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«Ohne Risiko ist nur der Verzicht»

Die städtischen Parteien stehen hinter dem Geothermieprojekt – zumindest vorerst. Sie rufen zu Gelassenheit und Geduld auf. Bevor über die Zukunft des Projekts diskutiert werden könne, brauche es genaue Abklärungen der Risiken.
Tobias Hänni
Vertrauen in Fachleute: Politiker fordern ein sorgfältiges Abklären der Risiken des Geothermieprojekts. (Archivbild: Urs Jaudas)

Vertrauen in Fachleute: Politiker fordern ein sorgfältiges Abklären der Risiken des Geothermieprojekts. (Archivbild: Urs Jaudas)

Als es 2010 im Stadtparlament darum ging, für das Geothermie-Heizkraftwerk den notwendigen Kredit zu sprechen, stellten sich sämtliche Parteien hinter das Projekt. Und auch jetzt, wenige Tage nach dem durch das Projekt ausgelösten Erdbeben, stellen sie sich hinter die Geothermie-Arbeiten im Sittertobel.

So ist für die CVP nun der «falsche Zeitpunkt für Kritik am Projekt», wie die Partei in einem Communiqué schreibt. Stattdessen solle nun die Situation «rasch und genau» analysiert und geprüft werden, wie das Projekt weiterverfolgt werden könne. Dabei spricht die CVP den «Verantwortlichen ihr Vertrauen aus». Für die Christdemokraten braucht es bei solchen Projekten «den Mut, auch dann weiterzugehen, wenn es zu einem Rückschlag kommt». Für Panikmache bestehe kein Anlass – trotz des Erdbebens mit einer Stärke von 3,6. «Auf der Richter-Skala ist es als sehr leichtes Beben eingestuft und kommt weltweit jährlich 49 000 mal vor.»

Geothermie nicht verteufeln

Zur Besonnenheit ruft auch Susanne Hoare-Widmer, Kantonsrätin und Vizepräsidentin der Grünen Stadt und Region, auf. «Es ist jetzt wichtig, nicht in Panik auszubrechen.» Derzeit schaue nicht nur die Stadt gebannt ins Tobel runter, das Pionierprojekt sei wichtig für die Geothermie-Zukunft in der ganzen Schweiz. «Deshalb ist es nötig, dass die Risiken genau analysiert und kommuniziert werden.» Die Stadt gehe dabei bislang genau so sorgfältig vor, wie sie das im Vorfeld und während der bisherigen Arbeiten auf dem Bohrplatz getan habe. Erst wenn eine Auslegeordnung der verschiedenen Optionen vorliege, könne über die Zukunft des Projekts diskutiert werden.

«Die Geothermie darf jetzt nicht verteufelt werden», sagt Susanne Hoare-Widmer. «Vor allem, wenn man bedenkt, dass zum Beispiel ein Unfall in einem Atomkraftwerk ganze Landstriche für lange Zeit unbewohnbar machen kann.» Letztlich sei keine Energiequelle ohne Risiko. «Das wäre nur der Verzicht beim Konsum von Energie.»

Die Ansichten der Grünen-Politikerin teilt Roger Dornier von der FDP. «Atomenergie hat ebenfalls ihre Risiken», sagt der Fraktionschef des Freisinns. Die Energiewende sei etwas dornenreicher, als man erwartet habe. «Aber wegen des Erdbebens nun das Projekt überhastet abzubrechen, wäre völlig falsch. Es steht zu viel auf dem Spiel.» Der FDP-Politiker hat das Erdbeben am frühen Samstagmorgen auch erlebt. «Und um ehrlich zu sein: Im ersten Moment bin ich erschrocken.»

Mit einem gewissen Abstand zum Beben plädiert Dornier nun aber für Gelassenheit. «Es gab, so viel ich weiss, keine Schäden.» Nun müsse ein wenig Zeit ins Land gehen, damit die Experten die Risiken beurteilen könnten. Er habe «absolutes Vertrauen» in Stadtrat Fredy Brunner und dessen Crew. «Die wissen genau, was sie tun.»

Ärger über «Experten»

Vertrauen schenkt den Experten im Sittertobel auch Bettina Surber, Präsidentin der städtischen SP: «Bei der Einschätzung der Risiken müssen wir nun auf die Fachleute hören.» Die Frage, ob das Geothermie-Projekt noch eine Zukunft habe, sei verfrüht. «Erst müssen die Analysen und neuen Erkenntnisse abgewartet werden,», sagt die Kantonsrätin. Danach könne über einen möglichen Abbruch diskutiert werden.

Ähnlich argumentiert Heini Seger, der für die SVP im Stadtparlament sitzt. «Es sind viele Spezialisten an Ort, die das genau abschätzen können.» Dass nun «selbsternannte Experten» unter anderem aus Bundesbern einen Abbruch des Projekts fordern würden, sei unverschämt. «Das ist ein St. Galler Projekt. Und letztlich wollen ja alle den Atomausstieg und einen kleineren Erdölverbrauch.» Geht es nach Seger, darf das Projekt «ganz, ganz sicher» nicht gestoppt werden. «Das Beben war nicht schlimm. Zudem hat die Stadt die Risiken von Anfang an kommuniziert.»

Abklären oder abbrechen

Diesbezüglich nicht ganz gleicher Meinung ist die BDP, die ebenfalls in einer Medienmitteilung Stellung zum Erdbeben nimmt. Vor der Abstimmung zum Projekt habe die Stadt den Stimmbürgern gesagt, St. Gallen könne nicht mit Basel verglichen werden, heisst es darin. «Die Wahrheit hat uns spätestens Samstag frühmorgens eingeholt.» Die Partei fordert nun «genauste Abklärungen, warum das trotz allen gegenteiligen Vorhersagen passieren konnte.» Sollte dies nicht möglich sein, müsse das Projekt leider abgebrochen werden.

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