Ökostrom aus Gülle und Abfall

Landwirt Ruedi Daepp und das Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau (EKT) spannen zusammen: Im Morgental nahe der Grenze zu Steinach ist eine Biogasanlage geplant.

Max Eichenberger
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Im Morgenthal, hinter diesem Überlaufbecken nahe den Gewerbebetrieben in der Landwirtschaftszone, ist die Biogasanlage geplant. (Bild: Max Eichenberger)

Im Morgenthal, hinter diesem Überlaufbecken nahe den Gewerbebetrieben in der Landwirtschaftszone, ist die Biogasanlage geplant. (Bild: Max Eichenberger)

arbon/Steinach. Der Hof von Ruedi Daepp in der Bleiche gehört zu den wenigen verbliebenen Landwirtschaftsbetrieben in der industrialisierten, nicht eben flächengrossen Gemeinde. Gut 4000 Aren Kulturland bewirtschaftet Bauer Daepp, davon knapp die Hälfte in Pacht. Neben Ackerbau betreibt er Milchwirtschaft. Er hält 36 Kühe, will diesen Bestand künftig aber noch ausbauen.

Ins EKT-Netz als Ökostrom

Und wenn es nach Ruedi Daepp geht, sollte aus der daraus resultierenden Gülle, versetzt mit organischem Abfall, eigentlich schon lange Strom produziert werden. Über das beim Vergärungsprozess entstehende Methangas. Mit dem Elektrizitätswerk des Kantons Thurgau (EKT) als Partner, das den Ökostrom übernimmt und ins Netz einspeist. Damit will das EKT zeigen, so Projektleiter Philipp Lenhard, dass es bei der erneuerbaren Energie bei den Leuten ist. Erste Abklärungen für den Bau einer Biogasanlage liefen vor mittlerweile fünf Jahren an.

Jetzt steht das Projekt vor dem Durchbruch. In den «Weierwies», in der Landwirtschaftszone in der Nähe des Autobahnzubringes Arbon Süd, stehen die Visiere. Die höheren Stangen, die aus der Ebene des Morgentals emporragen, neben dem Rückhaltebecken an der Kupferwiesenstrasse, geben die Grössenordnung der zwei geplanten Gärguttanks wider. Ursprünglich wollte Daepp den bestehenden Kompostierplatz beim Hof ausbauen. Eine Bewilligung dafür hatte er zwar bereits. Anstösser reichten dann jedoch Rekurs ein. Daraufhin wurde nach einem neuen Standort gesucht. Ganz im Süden des Landwirtschaftsareals, angrenzend an die Gewerbezone (Holzhandlung Banderet) ist jetzt die Realisierung geplant – im zweiten Anlauf.

Gülle über eine Leitung

Den Weg dorthin nimmt die Jauche über eine vom Stall her zu legende Leitung. Das Projekt liegt jetzt zum zweiten Mal auf. «Weil eine Vorschüttung hinfällig wird, müssen die Pläne den technischen Vorgaben entsprechen», begründet Bruno Grimm von der Abteilung Bau. Die gegenüber den ursprünglichen Plänen entstandene Verzögerung hat auch Gutes. Statt nur den Kompostierplatz beim Bauernhof auszubauen, kann nun auch eine Biogasanlage erstellt werden, wenn das Vorhaben die Bewilligungshürden genommen hat.

Das Projekt hat Ruedi Daepp mit dem Spezialisten von «Genesys Biogas» entwickelt. Neben eigener Gülle sollen in der Anlage auch Hofdünger anderer Betriebe aus der Region sowie organische Abfälle vergärt werden: unter anderem Rüstabfälle, Brennereischlempe der Mosterei Möhl, ausserdem Rasenschnitt. Auch ein Teil des Grünguts soll in der Anlage vor der Kompostierung energetisch genutzt werden. Die Idee ist, mit dem gewonnen Ökostrom umliegende Gewerbebetriebe im Morgental zu beliefern.