Odyssee mit Happy End

UNTEREGGEN. Zwei Katzen aus Untereggen sind als blinde Passagiere in einem Auto mitgefahren. Sie nahmen nicht etwa auf dem Rücksitz Platz, sondern versteckten sich unter der Motorhaube. Der Ausflug führte über die Autobahn bis nach Herisau.

Valentin Schneeberger
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Ruth und Ruedi Geisser sind froh, dass ihre Katzen Ayuna (Bild) und Nala das Abenteuer im schwarzen Renault Clio unverletzt überstanden haben. (Bild: Valentin Schneeberger)

Ruth und Ruedi Geisser sind froh, dass ihre Katzen Ayuna (Bild) und Nala das Abenteuer im schwarzen Renault Clio unverletzt überstanden haben. (Bild: Valentin Schneeberger)

Sie sind neugierig, verspielt und entdecken die Welt auf leisen Sohlen: Nala und Ayuna, die zwei neun Wochen alten Kätzchen der Familie Geisser aus Untereggen, verhalten sich so, wie es junge Katzen eben tun. Am vergangenen Freitag wäre den beiden ihre Neugierde beinahe zum Verhängnis geworden.

Hat der Fuchs zugeschlagen?

Für Ruth Geisser begann der Tag am frühen Morgen mit einem Schrecken. Als sie die zwei Jungtiere mit etwas frischer Milch füttern wollte, waren diese spurlos verschwunden. Gemeinsam mit ihrem Mann Ruedi durchkämmte sie die Nachbarschaft, kontaktierte den Tierschutz und rief sogar die Polizei auf den Plan – alles ohne Erfolg. Nala und Ayuna blieben unauffindbar. «Wir dachten schon, der Fuchs hätte die beiden geholt», sagt Ruedi Geisser. Erst als Tochter Melanie am Abend von der Arbeit nach Hause kam, dämmerte der Familie, was mit den Jungtieren passiert sein musste.

Bei der Arbeit in Herisau hatte Melanie Geisser nämlich etwas Sonderbares erlebt. Eine Frau war zu ihr ins Büro gekommen und hatte ihr von einer herrenlosen Katze berichtet, die sich draussen auf dem Parkplatz befindet. «Obwohl das kleine Kätzchen ähnlich süss aussah, hätte ich nie daran gedacht, dass es sich dabei um Nala handeln könnte», sagt Melanie Geisser. Die Frau, die das Tier entdeckt hatte, brachte es anschliessen zu einer Tierärztin in Herisau.

17 Kilometer bis nach Herisau

Zu Hause, wo sie von ihren Eltern über das Verschwinden der beiden Katzen informiert wurde, fiel es Melanie Geisser wie Schuppen von den Augen: Nala und Ayuna mussten sich als blinde Passagiere im Motor ihres Autos versteckt haben. «Wir wollten es erst gar nicht glauben. Schliesslich beträgt mein Arbeitsweg etwa 17 Kilometer und führt über die Autobahn», sagt die 24-Jährige. Dass eines der beiden Tiere eine solche Fahrt überlebt haben könnte, schien für die Familie undenkbar. Doch bereits am nächsten Tag konnten Geissers Nala bei der Tierärztin abholen. Die Katze war wohlauf und hatte von der rasanten Fahrt nicht einen Kratzer davon getragen.

Aus dem fahrenden Auto

Die Suche nach Ayuna blieb jedoch weiterhin erfolglos. «Wir brachten das Auto unserer Tochter zum Garagisten und liessen es durchchecken. Doch auch der konnte Ayuna nicht finden», sagt Ruedi Geisser. Die Erlösung erreichte die Familie am vergangenen Montag, als sie das vermisste Tier in der Online-Tierdatenbank der Schweizerischen Tiermeldezentrale erfassen wollten.

Noch während der Eingabe der Daten vermeldete das System einen Treffer. Der passende Eintrag stammte von der Tierklinik in Rorschach, wo Ayuna bereits am Freitag abgegeben wurde. Wie sich später herausstellte, war die junge Katze im Martinstobel aus dem fahrenden Auto gefallen. Die Fahrerin des nachfolgenden Autos brachte das Tier daraufhin in die Klinik nach Rorschach. Auch Ayuna hatte Glück im Unglück: Bis auf ein paar wenige Schürfungen blieb das Tier unversehrt.

«Es ist ein kleines Wunder»

Nun sind die beiden Geschwister wieder vereint. Ruth Geisser kann es immer noch kaum glauben, was die beiden Tiere in den letzten Tagen durchgemacht haben: «Für mich ist es ein kleines Wunder, dass die Kätzchen noch am Leben sind», sagt sie. Nun sei es wichtig, dass sich Nala und Ayuna von den Strapazen gut erholen können.

Doch wer weiss, vielleicht planen die beiden Ausreisser ja bereits ihr nächstes Abenteuer.