Parteien bedauern Helfenbergers Abgang

Nach 37 Jahren verlässt Bruno Helfenberger die Gemeindeverwaltung Steinach. Die SVP fordert den Gemeinderat auf, die Kündigung des Gemeinderatsschreibers zu hinterfragen. Dieses Ansinnen teilen nicht alle Ortsparteien.

Michel Burtscher/Linda Müntener
Drucken
Teilen
Gemeindeschreiber Bruno Helfenberger räumt bald sein Büro. (Bild: Fritz Heinze)

Gemeindeschreiber Bruno Helfenberger räumt bald sein Büro. (Bild: Fritz Heinze)

STEINACH. Die Nachricht wirft hohe Wellen. «Mit grossem Bedauern» nimmt die SVP Steinach von der Kündigung des Gemeinderatsschreibers Bruno Helfenberger Kenntnis. Nach 37 Jahren verlässt Helfenberger die Gemeindeverwaltung Steinach. Er ist nicht der einzige. Die Fluktuation der vergangenen Jahre sei überdurchschnittlich hoch, schreibt die SVP in einer Mitteilung. Die Partei ist besorgt. Und fordert den Gemeinderat deshalb auf, der Personalpolitik «höchste Priorität zu schenken».

Bestätigung für CVP

Die Kündigung des bald 60-Jährigen so kurz vor der Pension hat viele überrascht. Ihn habe die schwierige Zusammenarbeit mit Gemeindepräsident Roland Brändli belastet, begründete er seinen Entscheid vor wenigen Tagen gegenüber dem Tagblatt. Die Situation auf der Verwaltung zu beurteilen, sei schwierig, heisst es auf Anfrage bei der SVP Steinach. Man wolle auch nicht gegen eine Person schiessen. Vielmehr gehe es darum, die Kündigung zu hinterfragen. Denn wenn ein langjähriger Mitarbeiter die Stelle wechsle, habe das bestimmte Gründe. Dabei stehe der ganze Gemeinderat in der Pflicht und müsse «die Augen offen halten».

Ähnlich tönt es bei der CVP Steinach. «Für die Personalführung ist nicht nur eine Person, sondern der Gemeinderat als Gremium verantwortlich», sagt Sprecherin Gisela Dudler. Auch sie hat Helfenbergers Kündigung überrascht. Allerdings deshalb, weil er «trotz allem so lange geblieben ist». Damit spielt sie auf den hitzigen Wahlkampf 2012 an. Die CVP hatte einen Gegenkandidaten zu Brändli nominiert. Schon damals kritisierte die Partei die Personalführung des Amtsinhabers. Dass nun sogar Helfenberger, der jahrelang als stiller Schaffer im Dienste der Verwaltung stand, wechsle, sei eine Bestätigung. Eine Bestätigung dafür, «dass die CVP damals nicht ganz falsch lag».

Keine Kritik an Brändli

Auch für Andreas Graf, Präsident der Grünen Steinach, kommt Helfenbergers Abgang überraschend. Und er bedauert ihn: «Als langjähriger Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung zeichnete er sich durch eine grosse Erfahrung und Fleiss aus.» Er und Brändli hätten sich offensichtlich einfach nicht gefunden. «Wenn eine neue Person das Ruder einer Gemeinde übernimmt, ist es nicht überraschend, wenn es zu Meinungsverschiedenheiten mit erfahrenen Mitarbeitern kommt», sagt Graf. Vor allem, wenn der neue Gemeindepräsident einen anderen Führungsstil pflege und andere Vorstellungen habe. So erklärt er sich auch die hohe Fluktuation auf der Verwaltung in den vergangenen Jahren. «Das ist weder eine Kritik an Brändli noch an anderen Mitarbeitern.»

Ähnlich schätzt FDP-Parteipräsident Diego Studerus, ein Parteikollege von Roland Brändli, die Situation ein: «Wenn man lange mit der gleichen Person zusammengearbeitet hat, ist es schwierig, sich an einen neuen Vorgesetzten mit einem anderen Stil zu gewöhnen», sagt er. Da sei Flexibilität von allen Involvierten gefragt. Er sieht denn auch keinen Grund, die Kündigungen der Gemeindemitarbeiter – wie von der SVP gefordert – vertieft zu untersuchen. Auch Studerus bedauert die Kündigung von Helfenberger.

Der Gemeindepräsident ist ferienhalber für eine Stellungnahme nicht erreichbar.