ÖFFENTLICHER BAU: Wer die Millionenaufträge erhält

Wer öffentliche Aufträge erhält, zeigt die FDP Rorschacherberg am Beispiel des bald fertigen Schulgebäudes Wildenstein. Ein Aufruf an die Gemeinde: Mehr gewichten, ob Anbieter junge Leute ausbilden.

Fritz Bichsel
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FDP-Mitglieder sehen, wer das Schulgebäude Wildenstein für gegen fünf Millionen Franken planen und bauen darf. (Bild: Fritz Bichsel)

FDP-Mitglieder sehen, wer das Schulgebäude Wildenstein für gegen fünf Millionen Franken planen und bauen darf. (Bild: Fritz Bichsel)

Fritz Bichsel

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Im Kanton wird gestritten um Holzfenster für den Neubau des Landwirtschaftlichen Zentrums Salez. Die Regierung vergab den Auftrag aufgrund der Kriterien nach Deutschland. In Kanton und Bund gibt es Bestrebungen, die Richtlinien für öffentliche Beschaffungen zu ändern.

Wie laufen diese in der Gemeinde ab? Damit befasst sich die FDP Rorschacherberg an ihrer Jahresversammlung am Beispiel des neuen Schulgebäudes mit Kindergarten bei der Schulanlage Wildenstein. Die Juristin Franziska Ammann erläutert die Vorschriften des Kantons, abgestuft nach Betrag von freihändiger Vergabe kleiner Aufträge bis zum offenen Verfahren für alle Anbieter sowie internationaler Ausschreibung von Grossprojekten. Gemeindepräsident Beat Hirs zeigt, dass für das Schulgebäude bereits die Planung offen ausgeschrieben werden musste. «Unter 90 Teilnehmern von Spanien bis Schottland gewann ein Schweizer Büro in Basel.» Die Fenster mussten hier ausserhalb der Region vergeben werden, der Sieger liefert sie aber von einer Schreinerei in Rorschach. Die Baumeisterarbeiten erhielt ein Einheimischer. «Nicht deshalb», erklärt Beat Hirs, «sondern weil er das wirtschaftlichste Angebot machte.» Das ist nicht die Offerte mit dem tiefsten Preis, sondern jene, die auch bei Erfüllung von Kriterien wie Umwelt oder Ausbildung günstig ist. Unternehmer rufen den Gemeinderat auf, Ausbildung stärker zu gewichten. «Sonst können sich Betriebe Lehrstellen nicht mehr leisten.» Der Vorteil der Beschaffungsregeln zeigt sich daran, dass die Aufträge um 0,5 Mio. Franken unter dem Kredit von 4,8 Mio. vergeben werden konnten.

Die FDP-Mitglieder erhalten Einblick in ein weiteres Merkmal dieses Projekts: Schulen benötigen für weniger Schüler mehr Raum aufgrund neuer Aufgaben, Angebote und Unterrichtszeiten. Schulleiter Hansueli Rick zeigt, wie hier ein Lernatelier entsteht – das erste in Rorschacherberg. Diesem werden weitere folgen in den anderen Schulkreisen.

Zwei neue Leute im Parteivorstand

Bei den Jahresgeschäften zieht FDP-Präsident Roland Vogel fast durchwegs positiv Bilanz. Mit dem an einem öffentlichen Anlass lancierten Thema Raumplanung und Bautätigkeit in Rorschacherberg befasse sich die Partei weiter. Bei den Gemeindewahlen sei sie sehr erfolgreich ­gewesen – mit einer Ausnahme: Anstelle des von den FDP-Mitgliedern nominierten, neuen Kandidaten wählten die Bürger den bisherigen FDP-Gemeinderat. Aus dem Vorstand treten zwei Leute zurück wegen beruflicher Veränderung: Silvia Keller, die nun oft auswärts arbeitet, und Patrick Vogler, der operativer Leiter des Grand Resorts Rad Ragaz wird. Diese beiden Sitze konnten die Mitglieder neu besetzen mit Franziska Ammann, Teilhaberin eines Anwaltsbüros, und Karin Fischer, Erwachsenenbildnerin und Inhaberin eines Modeateliers. Die weiteren Vorstandsmitglieder, auch Roland Vogel als Präsident und Boris Reichardt als Vizepräsident, bestätigen sie für die neue Amtsperiode.

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