Ohne Klischee und Vorurteil

Das Kino Rosental zeigt am Freitag, 29. April, im Rahmen des Kurzfilmfestivals Look & Roll von Procap zwei Filme über Behinderungen – auch in einer Version für Sinnesbehinderte.

Michael Walther
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Die Welt der Behinderung zeigt das Kino Rosental am Kurzfilmfestival einem breiten Publikum. (Bild: pd)

Die Welt der Behinderung zeigt das Kino Rosental am Kurzfilmfestival einem breiten Publikum. (Bild: pd)

HEIDEN. Eine fast leere Imbissstube in den frühen Morgenstunden. Ein junger Mann im Pyjama betritt das Lokal. Er ist stark zerebral gelähmt und wird herablassend behandelt. Das ändert sich rasch und auf ungewöhnliche Art. Oder: Tony ist ein gehörloser Teenager. Er mag nicht mehr zur Schule gehen und will auch keinen Job. Sein Traum ist es, Rapper zu werden. Die Jugendlichen aus der Nachbarschaft hänseln ihn. Doch in seiner Phantasie ist Tony «Ice Finger», der gehörlose Rapper. Während alle über seine Ambitionen lachen, macht er ernst.

Internationales Filmfestival

So spielen zwei von insgesamt elf Kurzfilmen zwischen 3 und 35 Minuten Länge, die das Kino Rosental am Freitag, 29. April, in zwei spielfilmlangen Blöcken zeigt. «The Egg» stammt vom Briten Richard Wilson. Der Autor von «DEF», des Films über den gehörlosen Rapper, ist Ian Clark, ebenfalls ein Engländer. Beide Filme stammen aus dem Angebot von «Look & Roll», ein internationales Kurzfilmfestival, das Procap seit 2006 organisiert. Procap ist die grösste Behinderten-Selbsthilfeorganisation der Schweiz. Das Festival will alle zwei Jahre den Alltag und die Anliegen von Menschen mit Behinderung auf beispielhafte Weise zeigen.

In der Jury, die das jeweilige Programm aus dem internationalen Angebot zusammenstellt, wirken für den Schweizer Film so namhafte Persönlichkeiten wie Fredi Murer, Stina Werenfels oder Alex Oberholzer mit. Oberholzer ist Film- und Fernsehredaktor für Radio 24 und bestreitet mit Wolfram Knorr den Movie Talk auf StarTV. Er ist selbst ein Betroffener und wird am Themenabend im «Rosental» anwesend sein und den Anlass moderieren.

Version für Sinnesbehinderte

Gezeigt wird eine Art «Best of» aus dem Angebot der Ausgabe 2010 von «Look & Roll». «Wir wollen die vielfältige Welt der Behinderung einem breiten Publikum auf sachliche, aber auch spannende Weise zeigen», sagt Hannes Friedli, Präsident der Genossenschaft Kino Rosental, der den Abend mitorganisiert. Selbstverständlich ist, dass die Filme in einer Version für Sinnesbehinderte gezeigt werden. Blinde und Sehbehinderte können die Auswahl durch eine auf Kopfhörer übertragene Audiodeskription mitverfolgen. Für Gehörlose sind alle Filme mit Untertiteln versehen. Die Moderationen werden in Gebärdensprache übersetzt.

Mit Respekt

«<Look & Roll> bringt Beiträge jenseits gängiger Klischees, ohne Mitleid, vorurteilsfrei und mit Respekt», beschreiben die Initianten. Das Kino Rosental wolle mit dem Festival Menschen mit Behinderung, ihren Angehörigen sowie Fachleuten, die beruflich mit Personen mit Handicap arbeiten, ein Filmvergnügen bieten, sagen die Betreiber. Die Organisatoren empfehlen eine Reservation.

Look & Roll, Behinderung im Kurzfilm, Kino Rosental, Heiden, Freitag, 29. April, 17.15 und 20.15 Uhr, Tel. 071 891 36 36, info@kino-heiden.ch; www.lookandroll.ch