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OSTSCHWEIZ: Barrierefrei durch die Baumkronen

Im Neckertal entsteht der erste Baumwipfelpfad der Schweiz. Das Baugesuch ist eingereicht, die erste Anschubfinanzierung für das 3,8-Millionen-Projekt seit gestern unter Dach und Fach.
Christoph Zweili
In zwei Jahren geniessen hier die Besucher den Perspektivenwechsel in den Baumwipfeln – Blick gegen Degersheim. (Bild: Urs Bucher (Steinwald, Mogelsberg))

In zwei Jahren geniessen hier die Besucher den Perspektivenwechsel in den Baumwipfeln – Blick gegen Degersheim. (Bild: Urs Bucher (Steinwald, Mogelsberg))

OSTSCHWEIZ. Schon die Kelten sollen die malerische Anhöhe oberhalb von Mogelsberg gekannt haben. Hier liegt das Steinwäldli, heute ein Naherholungsgebiet mit einem Rastplatz mit Feuerstellen, Finnenbahn, Vita-Parcours, einem Erlebnispfad am Boden und einer Blockhütte, die man mieten kann. Ein paar Meter entfernt skizzieren Bauvisiere das Eingangstor zum ersten Baumwipfelpfad der Schweiz, der im Mai 2018 – rechtzeitig zum 150-Jahr-Jubiläum der St. Galler Kantonalbank – eingeweiht werden soll. Die SGKB schiebt das 3,8-Millionen-Projekt mit einem Beitrag von 1,2 Millionen Franken an. Gestern setzten die Verantwortlichen im Blockhaus ihre Unterschrift auf das Papier.

«Der Pfad soll ein Leuchtturm-Projekt für unsere nicht auf Rosen gebettete, aber an Naturwerten reiche Region werden», wünscht sich Vreni Wild, die Neckertaler Gemeindepräsidentin. Ein Hauch Wehmut schwingt mit, der Baumwipfelpfad hätte Teil des im November 2014 abgelehnten Naturparks Neckertal werden sollen. «Ein Glück, dass die Finanzierung für den Pfad separat lief», sagt Lucrezia Meier-Schatz, 2015 von der Politbühne abgetretene CVP-Nationalrätin. Sie hilft mit ihrem Netzwerk bei der Finanzierung des Projekts. «Bis Ende Jahr wollen wir zwei Millionen Franken zusammenbringen. Wir sind gut auf Kurs», sagt die St. Peterzellerin.

Gemeindebeitrag von 150 000 Franken

Am 24. November befindet die Gemeinde Neckertal über einen einmaligen Betrag von 150 000 Franken an das Projekt sowie weitere 100 000 Franken in Form von Eigenleistungen. Wild ist zuversichtlich, «dass wir das durchbringen». Die Gemeinde sehe den positiven Effekt, den das Projekt bringe. Das gilt offenbar noch nicht für alle Bürger, wie Genossenschaftspräsident Werner Ackermann einräumt. Vier Einsprachen hat das in den Sommerferien eingereichte Baugesuch provoziert – alle betreffen die Verkehrsführung. Die Verantwortlichen suchen nach Lösungen, Ackermann spricht von einem «Ort der Entschleunigung und der Entdeckerfreude», der hier entstehen soll.

Regionalförster Christof Gantner glüht schon jetzt für die Idee, Familien mit Kindern vom Bahnhof Mogelsberg mit drei Posten zum Thema Forstwirtschaft und Holzbau hoch zum Infozentrum Baumwipfelpfad zu lotsen. Spüren, schmecken, anfassen – das sei das Konzept: Dafür wird sogar ein Kinderneurologe eingespannt.

An Gantner selbst ist definitiv ein Pädagoge verlorengegangen. Mit kleinen Taschenspiegeln auf dem Nasenrücken lässt er die Besucher auf der Finnenbahn hoch in die Baumwipfel sehen: Plötzlich sind die Äste und Blätter ganz nah. Und der imaginäre Baumwipfelpfad, 500 Meter lang – am höchsten Punkt 15 Meter über Boden – ist es auch. Und das, obwohl noch kein Pflock eingeschlagen ist.

Im heute schon rege frequentierten Erholungswald zeigt der Förster auf Fichten, die mit den Steinpilzen ein geheimnisvolles Netzwerk im Boden bilden. Ein Weisstännchen darbt geduldig am Fuss eines grossen Baumes, bis es «endlich durchstarten» kann. Und die 300 Jahre alte Eibe ein paar Meter weiter hat die SGKB schon zweimal überlebt.

Der zwei Meter breite, durchgehend rollstuhlgängige Baumwipfelpfad steht auf 84 Stützen. (Bild: Visualisierung: PD)

Der zwei Meter breite, durchgehend rollstuhlgängige Baumwipfelpfad steht auf 84 Stützen. (Bild: Visualisierung: PD)

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