ORIENTIERUNGSLAUF: Den richtigen Weg finden

Die St. Gallerin Eliane Deininger ist die schnellste Orientierungsläuferin Europas in ihrer Altersklasse. Trotz der jüngsten Erfolge konzentriert sie sich vorerst auf die Schule.

Christoph Renn
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OL-Nachwuchstalent Eliane Deininger präsentiert ihre Junioren-EM-Goldmedaillen. (Bild: Ralph Ribi)

OL-Nachwuchstalent Eliane Deininger präsentiert ihre Junioren-EM-Goldmedaillen. (Bild: Ralph Ribi)

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

Familie und Freunde haben mit Eliane Deininger im Garten des Elternhauses in St. Georgen ihre zwei Goldmedaillen an den Junioren-Europameisterschaften in der Slowakei gefeiert. Noch gab es keine royalen Glückwünsche wie bei Roger Federer. Doch die sportliche Zukunft der 17-jährigen Nachwuchshoffnung im Orientierungslauf sieht vielversprechend aus. Der Weg zum Profisport sei jedoch noch weit und steinig. «Es braucht auch Glück, um an der Weltspitze mitlaufen zu können.» Verletzungen sind immer möglich. Wohl deshalb sieht sie einer möglichen sportlichen Karriere gelassen entgegen. «Es kommt, wie es kommt», sagt sie.

Trotz ihrer Gelassenheit opfert Eliane Deininger für ihre sportlichen Erfolge fast ihre gesamte Freizeit. Freizeit, die ohnehin schon knapp ist. Denn nebst den etlichen Trainingseinheiten besucht sie die Kantonsschule am Burggraben in St. Gallen und schliesst im nächsten Jahr mit der Matura ab. Für Deininger ist klar: «Die Schule hat Vorrang.» Schule und Sport zu verbinden, sei ­anstrengend: «Ich muss mich manchmal nach der Schule schon überwinden, die Sportkleider anzuziehen und zu trainieren», sagt sie. Die Erfolge treiben sie jedoch immer weiter an.

Mit neun Jahren mit OL begonnen

Auch wenn Schule und Sport Deininger manchmal ermüden, fehlt es der 17-Jährigen nicht an Ehrgeiz. Wegen der guten Ergebnisse auf nationaler und internationaler Ebene seien die Erwartungen gestiegen. Druck von Trainern und Familie spüre sie deshalb jedoch nicht. «Den grössten Druck mache ich mir selbst», sagt sie. Deshalb müsse sich jeweils gut mental auf die Rennen vorbereiten.

Zum Orientierungslauf hat Eliane Deininger – «für diese Sportart nicht unüblich» – durch ihre Familie gefunden. Bereits ihr Grossvater sei mit der Karte ausgerüstet durch die Wälder gerannt, wie auch ihr Vater und ihr älterer Bruder. Doch bevor sie sich ganz auf den OL konzentrierte, probierte sie viele andere Sportarten aus. «Ich ging Schwimmen, Reiten und machte Leichtathletik», sagt sie. Doch die Liebe zur Natur und die familiäre Stimmung unter den Läuferinnen und Läufern habe sie dann schliesslich vom Orientierungslauf überzeugt. Hier habe sie die meisten Freunde gefunden. «Natürlich gefällt mir die Sportart auch, weil ich schon viele Erfolge feiern konnte», fügt sie schmunzelnd an. Mit neun Jahren begann sie, regelmässig für den Orientierungslauf zu trainieren.

Keine Spitzensportlerin als Vorbild

Momentan feilt Deininger mit ihren Vereinskolleginnen und Kollegen in Schweden, dem Mutterland des Orientierungslaufes, an ihren Fähigkeiten. Am meisten freut sie sich auf den sogenannten O-Ringen, ein fünftägiger Orientierungslauf mit über 15000 Teilnehmenden. Mit dabei ist auch ihr grosses Vorbild. Und es ist nicht das Schweizer OL-Aushängeschild, die 23-fache Weltmeisterin Simone Niggli-Luder. «Es ist eine 86-jährige Vereinskollegin», sagt Deininger. Zu sehen, dass man die Sportart auch noch in hohem Alter ausüben könne, motiviere sie zusätzlich. Sportliche Ziele hat sie sich für den O-Ringen jedoch keine gesetzt. «Ich will vor allem Spass haben und die Zeit in Schweden geniessen.»

Für das Schweizer-OL-Nachwuchstalent gilt es aber bald wieder ernst. Im Herbst wird sie Teil des Nationalkaders. Dann beginnen die Vorbereitungen auf die Junioren-Weltmeisterschaften im kommenden Jahr. Dort will sie in ihrer Paradedisziplin, der Langdistanz, überzeugen. Am 4. September könnte Eliane Deininger noch eine andere Auszeichnung gewinnen. Sie ist nominiert für die Wahl zur St. Galler Nachwuchssportlerin des Jahres.