PAARUNGSZEIT: Das grosse Wandern der kleinen Tiere

Mit dem wärmeren, feuchten Wetter ist Hochbetrieb an den Amphibiensperren zwischen Untereggen und Goldach. Schüler helfen, die Tiere über die Strasse zu tragen.

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Der pensionierte Biologielehrer Josef Zoller erklärt den Rorschacher Schülerinnen, wie sie die Tierarten bestimmen können. (Bild: jor)

Der pensionierte Biologielehrer Josef Zoller erklärt den Rorschacher Schülerinnen, wie sie die Tierarten bestimmen können. (Bild: jor)

Sie hocken dicht aneinander in den Fanggefässen und quorren. Vor allem Erdkröten, Grasfrösche und Bergmolche verlassen jetzt ihr Winterquartier und begeben sich zum Schlossweiher in Untereggen. Die Route der nachtaktiven Tiere führt über eine viel befahrene Strasse. Deshalb hat ­Josef Zoller zu Beginn der 70er-Jahre mit dem Bau von Schutzzäunen begonnen.

Neben Zoller setzt sich auch Kuno Feurer seit vielen Jahren für die Amphibien ein. Zusammen mit freiwilligen Helfern leeren sie die Fangkübel täglich und tragen jedes Jahr um die 10000 bis 15000 Tiere über die Untereggerstrasse zum Laichgebiet in den Schlossweiher. Dabei werden die Amphibien nach Art und Geschlecht bestimmt und erfasst. Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit wurden die Helfer kürzlich von der Gemeinde Goldach geehrt. «Gestern sowie am Donnerstag waren die Bedingungen für die Amphibien ideal. Am Donnerstag zählten wir rund 1300 Amphibien an der Untereggerstrasse und 130 Amphibien am Müliberg», sagt Kuno Feurer. Gestern waren es über 1500. Heute werde zusätzlich eine Rückwandsperre aufgestellt, da einige der Kröten, Frösche und Molche vor über zwei Wochen gewandert sind und bereits gelaicht haben. Am Freitag begleitete eine Integrationsklasse aus Rorschach die Amphibienwanderung. Viele Schülerinnen und Schüler waren das erste Mal dabei und mussten sich erst dazu überwinden, die Frösche und Kröten anzufassen.

Strasse ist sicherer Tod der Tiere

Langsam gewöhnen sich die Schüler an die Tiere und lernen Geschlechter und Arten bestimmen, zum Beispiel anhand der Brunftschwiele an den Fingern, mit denen die Männchen ihre Weibchen umklammern. «Die Kröten fühlen sich kalt an», sagt einer der mutigeren Schüler. Andere konzentrieren sich aufs Notieren der Arten. Diesen Tieren so nahe zu kommen, das sei einmalig. «Leider gibt es immer wieder Amphibien, die trotz Sperren auf die Strasse gelangen und dort überfahren werden», sagt Feurer.

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch