Opposition gegen Stadttunnel

Eine Entlastungsstrasse sei der geplante Stadttunnel Rapperswil, sagt der Rapperswiler Stadtpräsident Benedikt Würth. Die Opposition gegen die Tunnellösung ist breit.

Rene Hornung
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Seedamm-Portal: So könnte die Rapperswiler Tunneleinfahrt ab 2025 aussehen. (Bilder: pd)

Seedamm-Portal: So könnte die Rapperswiler Tunneleinfahrt ab 2025 aussehen. (Bilder: pd)

30 000 Autos und 1000 Lastwagen fahren heute täglich durch das Zentrum von Rapperswil-Jona. Mit einem Tunnel soll der Verkehr vom Seedamm, vom rechten Zürichsee-Ufer, vom Zürcher Oberland und vom Ricken aufgenommen werden. Die Kosten für die Realisierung einer ersten Etappe bis 2025 werden auf 650 Mio. Franken geschätzt.

Dutzende von Tunnelvarianten

Seit 140 Jahren ist das Strassennetz in Rapperswil-Jona nie mehr grundsätzlich ausgebaut worden. Seit rund 70 Jahren werden immer wieder Lösungen für das Verkehrsproblem diskutiert, und Dutzende von Tunnelvarianten wurden studiert. Nun liegt das vom Kanton genehmigte Projekt vor, und weil es flankierende Massnahmen verlangt, die die Stadt selber finanzieren muss, wird es voraussichtlich im Herbst zu einer Abstimmung kommen. Das Architekturforum Obersee und die Architektur- und Designzeitschrift Hochparterre organisierten mit Blick auf diesen Volksentscheid einen öffentlichen «Städtebau-Stammtisch». Das Ziel: die Tunnellösung nochmals grundsätzlich überdenken. Die Stadt Rapperswil-Jona und «Hochparterre» haben auch ein Sonderheft zur Stadtentwicklung herausgegeben.

Klaus Zweibrücken von der Hochschule Rapperswil zeigte Alternativen zum ständigen Anstieg des Individualverkehrs in städtischen Gebieten auf. Er forderte, die Netze des öffentlichen Verkehrs und die Velowege sollten massiv ausgebaut werden, und er zeigte dazu Beispiele aus Deutschland, Holland und Belgien. Siedlungsplaner Markus Birchler vom Planungsbüro «Stadt Raum Verkehr» plädierte seinerseits für dichtere Überbauungen, so dass die Wege zu Fuss oder mit dem Velo zurückgelegt werden können. Die Verkehrsbelastung in der Stadt würde schon markant abnehmen, wenn die Autofahrten unter fünf Kilometer Distanz im Bus oder auf dem Velo zurückgelegt würden.

Platz in der Stadt zu knapp

In der Podiumsdiskussion bekundete der abtretende Stadtpräsident Benedikt Würth seine Sympathie für die vorgestellten Konzepte, doch Rapperswil-Jona fehle für viele Verkehrsberuhigungsmassnahmen schlicht der Platz. Die Stadt hat 14 Kilometer Seeanstoss und eine hügelige Topographie im Nordosten. Eine entlastende Ringstrasse sei allein deshalb unmöglich. Für Busspuren und Velowege fehle an den meisten Orten der Platz, und private Eigentümer seien oft nicht bereit, dafür Land abzutreten. Peter Wolf vom Büro Metron, das für Rapperswil-Jona zahlreiche Planungen erstellt hat, findet die Tunnellösung an sich logisch, verweist aber darauf, dass solche Tunnels Konzepte aus den 1970er- und 1980er-Jahren seien.

Tempo 40 im Tunnel

Benedikt Würth aber verteidigte den Tunnel, der im Gegensatz zur Stadtautobahn keine zusätzlichen Kapazitäten schaffe. Die Einfahrt in den Tunnel am Ende des Seedamms werde durch ein Lichtsignal begrenzt, und im kurvenreichen Tunnel selber werde nur Tempo 40 erlaubt sein.

Mit den flankierenden Massnahmen werde dafür gesorgt, dass die Kapazitäten nicht ausgeweitet würden – ein Novum in der st. gallischen Strassenplanung, wie Würth feststellte.

Tunnelportal in Kempraten.

Tunnelportal in Kempraten.