Ohne «Biss» geht es nicht

In Lömmenschwil gibt es gleich zwei Restaurants, die von Gault-Millau ausgezeichnet wurden. Werner Nöckl vom «Ruggisberg» fühlt sich in seiner Arbeit bestätigt, kocht aber aus einem anderen Grund.

Angelina Donati
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Werner Nöckl kreiert ein Dessert mit Zwetschgen, gepflückt aus dem grossen Umschwung des Restaurants Ruggisberg. (Bild: Ralph Ribi)

Werner Nöckl kreiert ein Dessert mit Zwetschgen, gepflückt aus dem grossen Umschwung des Restaurants Ruggisberg. (Bild: Ralph Ribi)

So abgelegen das Restaurant Ruggisberg in Lömmenschwil auch liegt: Bekannt ist es nicht nur in der Region, sondern in weiten Teilen der Schweiz. Das hat nebst der Mund-zu-Mund-Propaganda auch mit der gastronomischen Auszeichnung zu tun. Barbara und Werner Nöckl, die hier seit 15 Jahren wirten, haben von Beginn weg jedes Jahr aufs Neue 15 Gault-Millau-Punkte erreicht. Eine Ehre für Meisterkoch Werner Nöckl. Bereits zuvor sei seine Arbeit in anderen Lokalen während 20 Jahren stets mit 14 Punkten ausgezeichnet worden.

Damit lastet auch ein Druck auf den Köchen und dem ganzen Team. «Den Druck mache ich mir aber auch selber. Schliesslich will ich konstant gute Leistungen erbringen.» Er gebe den Gästen zuliebe sein Bestes, nicht der Punkte wegen. «Die Bewertung aber bestätigt mich in meiner Arbeit, was mich natürlich stolz macht.» Trotz Druck und Ehrgeiz: Ohne Freude gehe es nicht. Nebst den Punkten sei der kurze Beschrieb im Gourmetführer fast noch aussagekräftiger. Unabhängig von der Punktezahl würden sich Gäste eben eher für ein Restaurant entscheiden, das gut abschneidet, als für eines mit einem überraschend schlechtem Urteil. Dass sich Gäste von den Bewertungen leiten lassen, stellt das Ehepaar Nöckl immer wieder fest. Viele erscheinen im ehemaligen Hofgut mit dem Gault-Millau-Buch oder erkundigen sich nach Gerichten, die der Experte ein paar Monate zuvor verspeiste. Ebenso bedeutend sei auch der Guide Michelin, sagen Barbara und Werner Nöckl. Dort werden Restaurants, die über ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis verfügen, vorgestellt. Auch das «Ruggisberg» sei als eines von wenigen Restaurants mit der Auszeichnung Bib Gourmand aus der Ostschweiz erwähnt.

Ostschweiz wird zu Unrecht unterschätzt

In Lömmenschwil kommen Feinschmecker gleich doppelt auf die Kosten. Denn auch das Restaurant Neue Blumenau mit Chefköchin Bernadette Lisibach wurde mit 16 Punkten im soeben erschienenen Gault-Millau-Fürer ausgezeichnet. Ausserdem wurde Bernadette Lisibach 2015 zur «Köchin des Jahres» erkoren. Über den Erfolg der hiesigen Restaurants freut sich der Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring. «Diese Auszeichnung unterstreicht, wie hervorragend gekocht wird. Auch bestechen beide Restaurants durch ihre speziellen und schönen Räume.» Zahlreiche andere Restaurants in der Region konnten die begehrten Punkte (Tagblatt vom 11. Oktober) ebenfalls absahnen. Das überrascht Walter Tobler, Kantonalpräsident Gastro St. Gallen, nicht, wie er auf Anfrage sagt. «Die Ostschweiz wird generell unterschätzt. Zu Unrecht. Denn hier gab es immer schon Flaggschiffe.» Auch Tobler spricht vom hohen Druck, dem die Spitzenköche ausgesetzt seien. Nebst dem nötigen «Biss» brauche es auch zwingend Freude und Begeisterung.