Paradebeispiel dafür, wie man es nicht macht

Die Schule ist ein riesiges Biotop menschlicher Gefühle. Emotionen sind bei Eltern rasch im Spiel, weil es um ihre Kinder geht. Emotionsgeladen ist oft auch das Verhältnis der Lehrkräfte zu ihrem Arbeitgeber.

Reto Voneschen
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Die Schule ist ein riesiges Biotop menschlicher Gefühle. Emotionen sind bei Eltern rasch im Spiel, weil es um ihre Kinder geht. Emotionsgeladen ist oft auch das Verhältnis der Lehrkräfte zu ihrem Arbeitgeber. Und jeder Steuerzahler fühlt sich als Experte: Schliesslich haben alle in ihrer Jugend die Schule besucht.

Konflikte in einem solchen Umfeld haben das Potenzial, rasch zu eskalieren, öffentlich Kreise zu ziehen und in einem letztlich für alle Beteiligten unbefriedigenden Scherbenhaufen zu enden. Damit dies nicht geschieht, braucht es bei den Verantwortlichen viel Fingerspitzengefühl – auch beim Schulamt und beim Schuldirektor.

Zum professionellen Vorgehen gehört, dass man alle Beteiligten ernst nimmt. Was bedeutet, dass man proaktiv, offen und ehrlich kommuniziert. Wer dies nicht tut, darf sich nicht wundern, wenn ein interner Konflikt zum Flächenbrand wird, dass Vermutungen und Gerüchte rund ums Schulhaus ins Kraut schiessen. Und dass so auch die Glaubwürdigkeit der Behördemitglieder leidet. So wie jetzt gerade im Buchental.

In Fällen wie diesem gibt es aufgrund der Persönlichkeitsrechte Betroffener Grenzen, was kommuniziert werden kann. Informieren kann man aber trotzdem, wie frühere Beispiele auch aus der Stadt St. Gallen zeigen. Die Art und Weise, wie die Behörden jetzt mit Schülern und Eltern umgehen, ist aber hochgradig unprofessionell. Den Schülern wird etwas von einem kranken Lehrer erzählt, was offensichtlich nicht stimmt. Ihre verunsicherten Eltern lässt man eine Woche warten. Es passt ins Bild, dass die gegenüber diversen Gruppen und Fragestellern kommunizierten Inhalte in Details nicht deckungsgleich sind. Was neue Fragen aufwirft sowie Zweifel und Ärger schürt.

Man kann nur hoffen, dass die Verantwortlichen der Stadt jetzt in sich gehen, Lehren aus dem Vorgefallenen ziehen und das offene Gespräch suchen. Nur so kann im Schulhaus Buchental wieder Ruhe einkehren. Was nötig ist, damit sich alle Schüler einer sowieso nicht einfachen Schulstufe wieder auf das konzentrieren können, was für sie wichtig ist: die Vorbereitung aufs Berufsleben.

reto.voneschen@tagblatt.ch

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