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Ohne amtliche Publikation wird der Tod unsichtbar

«Verzicht auf amtliche Todesanzeigen wird Politikum», Ausgabe vom 22. Januar.
Lisa Tralci-Eberhard

Hohe Kosten oder fehlende Angehörige können dazu führen, dass bei einem Todesfall keine Anzeige im Inserateteil einer Zeitung erscheint. Die St. Galler Stadtverwaltung verzichtet neu auf die Publikation amtlicher Todesanzeigen. Dieser Entscheid führt unter anderem dazu, dass Menschen, welche ohne grosses soziales Netz durchs Leben gingen, einen unsichtbaren Tod sterben. Ohne Publikation erfahren Bekannte, ehemalige Nachbarn, Arbeitskollegen oder entfernte Verwandte oft nicht, dass jemand gestorben ist und für wann allenfalls eine Abdankung geplant ist. Auch Verstorbene, welche sich nicht auf der Sonnenseite des Lebens bewegten, haben ein Anrecht auf einen würdigen Abschied samt Teilhabe von Menschen, welche mit ihnen bekannt waren. Der Verzicht auf die Publikation amtlicher Todesanzeigen nimmt gerade der älteren Generation die Möglichkeit, der Trauer durch ein Zeichen Ausdruck zu verleihen. Wir beklagen soziale Isolation und Einsamkeit und verhindern durch eine fragwürdige Neuregelung, dass Menschen ihre Mitmenschlichkeit zeigen können. Die Diskussion rund um den Datenschutz erscheint mir angesichts des zunehmend gläsernen Menschen in dem Fall eine Farce.

Lisa Tralci-Eberhard

Rütiwies 1747, 9053 Teufen

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