PARLAMENTSDEBATTE: Ja zum Betreuungsausbau, aber …

Der flächendeckende Ausbau der Tagesbetreuung für Schulkinder in der Stadt St. Gallen ist bei den Fraktionen des Stadtparlaments unbestritten. Einige von ihnen setzen aber ein Fragezeichen hinter die Kosten.

David Gadze
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Die Stadt will die ganztägige ausserschulische Betreuung bis 2026 flächendeckend ausbauen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Stadt will die ganztägige ausserschulische Betreuung bis 2026 flächendeckend ausbauen. (Bild: Hanspeter Schiess)

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Heute diskutiert das Stadtparlament den Postulatsbericht zum Ausbau der Tagesbetreuung in der Stadt St. Gallen. Das Angebot der ganztätigen ausserschulischen Betreuung (FSA-plus) soll bis 2026 flächendeckend ausgebaut werden. In der Investitionsplanung bis 2021 sind dafür rund 23 Millionen Franken eingestellt, für den Betrieb rechnet der Stadtrat bis 2026 mit Mehrkosten von weiteren rund vier Millionen Franken pro Jahr.

Von einem «guten und ausführlichen Bericht», der auch die zu erwartenden Kosten aufzeige, spricht Daniel Stauffacher, Präsident der CVP/EVP-Fraktion. Doch diese Kosten müsse man noch diskutieren. Es sei zwar unbestritten, dass der FSA-Ausbau eine Notwendigkeit und für die Stadt ein Standortvorteil sei. Ebenso klar sei, dass es bei der Qualität der Kinderbetreuung keine Abstriche geben dürfe. «Nur: Wer definiert diese Qualität?», fragt Stauffacher. Er appelliert an die Verwaltung, das Geld «mit Augenmass» auszugeben. Zumal im Bericht Aussagen zur Tagesbetreuung in der Oberstufe sehr allgemein abgefasst seien. «Für uns ist klar, dass es auch hier noch Handlungsbedarf gibt.»

Eignung für Betreuung überprüfen

Ähnlich argumentiert FDP-Fraktionspräsident Roger Dornier. Die Notwendigkeit des Ausbaus der Tagesbetreuung und deren Wichtigkeit für die Stadt seien unbestritten – auch wenn es aus liberaler Sicht «nicht so glücklich» sei, dass dadurch private Anbieter solcher Betreuungsangebote vom Markt verdrängt würden. Die finanziellen Folgen des Ausbaus müssten sich in einem vernünftigen Rahmen bewegen. «Wir erwarten ein Bekenntnis der Verwaltung, nicht das Maximum umzusetzen, sondern das Optimum.» Es sei auch zu hinterfragen, wie professionell die Betreuung sein soll. «Die Eignung von Betreuungspersonen hängt nicht zwingend mit einem entsprechenden Abschluss zusammen.» Eine «rote Linie» zieht die FDP-Fraktion beim Ausbau der Tagesbetreuung auf der Oberstufe. «Dafür gibt es schlicht keinen Grund», sagt Dornier. Er appelliert an die Selbstverantwortung: «Es ist keine öffentliche Aufgabe, die Leute von der Wiege bis zur Bahre zu behüten.»

Dem pflichtet SVP-Fraktionspräsidentin Karin Winter bei. «Mittagstische in der Oberstufe braucht es nicht.» Grundsätzlich sei es aber klar, dass das Betreuungsangebot ausgebaut werden müsse. Die Frage sei, zu welchem Preis. «Die Kosten machen uns Sorge», sagt Winter. Gerade bei der Betreuung müsse deshalb ­geprüft werden, welche Möglichkeiten es sonst noch gebe beziehungsweise welche Qualifikationen erforderlich seien.

Investitionsplafond für Schulbauten anheben?

Clemens Müller, Präsident der Fraktion von Grünen und Jungen Grünen, teilt diese Meinung nicht: «Das Betreuungsangebot muss nicht nur ausgebaut, sondern auch professionell gestaltet werden.» Es handle sich um eine öffentliche Aufgabe, die nicht auf die Ehrenamtlichkeit abgeschoben werden dürfe und bestimmte Qualifikationen erfordere.

«Wir unterstützten das Bestreben der Stadt, das Betreuungsangebot auszubauen, und zwar möglichst schnell», sagt Daniel Kehl, Präsident der SP/Juso/PFG-Fraktion. Eine gute Kinderbetreuung gehöre zu einer modernen Stadt. Man werde aber jedes einzelne Projekt genau unter die Lupe nehmen. Es brauche «pragmatische, sinnvolle Lösungen für die einzelnen Schulquartiere», um mit den zur Verfügung stehenden Mitteln das Optimum zu erreichen, sagt Kehl. Aufgrund des grossen Investitionsbedarfs im Schulwesen müsse man auch darüber nachdenken, den Investitionsplafond für Schulbauten von derzeit 15 Millionen Franken jährlich anzuheben. «Sonst dauert es schlicht zu lange, bis der Ausbau der Tagesbetreuung umgesetzt ist.»