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ÖKOBILANZ: Umweltmanagement gemäss Bibel

Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Tablat will das Umweltlabel «Grüner Güggel» erhalten. Dazu muss sie den Energieverbrauch senken. Bald könnte es in den Kirchen kälter werden.
Matthias Fässler
Um die Biodiversität zu erhalten, werden die Wiesen rund um die Kirche im Grossacker seltener gemäht. (Bild: Ralph Ribi (21. Oktober 2015))

Um die Biodiversität zu erhalten, werden die Wiesen rund um die Kirche im Grossacker seltener gemäht. (Bild: Ralph Ribi (21. Oktober 2015))

Matthias Fässler

matthias.faessler@tagblatt.ch

Auf den ersten Blick mag der unternehmerische Jargon nicht so recht zur Kirche passen. Die Kirchgemeinde Tablat hat, wie sie jüngst vermeldete, einem Zertifizierungsprozess zum «Grünen Güggel» zugestimmt, einem «Umweltmanagementsystem für Kirchgemeinden». Eine, die diesen scheinbaren Widerspruch in einem einfachen Satz aufzulösen vermag, ist die Projektleiterin Waltraud Kugler. Sie sagt: «Auch die Kirche ist ein Unternehmen.»

Mit der Bewerbung für den «Grünen Güggel» vollzog die Kirchgemeinde Tablat etwas, was in Zeiten von Ökostrom, LED-Lampen und Mehrwegbecher längst überfällig war. «Wir haben das Thema nicht weniger verschlafen als die Gesellschaft», sagt Kugler. Mit dem Umweltlabel spann das Tablat einen Faden aus den 1980er-Jahren weiter. Damals, 1986, war die Kirchgemeinde Gründungsmitglied des Vereins «oeku Kirche und Umwelt», der das Thema der ökologischen Verantwortung erstmals schweizweit aufgriff. Die ökumenische Kirche Halden sei gar schweizweit die erste Kirche mit Fotovoltaikdach gewesen, erzählt Kugler stolz. In der Zwischenzeit sei die Umweltbewegung innerhalb der Kirche jedoch wieder etwas eingeschlafen, sagt Kugler. Umso energischer strebt man nun das Label «Grüner Güggel» an und will wieder zu den Pionieren gehören. Seit 2015 haben schweizweit 16 kirchliche Institutionen – reformierte wie katholische – das Zertifikat erhalten, darunter sieben aus dem Kanton Thurgau. Im Kanton St. Gallen wäre das Tablat die erste Kirchgemeinde, die mit dem Label ausgezeichnet würde.

Mit dem Zertifizierungsprozess, der Ende letzten Jahres in Gang gesetzt wurde, hat sich die Kirchgemeinde viel Arbeit aufgeladen, die hauptsächlich von Freiwilligen gestemmt wird. Auf die Planungs- und Beschlussphase folgt die Bildung eines hausinternen Umweltteams, das ein Umweltprogramm zusammenstellt und Vorschläge zur konkreten Umsetzung liefert. In einem letzten Schritt wird das Umweltprogramm einer externen Prüfung und Zertifizierung unterzogen. Kugler hofft, dass bereits im März der Zertifizierungsgottesdienst stattfinden kann.

«Man kann nicht alles kaputt machen»

Gerade die Kirche habe eine Verantwortung gegenüber der Natur, sagt die zur kirchlichen Umweltberaterin ausgebildete Waltraud Kugler. Und sie hat sogleich einen Bibelvers zur Hand: «Und Gott der Herr nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaue und bewahre.» Kugler sagt: «Man kann nicht alles kaputt machen, das funktioniert nicht.» Sie verweist auf die zweite Enzyklika von Papst Franziskus. «Klimawandel oder Biodiversität sind Themen, denen sich die Kirche nicht verschliessen kann», sagt Kugler.

Die ersten Massnahmen zur Umsetzung des «Grünen Güggels» sind bereits geplant. Das bedeute auch, auf Komfort zu verzichten, sagt Kugler. So spare man rund sieben bis zehn Prozent Energie, wenn man die Raumtemperatur um einen Grad senke. «Man muss sich dann daran gewöhnen, dass es in den Kirchen ein Grad kälter wird.» Dazu werden die Wiesen, wie beispielsweise im Grossacker, nicht mehr so stark gemäht, um die Biodiversität zu erhalten. Anderenorts solle auf Einweggeschirr verzichtet oder Fairtrade-Produkte gekauft werden.

Die Investitionen sollen sich längerfristig nicht nur finanziell auszahlen. Kugler hofft, dass die Umweltarbeit auch dazu führt, dass sich neue Gemeindemitglieder in den Kirchen engagieren. «Es bringt nichts, die guten Vorsätze nur von der Kanzel zu predigen. Sie müssen auch gelebt werden.»

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