PÄCKLI: Drei Poststellen sind gefährdet

Die Post baut ihr Filialnetz weiter um. In der Stadt stehen seit neustem die Poststellen in Lachen, Langgass und Winkeln zur Diskussion. Für die betroffenen Quartiere ist dies nur zum Teil überraschend.

Roger Berhalter
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Der My-Post-24-Automat in der Bahnhofsunterführung. (Bild: Christoph Renn)

Der My-Post-24-Automat in der Bahnhofsunterführung. (Bild: Christoph Renn)

Roger Berhalter

roger.berhalter@tagblatt.ch

72 Poststellen gibt es im Kanton St. Gallen. 41 davon sind bis zum Jahr 2020 gesichert. Die übrigen 31 Filialen will die Post überprüfen, die Standorte sind also gefährdet. Dies geht aus einer Liste hervor, welche die Post diese Woche veröffentlicht hat (gestrige Ausgabe). Auch in der Stadt St. Gallen wird es Veränderungen geben. Bis mindestens 2020 bestehen bleiben die Hauptpost am Bahnhof sowie die Poststellen in Bruggen, am Brühltor und im Neudorf. Drei Filialen aber gelten gefährdet: Die Poststellen Lachen-Vonwil, Langgass und Winkeln. In den nächsten Jahren werden sie entweder bleiben, schliessen oder als Agentur in ein anderes Geschäft wie einen Quartierladen integriert.

Postschliessungen haben in der Stadt eine mittlerweile 15-jährige Geschichte. 2002 schloss die Post in Rotmonten, ein Jahr später jene im Linsebühl, und 2013 ging die Filiale im Heiligkreuz zu. In Agenturen umgewandelt wurden die Filialen in St. Georgen und Riethüsli (siehe Text unten) sowie jene am Kantonsspital und in St. Fiden. Neu betreibt die Post in der Unterführung West des Hauptbahnhofs einen von drei My-Post-24-Automaten im Kanton (siehe Text rechts).

Lachen war vorgewarnt

Pius Jud, Präsident des Quartiervereins Lachen, ist von den Neuigkeiten nicht überrascht. «Das kommt für uns nicht aus heiterem Himmel.» Schon vor einigen Jahren habe die Post darüber informiert, dass der Standort Lachen überprüft werde. Auch von einer Alternative im Neubau im Köppel-Areal sei derzeit die Rede. «Wir waren also vorgewarnt, haben aber dennoch gehofft, dass die Post Lachen nicht betroffen ist.» Wenn die Poststelle schliessen müsse, sei das sehr bedauerlich. «Die Post ist eine Aufwertung fürs Quartier», sagt Jud.

Mathias Linsi, Inhaber der Lachen Drogerie, bezeichnet die Post als «super Frequenzbringer»: Sie lenke viele Kunden in Richtung Quartierzentrum. Auch in seine Drogerie, die sich gleich neben der Post befindet. «Wir haben hier noch einen guten Ladenmix», sagt Linsi mit Blick auf die benachbarten Geschäfte im Zentrum von Lachen, zu denen unter anderem ein Detailhändler, Blumengeschäfte, Coiffeure und eine Metzgerei gehören. «Dieser Mix lebt von jedem Gewerbe, das Kunden anzieht.» Wenn die Post ginge, beträfe dies auch die anderen Geschäfte: «Es würde für alle ein bisschen schwieriger», sagt Linsi.

Der Osten der Stadt ist nach 2013 erneut von einer möglichen Postschliessung betroffen. Damals ging die Filiale Heiligkreuz zu, und die Kunden wurden auf die Post Langgass verwiesen, die weniger als einen Kilometer entfernt liegt. Nur vier Jahre später ist nun die Poststelle Langgass gefährdet. «Es wäre sehr bedauerlich, wenn auch diese Poststelle zuginge», sagt Markus Morger vom Quartierverein Nordost-Heiligkreuz. Viele Quartierbewohner seien nach der Schliessung im Heiligkreuz auf die Post Langgass ausgewichen. Gerade für Ältere werde es immer schwieriger. Im Heiligkreuz sei auch eine Agentur kein Thema gewesen, stattdessen ist die dortige Post ersatzlos verschwunden.

Winkeln hat wenig Verständnis

Marco Rutz, Co-Präsident des Quartiervereins Winkeln, zeigt sich überrascht von den aktuellen Plänen der Post. Erst noch im vergangenen Januar habe der Standort Winkeln als gesichert gegolten. Damals veröffentlichte die Gewerkschaft Syndicom eine Liste aller Poststellen im Kanton und teilte sie ein in «gesichert» und «gefährdet». Diese Liste unterscheidet sich – zumindest wenn man die Stadt St. Gallen betrachtet – stark von der neuen, offiziellen Liste der Post: Damals galten die Standorte Lachen und Winkeln als gesichert, was sie heute nicht mehr sind. Umgekehrt galten die Filialen in Bruggen und im Neudorf als gefährdet, während sie nun bis mindestens 2020 bestehen bleiben.

Marco Rutz vom Quartierverein Winkeln wundert sich nun, dass die Post in Bruggen bleibt, während jene in Winkeln «überprüft» werden soll. «Wir haben so viel Gewerbe in Winkeln. Ich verstehe nicht, wie man angesichts dieser Tatsache über die Schliessung der Post nachdenken kann.» Für ihn stellen sich mehrere Fragen: Was passiert mit den Schliessfächern in der Postfiliale? Wo soll in Winkeln eine Postagentur entstehen, wenn der Quartierladen fehlt? Eines ist laut Rutz sicher: «In Winkeln würde ohne die Post etwas Wichtiges fehlen.»