Papierkrieg beim Schiessen

GOSSAU/HERISAU. Knatsch beim Waffenplatz Herisau-Gossau: Gemäss der Stadt Gossau reduziert sich die Zahl Nachtschiessen von 30 auf 27 pro Jahr. Diese Meldung sei falsch, sagt Oberst Romeo Fritz.

Angelina Donati
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Die neue Vereinbarung für den Schiessplatz Breitfeld verursacht ein Missverständnis zwischen den Standortgemeinden und der Armee. (Archivbild: Urs Jaudas)

Die neue Vereinbarung für den Schiessplatz Breitfeld verursacht ein Missverständnis zwischen den Standortgemeinden und der Armee. (Archivbild: Urs Jaudas)

Die Schiesszeiten, insbesondere das Nachtschiessen, sind für Anwohner rund um das Breitfeld oft ein Ärgernis. «Unnötig, zu laut. Zudem erschrecken Spaziergänger und Hunde», so die Argumentationen. Nach der neusten Meldung aber, löst das Thema in den eigenen Reihen Unmut aus.

Unveränderte Zahl

Vor Wochenfrist teilte die Stadt Gossau in einer Mitteilung mit, dass sich beim Breitfeld die Zahl Nachtschiessen von jährlich 30 auf 27 reduzieren werde. Dies sei in einer neuen Vereinbarung zwischen den Standortgemeinden (St.Gallen, Gossau, Gaiserwald, Andwil, Waldkirch und Herisau) und der Armee bestimmt worden. «Diese Meldung ist falsch», sagt jetzt aber Oberst Romeo Fritz, Kommandant des Waffenplatzes Herisau-Gossau, auf Anfrage. Es handle sich hierbei um einen Irrtum. Diese Information habe er eben erst selbst aus der Zeitung entnehmen können. «Eine neue Vereinbarung ist zwar unterschrieben, die Anzahl Nachtschiessen bleibt jedoch unverändert.» Es sei vereinbart worden, dass die Armee nach dem 27. Nachtschiessen die betreffenden Gemeinden jeweils informiere. «Das aber versteht sich als Goodwill unsererseits», sagt Romeo Fritz. Von einer Reduktion könne nicht die Rede sein.

Vereinbarung, nicht Goodwill

Mit dieser Aussage konfrontiert gibt Boris Tschirky, Gemeindepräsident von Gaiserwald, unwirsch Auskunft. Es handle sich hier nicht um Goodwill, sondern um eine schriftliche Vereinbarung. Die militärische Ausbildung solle damit nicht eingeschränkt werden. Wenn jedoch weitere Schiessübungen nötig wären, müsste dies die Armee ab sofort ganz klar ausweisen können. So sieht es auch Alex Brühwiler, der Stadtpräsident von Gossau. Er spricht von einer Verbesserung für die Bevölkerung.

Nachtschiessen nie ausgereizt

Auch wenn von den Gemeinden «gewünscht», will der Kommandant auch weiterhin an der maximalen Anzahl von 30 Nachtschiessen festhalten. Und dies nicht etwa, weil die Armee Freude am «ballern» hätte, sondern aus Ausbildungs- und Organisationsgründen. «Die 30mal Nachtschiessen haben wir in den vergangenen Jahren zudem nie ausgereizt», sagt Romeo Fritz. Und dennoch dürfe diese Zahl nicht minimiert werden. Darin enthalten seien nämlich Reservetage, auf die bei Grosseinsätzen zugegriffen werden müsse. Die Rekrutenschulen, für die er zuständig ist, schiessen pro Jahr maximal an 15 Abenden. Also lediglich die Hälfte der möglichen Anzahl. Alle anderen Male, an denen in der Nacht geschossen wird, sind WK-Bataillons, die beim Waffenplatz Herisau-Gossau ausgebildet werden. Wo sie in der Ostschweiz eingeteilt werden, wie etwa im Breitfeld, sei von verschiedenen Faktoren abhängig, wie der Waffenart und den entsprechenden Sicherheitsvorschriften. Darüber befinde der Bund, nicht das Kommando von Oberst Fritz.

Keine Irreführung

Dass die Mitteilung, welche die Stadt Gossau versendet hat, irreführende Informationen enthalte, wollen weder Boris Tschirky noch Alex Brühwiler eingestehen. Schliesslich können ja nicht alle Details der Vereinbarung vermeldet werden. Bei der neuen Vereinbarung handle es sich jedoch ganz klar um eine Reduktion der Zahl Nachtschiessen, sagen sie.