Opa hat kaum noch Chancen

Erfolg für den Schachklub St. Gallen: An den Schweizer Juniorenmeisterschaften im Schach qualifizierten sich Noah Fecker und Yasin Chennaoui für die Weltmeisterschaften. Elias Giesinger nimmt derzeit an der Europameisterschaft teil.

Perrine Woodtli
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Drei Buben in ihrem Element: Elias Giesinger (links) nimmt derzeit an der Schach-Junioren-Europameisterschaft auf der kroatischen Halbinsel Istrien teil. Noah Fecker (Mitte) und Yasin Chennaoui gehen Ende Oktober für die Schach-Junioren-Weltmeisterschaften nach Griechenland. (Bild: Urs Bucher)

Drei Buben in ihrem Element: Elias Giesinger (links) nimmt derzeit an der Schach-Junioren-Europameisterschaft auf der kroatischen Halbinsel Istrien teil. Noah Fecker (Mitte) und Yasin Chennaoui gehen Ende Oktober für die Schach-Junioren-Weltmeisterschaften nach Griechenland. (Bild: Urs Bucher)

Schach habe ihn schon immer fasziniert, sagt Elias Giesinger aus St. Georgen. «Mein Vater hat mir gezeigt, wie es geht und wir haben oft gegeneinander gespielt», sagt Elias. Seit sechs Jahren ist der 14-Jährige im Schachklub St. Gallen. Heute spielt sein Vater nicht mehr gegen ihn. «Ich bin klar besser.»

17 Stunden Schachtraining nimmt der Kantischüler wöchentlich auf sich. Einmal in der Woche besucht er das Juniorenschach des Schachklubs St. Gallen und zweimal steht Training via Skype mit seinem Privattrainer aus Mazedonien auf dem Programm. Den grössten Teil seines Wissens holt Elias aus dem Internet. Und aus Büchern. «Ich lese viele Schachbücher, um Züge und Strategien zu lernen.»

Die Hälfte der Punkte erreichen

Der grosse Zeitaufwand hat sich ausbezahlt. An den Schweizer Juniorenmeisterschaften erzielte Elias seinen bisher grössten Erfolg. Er erreichte den dritten Platz in der U14-Kategorie und qualifizierte sich für die Europameisterschaft, die am Sonntag vor einer Woche in Porec auf der kroatischen Halbinsel Istrien startete und noch bis Donnerstag andauert. Mit der Hälfte der Punktzahl wäre er zufrieden, also mit viereinhalb Punkten. Neun Spiele werden gespielt. Für jeden Sieg gibt es einen Punkt, für ein Unentschieden einen halben und für eine Niederlage keinen. Natürlich sei er nervös. «Das gehört dazu.»

Aufgehört, die Pokale zu zählen

Auch der Eggersrieter Noah Fecker begeisterte sich schon früh für Schach. Vier Jahre alt war er, als er das erste Mal gegen seinen Opa Schach spielte. In der zweiten Klasse trat Noah dem Schachklub bei. Zuerst ging er aus Spass. «Heute nehme ich regelmässig an Turnieren teil.»

An den diesjährigen Schweizer Juniorenmeisterschaften erreichte Noah den dritten Platz in seiner Alterskategorie und qualifizierte sich damit für die Juniorenweltmeisterschaften in Griechenland, die Ende Oktober stattfinden. Sein Pokal von den Schweizer Meisterschaften sei zwar nicht der einzige, aber «der schönste», wie Noah sagt.

Denkarbeit und Strategie

Die WM-Qualifikation sei ein grosser Erfolg für ihn, wie der Elfjährige sagt. «Es ist cool, dass ich an die WM kann.» Für seine Schach-Erfolge trainiert Noah täglich. «In der Woche sind es 20 Stunden.» Mit Büchern lerne er nicht gerne, dafür am Computer. Am Schach gefalle ihm, dass alles sehr mit Denkarbeit und Strategie verknüpft ist.

Für die WM müsse er noch Eröffnungen trainieren, sagt Noah, der die Talentschule Blumenau im Bereich Sport besucht. Die Eröffnung ist die erste Phase einer Schachpartie. Gegen den Opa spiele er nur noch selten. «Er hat wenige Chancen. Manchmal trainiere ich meine Schwester.»

Mit sieben in den Schachklub

Beim zwölfjährigen Yasin Chennaoui ist der Vater «schuld» am Schachfieber. Als Yasin das Schachbrett seines Vaters im Wohnzimmer entdeckte, war es um ihn geschehen. «Ich habe meinen Vater gefragt, was das ist», erinnert sich Yasin. Der Vater erklärte ihm das Spiel – mit Hilfe der Anleitung. Ein Freund der Familie spielte daraufhin mit Yasin. «Er meinte, dass ich in den Schachklub muss, weil ich gut spiele.» Dorthin ging Yasin auch vor fünf Jahren. An den Schweizer Juniorenmeisterschaften erreichte er den zweiten Platz. Der Degersheimer freut sich, nun an den Juniorenweltmeisterschaften teilzunehmen. «Das ist schon etwas Spezielles.»

Schach nur mit Brett spielen

Wer so erfolgreich ist, wird viel trainieren, könnte man meinen. Nicht so Yasin. «Ich trainiere sehr selten. Ich spiele lieber Fussball», sagt er. Er habe Phasen, da spiele er oft. Dann bleibe das Schachbrett wieder lange Zeit unberührt. Lernen am Computer oder Bücherlesen sei gar nicht sein Ding. «Ich spiele nur am Brett.»

Das einzige Familienmitglied, das ebenfalls Schach spielt, sei sein Opa. Gegen ihn spielte Yasin früher öfters. «Heute spielen wir fast nicht mehr miteinander. Er hat keine Chancen mehr gegen mich», sagt Yasin und grinst.