Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Olympisches St. Gallen

Der Architekt Rudolf Pfaendler hatte in den 1920er-Jahren den kühnen Traum, in St. Gallen Olympische Sommerspiele abzuhalten. Eine Modellaufnahme belegt: Er hätte dafür sogar den Bernegg-Hügel weggesprengt, um einen Flugplatz bauen zu können.
Philippe Reichen
Das Olympiastadion im Tal der Demut: Mit einer Autorennbahn, Bassin, Fussballplatz, Hotels, Restaurants und einem Flugplatz. (Bild: Schreibmappe/Archiv der Ortsbürgergemeinde St. Gallen)

Das Olympiastadion im Tal der Demut: Mit einer Autorennbahn, Bassin, Fussballplatz, Hotels, Restaurants und einem Flugplatz. (Bild: Schreibmappe/Archiv der Ortsbürgergemeinde St. Gallen)

Rudolf Pfaendler hatte mit dem Tal der Demut einen idealen Ort gefunden, um OlympischeSpiele zu veranstalten. Auf seiner Modellaufnahme geht der Blick des Betrachters von der Stelle, wo heute die gewerbliche Berufsschule St. Gallen steht, in Richtung St. Georgen. Weit entfernt erkennt man den Bodensee. Pfaendler hätte das ganze Tal radikal verbreitern und einebnen lassen, um für eine veritable Sportstätte mit diversen Wettkampfarenen Platz zu schaffen: Ein Bassin für Schwimm- und Ruderwettkämpfe ist ebenso zu erkennen wie eine Autorennbahn und ein Fussballfeld.

Flugplatz und Strassenbahn

Am Kopf der Anlage entstand vor dem geistigen Auge des Architekten eine prunkvolle Hotelbaute, die mit ihren Kuppeln an das Pariser Pantheon erinnert, und deren Säulenfassade wohl als Reminiszenz an das antike Griechenland gedacht war. Die Zuschauertribüne hätte auf der linken Seite stehen sollen, ihr gegenüber waren weitere Hotels und Restaurants und Gartencafés geplant. Auch an die Verkehrsinfrastruktur hatte der Architekt gedacht. Links neben dem Hotel sieht man eine Art Strassenbahn.

Über dem Stadion kreist ein Doppeldecker. Rudolf Pfaendler hätte für den Bau des Flugplatzes gleich den Bernegg-Hügel sprengen und den Freudenberg abtragen lassen. Publiziert wurde die kühne Modellaufnahme in der «Schreibmappe», einer Publikation der Buchdruckerei «Zollikofer & Cie». Sie befindet sich heute im Archiv der Ortsbürgergemeinde St. Gallen. Was wollte Rudolf Pfaendler mit seinen Plänen erreichen?

Nur eine Bildlegende

An dieser Frage bissen sich diverse St. Galler Historiker, Journalisten (siehe Kasten) aber auch Bauexperten die Zähne aus. Théo Buff, bei der Direktion für Bau und Planung der Stadt St. Gallen tätig, gilt als Experte für nicht realisierte Bauwerke in der Gallusstadt. Buff hat hartnäckig recherchiert, aber zum Fall nichts weiter gefunden als die offizielle Bildlegende, welche damit weiter die einzige Quelle bleibt. Auch der ehemalige Stadtarchivar Ernst Ziegler ging auf Spurensuche.

Er griff zu alten Telefonbüchern der Stadt St. Gallen und suchte nach dem Architekten Rudolf Pfaendler – ohne Erfolg. Dieser dürfte kaum in St. Gallen domiziliert gewesen sein. Für den Historiker Ernst Ziegler ist damit offen, «ob Pfaendler sein Stadion im Ernst oder als Kuriosum» entworfen hatte. Dazu ist zu sagen: Die «Schreibmappe», in der die Modellaufnahme erschienen war, galt als seriöse Publikation.

Denkbar wäre, dass das Projekt «Olympiastadion St. Gallen» dazu hätte dienen sollen, die in den 1920er-Jahren krisengeschwächte Wirtschaft mit einem ambitionierten Projekt wieder in Schwung zu bringen. Schliesslich fällt auf: In der Bildlegende ist «193?» als Realisierungsjahr angegeben. Womöglich zielte Rudolf Pfaendler auf das Jahr 1936 hin. In diesem Jahr fanden die Olympischen Sommerspiele in Berlin statt. Diese verkamen zu einer Propagandaveranstaltung der nationalsozialistischen Partei.

Der geplatzte Traum von Olympiade im Tal der Demut steht in einer langen Reihe von Projekten, die für diesen Ort geplant, aber nie realisiert wurden. Ernst Ziegler hat im Stadtarchiv Quellen entdeckt, wonach sich die örtlichen politischen Behörden 1914 mit dem Bau einer Eisenbahn befassten. Danach verlangte der Eis-Club St. Gallen den Bau einer Natureisbahn. Das Projekt scheiterte an allerlei Bedenken.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.