Parties fast so wie früher

In der Seeger-Bar tanzte in den 1980ern und 1990ern die halbe Ostschweiz. Heute ist sie nur noch für private und Firmenanlässe geöffnet. Ein Veranstalterteam will das ändern und an die früheren Zeiten anknüpfen.

Roger Berhalter
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Zurück zu den Wurzeln: Seeger-Geschäftsführer Dan Käslin (links) und Veranstalter Tenzing Sonam in der Seeger-Bar. (Bild: Ralph Ribi)

Zurück zu den Wurzeln: Seeger-Geschäftsführer Dan Käslin (links) und Veranstalter Tenzing Sonam in der Seeger-Bar. (Bild: Ralph Ribi)

Tenzing Sonam erinnert sich gerne an früher. Als Jugendlicher wohnte er in Wattwil, es zog ihn aber regelmässig fort. «Fast jedes Wochenende fuhren meine Freunde und ich nach St. Gallen in die Seeger-Bar.» Dort, im Club im ersten Stock des «Seegers», tanzte in den 1980ern und 90ern die halbe Ostschweiz.

Seither hat sich vieles verändert. Sonam ist heute 40 Jahre alt, arbeitet bei einer Bank und geht nicht mehr jedes Wochenende in den Club. Die Seeger-Bar wiederum schloss im April 2009, drei Jahre später wurde sie als «Felix Nightclub» wieder eröffnet, Ende 2014 schloss der Club abermals, und seither war er nur noch für Geburtstagsparties oder Firmenfeste geöffnet.

Einmal im Monat

Ergänzend zu diesem Event-Geschäft soll die Seeger-Bar jetzt aber wieder für alle öffnen. Einmal im Monat möchte Tenzing Sonam dort eine Party veranstalten, zusammen mit seinem Bruder Kunsang und seinen Freunden Martin Böhler (DJ Nytram) und Remo Meier (DJ Remexx), mit denen er schon früher so manche Nacht in der Seeger-Bar verbrachte. Die vier haben ein Label gegründet («R-Classics»), und ab dem 1. April wollen sie wieder die Musik von früher spielen: Disco und Soul, R'n'B und Hip-Hop sowie House, von den 1980ern bis zu den 00er-Jahren. «An diese Zeiten möchten wir anknüpfen», sagt Sonam, der sich auch DJ Sonee nennt. Es gehe darum, zurück zu den Wurzeln zu gehen. «Wir möchten die Leute ansprechen, die schon früher in der Seeger-Bar verkehrten.» Im besten Fall soll jene familiäre Stimmung wieder entstehen, für welche die Seeger-Bar einst bekannt war.

Passend zur Geschichte

Mit Dan Käslin, der das «Seeger» seit knapp einem Jahr führt, hat Sonam einen Partner auf der gleichen Wellenlänge gefunden. «Immer wieder haben mich Gäste gefragt, wann der Club im ersten Stock wieder eröffne», sagt Käslin. Doch er habe auf «das Richtige» warten wollen. An einer privaten Party in der Seeger-Bar lernte er Sonam Tenzing kennen. Die Chemie stimmte, und schnell entstand ein Partykonzept, das beiden gefiel. Für Käslin passt die nostalgische Partyreihe gut ins «Seeger». «Wir wollen, dass unsere Gäste die Tradition des Hauses spüren», sagt Käslin. «Geschichte seit 1939» steht auch zuoberst auf der Webseite.

Auch Jüngere sind willkommen

Wer sich noch an die grossen Zeiten der Seeger-Bar erinnert, ist heute um die 40 Jahre alt. Doch Tenzing Sonam möchte die Parties nicht als Ü40-Abende verstanden wissen. «Ich möchte doch nicht ständig daran erinnert werden, wie alt ich bin!», sagt er und lacht. Es gebe keine Alterslimite nach unten; auch jüngere Gäste seien willkommen. «Eine gute Mischung ist wichtig.» Aber es besteht kein Zweifel, dass das neue Konzept ein älteres Club-Publikum ansprechen wird. Dies hat nebenbei auch geschäftliche Vorteile: Erstens konkurrenzieren die Veranstalter damit ebenso wenig das «Trischli» – das wie das «Seeger» ebenfalls zur MT Group gehört – noch die anderen Clubs der Stadt, die sich an ein jüngeres Publikum richten. Anderseits sind Erwachsene im Ausgang zweifellos eine kaufkräftige und spendable Kundschaft.

Erste Party am 1. April

Tenzing Sonam strahlt bis über beide Ohren, wenn er an die bevorstehenden Parties denkt. «Das ist eine sehr persönliche Sache für mich.» Er ist überzeugt, dass viele Gleichaltrige den Weg in den Club finden werden, denn das Ausgehverhalten habe sich verändert. «Auch Erwachsene wollen heute in den Ausgang!» Im «Seeger» seien sie von nun an am richtigen Ort.

Erste «R-Classics»-Party: 1. April, Seeger-Bar, St. Gallen www.r-classics.ch