrizia Adam (CVP) und Maria Pappa (SP) in mehreren Podiumsdiskussionen. Am Donnerstagabend trafen die beiden erneut aufeinander, am Podium des St. Galler Tagblatts im übervollen Saal der Militärkantine.

Juristische Kenntnisse helfen

Die zwei Moderatoren – Daniel Wirth und Reto Voneschen von der Tagblatt-Stadtredaktion – gaben den beiden Kontrahentinnen zunächst Gelegenheit, Werbung in eigener Sache zu machen: «Was machen Sie besser als ihre Konkurrentin?» Die amtierende Baudirektorin Patrizia Adam betonte ihre juristische Ausbildung, die ihr täglich helfe, weil es beim Bauen oft um rechtliche Fragen gehe. Sie führe in ihrer Direktion 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sei lösungsorientiert und regiere nicht «stur der Parteilinie nach». Maria Pappa verwies auf ihre «Italianità», die sie als Seconda mitbringe. Der Stadtrat würde mit ihr auch jünger. Zudem sie sie breit aufgestellt und engagiere sich in vielen Bereichen, unter anderem in der Kirche und in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

In der weiteren Diskussion standen Verkehrsfragen und Bauvorlagen im Vordergrund. Beim Thema Partizipation erklärte Patrizia Adam differenziert, warum die Stadt bei der Entwicklung von Bahnhof Nord, Marktplatz und St. Fiden ein partizipatives Verfahren gewählt habe. «Das entspricht dem Wandel der Zeit. Die Leute sind nicht mehr so obrigkeitsgläubig und wollen sich einbringen.» Auch Pappa differenzierte: Es gebe Situationen, da müsse man die Leute fragen, und Situationen, da müsse man selber entscheiden. Mit Blick auf die öffentliche Kritik am «nüchternen, kühlen Bahnhof Nord» sagte sie: «Solche Impulse aus der Bevölkerung nicht aufzunehmen, wäre ein Fehler.»

Beim Reizthema Parkplätze waren die Meinungen pointiert. «Wenn ich in die Stadt fahre, finde ich immer einen Parkplatz», sagte Pappa. Freie Parkplätze in der Innenstadt gebe es genug, und mehr Dauerparkplätze «für die Pendler aus dem Speckgürtel» brauche es nicht. Das führe nur zu mehr Verkehr. «Wir haben ein Pendelproblem, kein Stauproblem.»

Patrizia Adam meinte, sie wüsste gar nicht, wo man in der Innenstadt noch weitere öffentliche Parkplätze bauen könnte. Die Behauptung, sie sei eine «Freundin von Parkplätzen», liess die Stadträtin nicht auf sich sitzen: «Ich möchte keine neuen Parkplätze schaffen, sondern jene erhalten, die wir schon haben.»

Der Lämmlerbrunnen polarisiert

Zum Lämmlerbrunnen, der nach der Neugestaltung nun doch auf den Bahnhofplatz zurückkehren wird, gingen die Meinungen auseinander. «Ich finde es fragwürdig, wenn man eine Vorlage nach der Abstimmung wieder in Frage stellt. Eigentlich müsste man die Abstimmung wiederholen», sagte Pappa. Adam entgegnete, das ursprünglich geplante Wasserspiel durch den Lämmlerbrunnen zu ersetzen, sei eine zulässige Projektänderung. Auch der Kanton stütze diesen Entscheid des Stadtrats.

Einig waren sich die beiden bei der Frage, ob die Expansion der HSG am Platztor begrüssenswert sei. Die Universität rücke so hoffentlich näher an die Stadt, meinte Pappa, und Adam erhofft sich durch den neuen Campus eine Belebung der Innenstadt.

Bild: Roger Berhalter

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