OPERATIONSSAAL: Feinarbeit mit scharfen Klingen

Im Haus 03 des Kantonsspitals gibt es elf Operationssäle. Rund um die Uhr liegen Patienten unter dem Messer. Die Organisation ist strikt, Hygiene steht an erster Stelle. Trotzdem können Komplikationen auftreten.

Christoph Renn
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Jeder Handgriff sitzt: Die Operationsassistentin reicht Chefarzt Bernhard Jost (rechts) das passende Instrument für die Schulteroperation. (Bilder: Jil Lohse)

Jeder Handgriff sitzt: Die Operationsassistentin reicht Chefarzt Bernhard Jost (rechts) das passende Instrument für die Schulteroperation. (Bilder: Jil Lohse)

Christoph Renn

christoph.renn

@tagblatt.ch

Es ist kühl im Operationssaal 9 des Kantonsspitals St. Gallen. Die Geräuschkulisse ist leise, aber deutlich: Regelmässig hallt der Atem des Patienten, die Maschinen summen im Takt. Piep, Piep, Piep. Ein Apparat gibt den Herzschlag in hohen Tönen wieder. Das Orchester aus rhythmischen Klängen wird nur selten unterbrochen. Dann jedoch umso klarer. «Hammer», sagt Bernhard Jost, Chefarzt der Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, zur Operationsassistentin. Diese reicht ihn fast im selben Moment. Jeder Handgriff sitzt. Die Blicke der Ärzte sind fest auf den Bildschirm vor ihnen fixiert.

Jost entfernt überflüssiges Gewebe aus der Schulter, schneidet Sehnen gezielt durch und näht sie geschickt wieder zusammen. Nach einer Stunde informiert er die Anästhesistin, die den Patienten genau beobachtet: «Wir sind fertig.» Es ist 9 Uhr. Jost verlässt den Operationssaal. Er hat eine Sprechstunde mit dem nächsten Patienten. Der Assistenzarzt näht die kleinen Schnitte zu. Die Assistentin räumt den Platz. Kurze Zeit später füllt sich der Saal wieder. Der nächste Patient wartet bereits.

Je nach Art der Verletzungen führt Bernhard Jost drei bis fünf Operationen am Tag durch. Immer höchst konzentriert. «Fehler können in diesem Beruf schwerwiegende Folgen haben», sagt er. Zwar gehe es in seiner Klinik in den wenigsten Fällen um Leben und Tod. Doch Komplikationen möchte er so gut es geht vermeiden. «Leider können wir sie nicht immer verhindern», sagt Bernhard Jost. Umso wichtiger sei dann, die Gründe dafür zu erforschen. Er nimmt einen Schluck Kaffee, bis zum Feierabend geht es noch lange. Zwölf Stunden pro Tag sind für ihn der Normalfall.

Von der Halle in den Operationssaal

Die Orthopädie und Traumatologie am Kantonsspital St. Gallen ist in fünf gelenkspezifische Teams unterteilt – Wirbelsäule, Schulter-Ellbogen, Hüfte, Knie und Fuss. Zusätzlich arbeitet je ein Team in den Standorten Flawil und Rorschach. Unterstützt wird Jost bei seiner Arbeit von einem grossen Team. Insgesamt arbeiten 45 Ärzte in der Klinik des Kantonsspitals. Darunter sind 22 Fach- und 23 Assistenzärzte. Bernhard Jost ist auf Ellbogen und Schultern spezialisiert. Sein Interesse dafür kommt nicht von irgendwo her. Vor seiner Zeit als Chefarzt spielte er Handball in der höchsten Schweizer Liga. «Der Bewegungsapparat hat mich schon immer fasziniert», sagt er. Neben seiner Tätigkeit im Kantonsspital ist er zudem Professor an der Universität Zürich.