Ohne Ausländer kein Wohlstand

Die Zahl der Einwohner in der Stadt St. Gallen nimmt zu. Das erwünschte sanfte Wachstum ist der Zuwanderung von Ausländern zu verdanken. Aber nicht nur: Generell beschwingt die Migration das St. Galler Stadtleben.

Fredi Kurth
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Unterschiedliche Bühnen: Doch das Baugewerbe ist ebenso wie das Stadttheater auf Ausländer angewiesen. (Bild: Coralie Wenger)

Unterschiedliche Bühnen: Doch das Baugewerbe ist ebenso wie das Stadttheater auf Ausländer angewiesen. (Bild: Coralie Wenger)

Ausländer werden hierzulande immer wieder mit Kriminalität und Überfremdung in Verbindung gebracht. Dabei wird oft übersehen, dass die grosse Mehrheit der Migranten zum wirtschaftlichen Wohlstand beiträgt. Wie aber wirkt sich die Zuwanderung auf die wirtschaftliche Entwicklung in St. Gallen aus? In diesem Wahlkreis sind rund 20 Prozent der Berufstätigen Ausländer. Deren Anteil liegt somit leicht unter dem kantonalen Schnitt von 23 Prozent. Zum Vergleich: Im Wahlkreis Rorschach liegt er bei 30 Prozent.

«Wir gewinnen Zeit»

Detaillierte Zahlen zu den einzelnen Branchen in der Stadt sind kaum erhältlich. Für Katja Meierhans vom Amt für Gesellschaftsfragen ist der Nutzen ausländischer Arbeitskräfte jedoch unbestritten, vor allem angesichts der Personalknappheit zum Beispiel in Pflegeberufen: «Es kommen ja aus andern Ländern primär Erwerbstätige zu uns.» Der positive Effekt sei, dass wir Zeit gewinnen, sagt Meierhans. Das ist zum Beispiel bei der AHV der Fall, auch wenn es vor ungefähr zwei Jahren nur eine Randnotiz war, dass dank der Migranten die Finanzierung der Altersrente noch rund 20 Jahre gesichert sei. Zuvor hatte man den Eindruck, der Kollaps stünde schon bald bevor.

Aufschlussreich sind auch Auskünfte einzelner Betriebe, so jene der Bauunternehmung Bärlocher: Von den 50 Mitarbeitern sind 19 Schweizer, die andern sind Ausländer mit C- oder B-Bewilligung.

Im Bereich der hochqualifizierten Arbeitskräfte am Kantonsspital stammen rund 50 Prozent der Ärzte, Physiotherapeuten und so weiter aus dem Ausland, vorwiegend aus dem deutschsprachigen Raum. Während das ausländische Personal den besseren Verdienst schätzt, ist der Kanton als Arbeitgeber froh, das Manko fehlender Ausbildungsplätze in der Schweiz auf diese Art wettzumachen. Auch Gastgewerbe und Textilindustrie stünden auf verlorenem Posten, ohne Beistand von jenseits der Grenze.

Viele sind eingebürgert

Im Altersheim Notkerianum sind von 94 Angestellten nur zehn ausländischer Nationalität. Was hier zunächst überrascht, wird erklärt durch die Schwierigkeit bei der Erhebung: Auch bei den als Schweizer registrierten Arbeitskräften sind viele eingebürgert, vielleicht sind die Eltern einst eingewandert. Deshalb ist die exakte Höhe des auf Migration basierenden Nutzens kaum messbar. Augenfällig ist der Wert aber auch in Sport und Kultur. So setzt sich das Kader des FC St. Gallen aus 13 Ausländern, 8 Schweizern und 4 Doppelbürgern zusammen.

Von rund 250 Festangestellten bei Konzert und Theater St. Gallen (inklusive Orchester) haben gut die Hälfte ausländischen Hintergrund. Nicht weniger als 38 Nationen sind vertreten. «Ein gutes Beispiel für internationale Zusammensetzung ist das Musical Moses», sagt die Medienverantwortliche Diana von Ow. Bei den Proben wird fast ausschliesslich Englisch gesprochen, und im Leitungsteam figurieren so bekannte Leute wie Michael Reed, Robert Paul oder Martin Duncan.

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