Ohne Sorgen Schulden machen

2016 budgetiert die Stadt St. Gallen in der Investitionsrechnung einen Fehlbetrag von rund 27 Millionen Franken. Sie muss Geld aufnehmen und sich weiter verschulden. Den Schulden steht aber ein grosses Finanzvermögen gegenüber.

Daniel Wirth
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Ausbau des Fernwärmenetzes am Unteren Graben diesen Sommer: Die Stadt investiert in ihre Infrastruktur. (Bild: Urs Bucher)

Ausbau des Fernwärmenetzes am Unteren Graben diesen Sommer: Die Stadt investiert in ihre Infrastruktur. (Bild: Urs Bucher)

Die Stadt St. Gallen kann kommendes Jahr geplante Investitionen von 62,9 Millionen Franken nur zu 57 Prozent selber finanzieren; die Verschuldung der Stadt steigt um gut 27 Millionen Franken an (Tagblatt vom 3. November). Stadtpräsident Thomas Scheitlin sagte bei der Präsentation des Voranschlags 2016, die Verschuldung werde voraussichtlich noch zunehmen. Ende 2014 betrug das in der Bilanz der Stadt ausgewiesene Fremdkapital 984 Millionen Franken. Das Kapital, das die Stadt bei Banken, Versicherungen und Dritten aufgenommen hatte, betrug 829 Millionen Franken. Voraussichtlich kann die Stadt auch im laufenden Jahr nicht alle Investitionen selbst finanzieren, aller Wahrscheinlichkeit nach knackt das Fremdkapital Ende 2015 die Milliardengrenze. Das klingt im ersten Moment nach sehr viel. Doch das Zinsniveau ist aktuell sehr tief; Darlehen mit kurzer Laufzeit muss die Stadt gegenwärtig gar nicht verzinsen. Doch das ist nur das eine: Dem Fremdkapital stand Ende 2014 ein Finanzvermögen von 685 Millionen gegenüber. Die Nettoschuld I betrug 299 Millionen Franken.

Selber auch Gläubigerin

Die Stadt ihrerseits ist auch Gläubigerin: Sie hatte den Stadtwerken und den Verkehrsbetrieben per Ende 2014 rückzahlbare und verzinsliche Darlehen in der Summe von 287 Millionen Franken gewährt. Entsprechend blieb unter dem Strich eine Nettoschuld II von lediglich noch 11 Millionen Franken. Im Finanzvermögen der Stadt sind viele Liegenschaften. Sie sind in der Rechnung 2014 mit einem Verkehrswert von gut 400 Millionen Franken verbucht. In jüngster Zeit sind die Immobilienpreis stark nach oben geklettert. Die Stadt hat ihre rund 170 Wohn- und Geschäftsliegenschaften, die in der Bilanz aufgeführt sind, jedoch schon einige Zeit nicht mehr flächendeckend bewerten lassen. Der Grund: Die saubere Bewertung aller Liegenschaften löse hohe Kosten aus, wie Michael Urech, Leiter des Finanzamtes, sagt. Würden alle Liegenschaften aufgewertet, wiese die Stadt ein Nettoguthaben statt Nettoschulden aus, sagt Urech.

Vergleich der Schulden hinkt

Im Vergleich mit den umliegenden Gemeinden hat die Stadt St. Gallen eine tiefe Pro-Kopf-Verschuldung. Diese Vergleiche hinkten, gibt Urech zu bedenken. Es gebe Gemeinden, die zögen die Nettoschuld I für die Berechnung bei, andere die Nettoschuld II. Tatsache sei aber, sagte Urech, dass die Kurve bei der Pro-Kopf-Verschuldung bei der Stadt weniger ausschlage als bei den Gemeinden. Die Stadt könne von stabilen Nettoinvestitionen ausgehen (60 bis 65 Millionen Franken im Jahr). Eine kleinere Landgemeinde müsse anders rechnen. Der Bau eines Schulhauses lasse die Schulden unter Umständen für einen kurzen Zeitraum stark anwachsen.

Michael Urech Leiter Finanzamt der Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)

Michael Urech Leiter Finanzamt der Stadt St. Gallen (Bild: Urs Bucher)