ORGELSPIEL: Musikstudent mit Pfiff

Von Staub und Russ befreit, ertönt die Orgel in der Pfarrkirche in Abtwil in neuem Klang. Nachwuchsorganist Christoph Arta versetzt das Kirchenschiff in Schwingung.

Noemi Heule
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Christoph Arta auf der Empore der Abtwiler Pfarrkirche. Hier lässt der Student die Orgelpfeifen erklingen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Christoph Arta auf der Empore der Abtwiler Pfarrkirche. Hier lässt der Student die Orgelpfeifen erklingen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Geht Christoph Arta seinem Hobby nach, zieht er sich nicht in das stille Kämmerlein zurück. Im Gegenteil: Er braucht Raum. Wenn er in die Tasten greift und in die Pedale tritt, bringt er das Kirchenschiff der Abtwiler Pfarrkirche in Schwingung. Der Klang der Orgelpfeifen braust über leere Kirchenbänke, hallt von den Steinwänden wider und dringt hinaus über den Friedhof bis hin zur Hauptstrasse.

Seit vier Jahren spielt der 20-Jährige auf der Orgel in der katholischen Kirche. Dennoch ist dies auch für ihn ein feierlicher Moment. In einer grossen Putzaktion wurden die 2500 Orgelpfeifen aus dem Jahr 1991 geputzt und neu gestimmt. Nun ertönen sie wieder in neuem Klang und erstrahlen unter den farbigen Bogenfenstern in altem Glanz. Sauber und voll sei der Klang, sagt Arta. Und die Stimmfarben liessen sich klar voneinander unterscheiden. «Ich musste einen Moment innehalten, als ich mich nach der Revision wieder an die Orgel setzte», sagt er.

Orgel spielen statt Sport treiben

Zum ersten Mal nahm Arta als Sekschüler auf der Orgelbank Platz. «Ich hatte Zeit für ein neues Hobby, bin aber nicht der sportliche Typ», sagt er. Nebst Klavier wollte er deshalb ein zweites Instrument erlernen. Nach einem Jahr jedoch kam die Sinnkrise. Mühsam sei es gewesen, jeweils für das Üben in die Kirche zu gehen, die Lehrstücke boten zudem keine Abwechslung. Orgellehrer und Eltern animierten ihn durchzubeissen. «Zum Glück», wie er heute sagt.

Zum Glück, denkt auch der Zuhörer, wenn seine Finger heute über die Tasten fliegen und seine Füsse in schwarzledernen Herrenschuhen über die Pedale hüpfen. Arme und Beine in Bewegung, bleiben nur die Körpermitte und Augen still, die hinter den Brillengläsern starr auf die Noten fixiert sind.

Von klein auf faszinierte den Sohn des Kirchenverwaltungsratspräsidenten die Orgel. «Wenn ich das Auto des Organisten vor der Kirche sah, zerrte ich meine Eltern ins Gebäude.» Heute ist Arta selbst einer von vier Organisten der Pfarrei. Mindestens einmal im Monat untermalt er mit seinem Spiel den Gottesdienst. Da die anderen Organisten im Kirchenchor engagiert sind, springt er jeweils ein, um den Chor zu begleiten. Die Auftritte sind für den Studenten ein willkommener Nebenverdienst – ein «luxuriöser Studentenjob», wie Arta sagt, der an der Universität Zürich Englisch und Musikwissenschaften studiert.

Bach-Kantaten, Jazz und Popsongs

Das Spiel auf der Orgel sei aber vor allem Entspannung. Und: «einfach nur schön», sagt Arta, der sich als angehender Musikwissenschafter gewohnt ist, die Musik wortreich zu umschreiben. Momentan schreibt er an seiner Bachelorarbeit – einer Analyse der Orgelsoli in geistlichen Kantaten von Johann Sebastian Bach. Auch in seiner Maturaarbeit kam sein Hobby zum Tragen. Damals schrieb er eine eigene Orgelschule und arrangierte Popsongs, Jazz und Gospel für das Instrument. Derzeit jedoch gibt er sich ganz der klassischen Musik hin – allen voran Bach. Sein Lieblingskomponist, seit er zum ersten Mal ein Stück von ihm auf der Orgel spielte. Auch in der Freizeit hört Arta vor allem Klassik. Für ihn ist klar, «ohne Musik geht es nicht». Er ergänzt: «Musik ist in meinem Leben omnipräsent.»

Neben seinem Studium komme das Orgelspiel zwar manchmal zu kurz, dennoch spielt der 20-Jährige mehrmals die Woche. «Dann, wenn ich Lust habe, laut zu werden.» Arta wohnt momentan in Rapperswil, wo er an der Orgel einer kleinen Kapelle üben kann – eine willkommene Abwechslung. Denn: «Jede Orgel klingt anders.» Ihre Register werden beim Bau auf den Raum abgestimmt. Entsprechend verschieden fällt die Klangfarbe aus. Wie jene in Abtwil – von Staub und Russ befreit – neu erklingt, zeigt Christoph Arta mit Joachim Oberholzer, Olga Jöhl und Josef Knechtle morgen Sonntag.

Orgelführung mit Konzert Morgen Sonntag, 17 Uhr, auf der Empore der Pfarrkirche