Parlament legt Basis für «Feld 3»

Das Stadtparlament bewilligte gestern die Anschubfinanzierung für ein Technologiezentrum in der Nähe der Empa. In den Voten wurde dessen Bedeutung für den Bildungsstandort St. Gallen betont. Es gab aber auch kritische Stimmen.

David Gadze
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Im Tagblatt-Areal (vorne) soll dereinst ein Technologiepark entstehen. Für den Standort spricht die unmittelbare Nähe zur Empa. (Archivbild: Ralph Ribi)

Im Tagblatt-Areal (vorne) soll dereinst ein Technologiepark entstehen. Für den Standort spricht die unmittelbare Nähe zur Empa. (Archivbild: Ralph Ribi)

Die Stadt unterstützt das geplante Technologiezentrum «Feld 3» mit einer Anschubfinanzierung. Dieses soll dereinst im Tagblatt-Areal an der Fürstenlandstrasse, in unmittelbarer Nähe zur Empa, entstehen. Das Stadtparlament sprach sich an seiner gestrigen Sitzung einstimmig für einen Verpflichtungskredit von 450 000 Franken aus.

Ein Zeichen an den Bund

Michael Hugentobler, Präsident der Geschäftsprüfungskommission, hielt eingangs fest, dass diese Anschubfinanzierung faktisch als Investition anzusehen sei. Es werde kein direkter Ertrag erwartet. Das Halten von neuen Betrieben im Umfeld der Empa sei jedoch zu priorisieren. Diese würden in die Region Zürich abwandern, wenn kein Raum geschaffen werde. «Die Anschubfinanzierung ist auch ein starkes Zeichen an den Bund, dass es uns ernst ist mit einem Netzwerkstandort für den nationalen Innovationspark.»

Ein neues Wissenszentrum

In der Eintretensdebatte betonte Philip Schneider, Präsident der CVP/EVP/BDP-Fraktion, die «enorm hohe» Bedeutung der Empa für die Stadt St. Gallen. Forschung und Entwicklung erfolgten auf höchstem Niveau, die erbrachten Leistungen würden aber zu wenig wahrgenommen. Durch die Zusammenarbeit von Empa und Universität beim Technologiezentrum könne ein «Treibhaus für neue Entwicklungen», ja ein neues Wissenszentrum entstehen.

Schneider bemängelte aber, die Vorlage lasse einige Fragen offen. So sei der Mietzins von 200 bis 250 Franken pro Quadratmeter für Start-up-Unternehmen «recht stolz». Beim Verpflichtungskredit, der während zehn Jahren tranchenweise ausbezahlt werden soll, sei der jährliche Maximalbetrag nicht definiert. Ausserdem stehe in der Vorlage nichts über die zu erwartenden Betriebskosten. Es sei insgesamt «mehr eine Werbebroschüre als eine Sachvorlage».

Mit Steuergeldern finanzieren?

Auch Christian Neff von der SVP-Fraktion brachte kritische Bemerkungen an. Er stellte die Frage, ob es notwendig sei, eine «externe Startfeld-Taskforce» weiterhin zu engagieren. Mit «IT St. Gallen rockt» habe beispielsweise die regionale IT-Branche selber eine Vermarktungs- und Förderplattform geschaffen. HSG-nahe Institutionen wie das Institut für Jungunternehmen und andere böten zudem ein breites Angebot von Fachkräften. Diese hätten den klaren Vorteil, dass sie sich selbst finanzierten und nicht durch Subventionen der öffentlichen Hand gefördert würden, sagte Neff. «Es zeigt sich einmal mehr, wie die Stadt in die Privatwirtschaft drängt und in einem Berufsfeld mitmischt, das nicht durch Steuergelder konkurrenziert werden muss.»

Andreas Dudli sagte namens der FDP-Fraktion, es sei wichtig, nicht nur in die Bildung, sondern auch in die Schnittstellen nach der Bildung zu investieren. Beim Technologiezentrum «Feld 3» entstehe aus Bildung und Innovation etwas Kreatives. Es sei mehr als nur die Förderung von Jung-Unternehmertum, sondern «eine Ausstrahlung für unsere Stadt».

«Lob» für Standortförderung

Auch Etrit Hasler von der SP/Juso/PFG-Fraktion betonte, es sei im Interesse der Stadt, technologienahe Firmen anzuziehen. Hasler erlaubte sich auch einen Seitenhieb an die Standortförderung: Es sei «speziell zu sehen, dass diese tatsächlich ab und zu für etwas gut ist» und die Gelder für einmal dafür verwende, wofür sie auch gedacht seien.

Stadtpräsident Thomas Scheitlin sprach von der «einmaligen Chance, etwas zur Stadtentwicklung und Standortattraktivität beizutragen». Einen jährlichen Maximalbetrag gebe es nicht, um je nach Liquiditätsbedarf handeln zu können.