ÖV-Tunnel in der Spangen-Zange

Für den öffentlichen Verkehr (öV) wäre die Südspange die beste Lösung für die Beseitigung von Engpässen auf der A1. Der ÖV-Tunnel zwischen Kreuzbleiche und Bahnhof wäre nicht nötig. Aber was ist, wenn der Bund eine andere Spange will?

Daniel Klingenberg
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St. Leonhard: Ein Nadelöhr für Autos und Busse. (Bild: Michel Canonica)

St. Leonhard: Ein Nadelöhr für Autos und Busse. (Bild: Michel Canonica)

Der Bund lässt derzeit vier Varianten zur Entlastung der Autobahn A1 prüfen (Tagblatt vom 2. April). Neben der guten alten Südspange stehen auch Lösungen wie ein Bypass für den Durchgangsverkehr oder eine kürzere Spange zur Diskussion. Ziel des Bundesamtes für Strassen (Astra) ist: mit einem möglichst guten Kosten-Nutzen-Verhältnis den Engpass auf der A1 beseitigen. Was aus dem Blickwinkel der Stadt zu kurz greifen muss. Denn für die chronisch überlastete Achse zwischen Stahl und Hauptbahnhof braucht es für einen leistungsfähigen öV mit Eigentrassierung mittelfristig eine neue Lösung.

Löst Bund nur «sein» Problem?

Und hier beginnt das Problem: Von den vier Varianten kann nur mit der Südspange auch dieses ÖV-Problem gelöst werden. Dies stellt Christian Hasler vom städtischen Tiefbauamt fest. Wählt der Bund aber eine andere Milliardenlösung, hat er zwar «seinen» Engpass beseitigt – das ÖV-Problem zwischen Stahl und Hauptbahnhof braucht aber eine andere teure Lösung. Dass aber der Bund für zwei St. Galler Verkehrsprojekte namhafte Gelder spricht, ist vermutlich Wunschdenken.

Eine Lösung des ÖV-Problems bei der Bahnhofzufahrt von Westen hat die Stadt bereits selber angedacht: ein Bus-Tunnel zwischen Kreuzbleiche und Bahnhof. Sie hat auch bereits die Machbarkeit abgeklärt (siehe Kasten). Dabei wird nach Auskunft von Christian Hasler mit Kosten in der Grössenordnung von 200 Millionen Franken zu rechnen sein. ÖV-Korridor wäre damit dann die Fürstenland- statt der Zürcher Strasse.

Der Fahrplan dieses Projekts liegt deutlich hinter demjenigen des Astra zurück. Derzeit werden Kosten-Nutzen- und weitere Abklärungen getroffen. Dann werde der Stadtrat «im Laufe des Jahres detailliert informiert», sagt Christian Hasler. Aber auch wenn man bauen will: Mit der Finanzierung steht man dann ganz am Anfang.

2013: Jahr der Entscheidung

Anders bei der Autobahn: In einer nächsten Tranche entscheidet das nationale Parlament ab 2013 über die Vergabe von 4,2 Milliarden. Mit dabei ist auch ein Projekt für St. Gallen. Welche der vier Varianten zum Zug kommen soll, entscheidet sich nach Auskunft des Astra bis Ende Jahr. Damit gibt der Entscheid für die Engpassbeseitigung die Marschrichtung für den ÖV-Tunnel vor.

Denkbar sind drei Szenarien. Die beste Lösung für den St. Galler öV wäre die von Kanton und Stadt fertig ausgearbeitete Südspange. Denn sie würde die Brücke St. Leonhard – über die täglich 27 000 Autos und über 900 Busse fahren – entscheidend entlasten. «Dann wäre der ÖV-Tunnel nicht notwendig», sagt Hasler. Die unterirdische Entlastungsstrasse würde vom A1-Sitterviadukt dem südlichen Hügelzug der Stadt entlang im Neudorf zur A1 führen. Geplant sind zudem verschiedene Ausfahrten ins Stadtgebiet.

Schlecht wäre für den öV, wenn das nationale Parlament einer der anderen drei Lösungen den Vorzug gäbe. Denn damit würde sich auf der Strecke zwischen dem Knoten Stahl und Hauptbahnhof wenig ändern. Der öV würde in Stosszeiten ähnlich steckenbleiben wie heute. Weil aber in diesem Fall vom Bund bereits Milliardengelder für St. Gallen gesprochen worden wären, dürfte es schwieriger sein, für den ÖV-Tunnel Gelder lockerzumachen. Die Finanzierung würde stark an der Stadt hängenbleiben, die Realisierung sich wohl verzögern.

Südspange: Politischer Druck

Dann gibt es noch das Szenario, dass St. Gallen bei der Vergabe 2013 aus den Traktanden fällt und sich die A1-Engpass-Lösung weiter verzögert. Denn wird diese auf die lange Bank geschoben, dürften alternative Lösungen wie der verhältnismässig günstige ÖV-Tunnel wieder auf die politische Agenda rücken.

Das haben auch schon Kantonsräte gemerkt, welche die Südspange wollen. In einem Vorstoss forderten sie Ende 2009, dass die Regierung Druck auf Bern machen solle, die Südspange anzugehen. Dies auch vor dem Hintergrund der damals publik gewordenen ÖV-Tunnel-Pläne der Stadt.

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