Öffentliches Zetern soll Früchte tragen

Seit einem Jahr werden am Gübsensee mit einer Kritzel-Box Rückmeldungen aus der Bevölkerung geholt. Diese wurden gesammelt und ausgewertet. Für die Umsetzung ist nun die Stadt gefragt.

Kathrin Reimann
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Wer sich am Gübsensee an etwas stört, kann sein Anliegen vor Ort auf der Kritzel-Box einritzen. (Bild: PD)

Wer sich am Gübsensee an etwas stört, kann sein Anliegen vor Ort auf der Kritzel-Box einritzen. (Bild: PD)

Eine Dusche, eine Schaukel, Pedalos, ein Kiosk, ein Leuchtturm oder einen Badehosenverleih –all diese Wünsche wurden via Kritzzel-Box am Gübsensee publik gemacht. Andere bedankten sich für die Aufwertung, welche im vergangenen Jahr vorgenommen wurde und den Platz familientauglicher machte. Andere wollten wissen, wann «die hässliche rosarote Box» denn endlich wegkomme.

Interessenkonflikte im Naherholungsgebiet

Hinter der Box, die jedem Besucher des Naherholungsgebietes die Möglichkeit gibt, sich öffentlich zu äussern, steckt das Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen. Involviert waren auch die Ortsbürgergemeinde Straubenzell, das Jugendsekretariat der Stadt sowie die Eigentümerin des Gebietes, die SAK. Für die Auswertung der Rückmeldungen auf der Box wie auch auf dem parallel dazu aufgeschalteten Blog war eine Studierendengruppe der FHS St. Gallen, Fachbereich Soziale Arbeit, zuständig. «Die Idee war, anstatt eine Verbotstafel aufzustellen, gemeinsam mit Nutzern und Anwohnern ein Konzept zu erarbeiten», sagt Sabina Ruff vom kantonalen Gesundheitsdepartement. Denn am Gübsensee treffen mit Familien, Sportlern, Fischern, Hündelern, Jugendlichen, Feiernden oder Ruhesuchenden eine grosse Anzahl Bedürfnisse aufeinander. Gemäss Erkenntnissen aus der Auswertung liegt Handlungsbedarf bei mehr Bänke. «Fischer belegen einen Teil der Sitzgelegenheiten permanent», sagt Ruff. Ebenso wurde mehrmals gemeldet, dass das Holz, welches die Freunde des Gübsensees gratis zur Verfügung stellen, grundlos verbrannt wird. «So stehen einige immer vor leeren Holzbehältern.» Ruff könnte sich vorstellen, dass man eine Art Automaten aufstellt, bei dem man zu einem günstigen Tarif Holz beziehen kann. «Das sollte Einzelne davon abhalten, Holz grundlos abzubrennen.» Ausserdem ist der Auswertung zu entnehmen, dass Menschen, die den Platz in der Nacht nutzen, lärmen und einen unsauberen Platz hinterlassen. Autofahrer würden zudem das Fahr- und Parkierverbot missachten und zu schnell unterwegs sein. Eine Förderung des Langsamverkehrs ist also auch Thema. Der Wunsch nach Abfalltrennungsmöglichkeiten und generell nach mehr Abfallkübeln wurde ebenfalls geäussert.

Stadt muss sich an die Umsetzung machen

Noch bis Ende Oktober können Wünsche und Anregungen auf der Kritzel-Box hinterlassen werden. «Wir sind begeistert vom Projekt und mussten die Box zweimal neu streichen lassen, um Platz für neue Meldungen zu schaffen», sagt Ruff. Für die Umsetzung der Erkenntnisse ist nun aber die Stadt gefordert. «Wir haben eine Anfrage an die Bau- und Planungs-Direktorin Patricia Adam gesendet. Wir selbst können aber nichts machen», sagt Ruff, die zuversichtlich ist, dass das Projekt bald konkrete Resultate bringen wird.