Öffentlicher Raum Bestandteil aller

Lauschige Sommer, wie der in den vergangenen Wochen, locken immer viel Volk ins Freie. Dies führt automatisch auch zu wiederkehrenden Diskussionen, wie denn der Aufenthalt auf öffentlichem Raum geregelt sein soll.

Res Lerch
Drucken
Teilen
Die Regionalkonferenz Ost des Fachverbands Sucht widmete sich auch dem Thema «Umgang mit Suchtmitteln im öffentlichen Raum». (Bild: Res Lerch)

Die Regionalkonferenz Ost des Fachverbands Sucht widmete sich auch dem Thema «Umgang mit Suchtmitteln im öffentlichen Raum». (Bild: Res Lerch)

RORSCHACH. In Rorschach fand die Jahresversammlung der Regionalkonferenz Ost des Fachverbands Sucht statt. Die Sucht, respektive der Umgang mit Suchtmitteln im öffentlichen Raum, war das Thema. Und Referent Alexander Bücheli, der als Berater in Präventions- und Schadensminderungsfragen tätig ist, brachte es auch gleich auf den Punkt: «Der öffentliche Raum erfüllt wichtige integrative und kommunikative Aufgaben im städtischen Leben. Er muss dabei seiner Funktion als Ort der Begegnung, des Verweilens und des Kommunizierens gerecht werden. Zudem ist vor allem bei uns in der Schweiz eine sogenannte <Mediterranisierung> des Ausgang-Verhaltens auszumachen.»

Wichtig für Jugendliche

Aus seinem Referat war zu entnehmen, dass der öffentliche Raum ein wichtiger Sozialraum von und für Jugendliche ist. «Dieser Sozialraum ermöglicht soziale Interaktion und Kontakte ausserhalb von Elternhaus und Schule und bietet eine gewisse Form von Selbstbestimmung. Gerade im Alter zwischen 14 und 18 Jahren handelt es sich aber auch um einen Party-Ort, an dem Musik gehört wird und auch erste Kontakte mit psychoaktiven Substanzen gemacht wird. So gesehen ist der öffentliche Raum ein Teil der jugendlichen Lebenswelt», so Bücheli.

Ende der 90er-Jahre hatte die offene Drogenszene in der Schweiz den öffentlichen Raum belastet. Damals konnte man regelmässig Spritzen und andere Utensilien des Konsums in öffentlichen Parkanlagen wie dem Platzspitz in Zürich vorfinden. Dazu kam die Kleinkriminalität und Diebstahl und Raub waren im Umfeld der offenen Drogenszene keine Seltenheit.

Von einer Minderheit besetzt

«Der öffentliche Raum geriet stark unter Druck, da er in der Vorstellung einer Mehrheit von einer Minderheit besetzt wurde», erinnert sich Bücheli. Der öffentliche Raum ist Bestandteil der Lebenswelt aller Menschen. Dies führt zu Nutzungskonflikten, meistens in Bezug auf Party versus Ruhe und ersichtlichem Konsum von psychoaktiven Substanzen versus Abstinenz. «Treten mehrere Ebenen unerwünschten Verhaltens konzentriert in einem Sozialraum auf, kann dies das subjektive Sicherheitsgefühl negativ beeinflussen. Und um sich abzeichnende Konflikte zu vermeiden, braucht es Regeln. Diese werden vom Staat definiert, allerdings ohne Einbezug der Nutzer», weiss der Referent. Der Fachmann in Präventions- und Schadensminderungsfragen setzte sich dafür ein, dass sich Fachleute im Bereich Sucht lebensweltorientiert zeigen.

Lebensweltorientiert sein

«Abhängiger Konsum, wie in den 90er-Jahren ist im öffentlichen Raum nicht mehr ersichtlich. Psychoaktive Substanzen werden auch ohne Parties konsumiert», sagte Bücheli, «aber im Nachtleben ist der Konsum ersichtlich. Es handelt sich um eine Lebenswelt junger Menschen. Wie früher stimulieren Feiern Bedürfnisse, und die Nacht war und ist attraktiv für Grenzerfahrungen. Deshalb macht es Sinn, im öffentlichen Raum präventiv und schadensmindernd aktiv zu sein.»

Alexander Bücheli Berater in Präventions- und Schadenminderungsfragen (Bild: res)

Alexander Bücheli Berater in Präventions- und Schadenminderungsfragen (Bild: res)