OBERRIET-EICHENWIES: Oberrieter Ordensschwester von Dschihadisten entführt

Eine Ordensschwester des Franziskusheims Oberriet-Eichenwies wurde in Mali von Dschihadisten entführt. Der Schock bei ihren Mitschwestern sitzt tief. Viel mehr als hoffen und beten können sie derzeit jedoch nicht.

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Seit dem 7. Februar fehlt von Oberin Gloria Cecilia jede Spur. (Symbolbild) (Bild: PABLO GIANINAZZI (TI-PRESS))

Seit dem 7. Februar fehlt von Oberin Gloria Cecilia jede Spur. (Symbolbild) (Bild: PABLO GIANINAZZI (TI-PRESS))

Von Schwester Oberin Gloria Cecilia aus dem Rheintal fehlt jede Spur. Zusammen mit drei weiteren Schwestern setzt sie sich seit Jahren im afrikanischen Mali für Menschen in Not ein. Am 7. Februar wurde sie nun Opfer einer Entführung. "Vier Männer einer dschihadistischen Gruppe betraten am Abend das Ordenshaus in Mali, verlangten nach Geld und packten die vier Computer ein. Zudem nahmen sie die Pässe und den Krankentransportwagen an sich", berichten die Missionsschwestern des Rheintaler Franziskusheims dem "Rheintaler Boten". Die Entführer wollten zudem eine der Missionsschwestern mitnehmen, weshalb sich Oberin Gloria Cecilila stattdessen anbot und mit den Männern mitging. "Seither weiss niemand, wie es ihr geht."

Reise nach Mali zu gefährlich
Wie "20 Minuten" berichtet, stammt Gloria Cecilia ursprünglich aus Kolumbien und lebte von 2002 bis 2004 in Oberriet. Seit sechs Jahren ist sie nun in Mali stationiert. Glorias Mutter in Kolumbien sei völlig am Ende. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es. "Das gestohlene Auto wurde in der Grenzregion zu Burkina Faso und der Elfenbeinküste gefunden", sagt Oberin Martha Eugenia. Mehr als beten können die Rheintaler Missionsfranziskanerinnen derzeit jedoch nicht. Sie hätten nach Mali reisen wollen, doch eine Reise wurde als zu gefährlich eingestuft.

Beten für Befreiung
Die drei anderen Schwestern seien inzwischen in ein beschütztes Kloster gebracht worden und werden betreut. Die Missionsfranziskanerinnen beten seit der Entführung von Oberin Gloria Cecilia weltweit für ihre baldige Befreiung. "Wir haben eine 24-Stunden-Gebetskette eingerichtet und hoffen, dass nicht aufgehört wird nach ihr zu suchen und Gloria Cecilia an ihrem Glauben festhält", sagt Schwester Oberin Martha Eugenia. In Oberriet sitzt der Schock besonders tief. Denn die Missionsschwestern kennen Gloria Cecilia persönlich. Sie lebte zwei Jahre im Rheintaler Franziskusheim. "Wir sind für jede neue Information und jedes Gebet dankbar", betonen sie.

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat Kenntnis von der Entführung. Weitere Informationen diesbezüglich müssen aber bei den kolumbianischen Behörden eingeholt werden, da Schwester Gloria Cecilia kolumbianische Staatsangehörige ist. (lex)
 

700 muslimischen Frauen Lesen beigebracht

Im Franziskusheim in der Gemeinde Oberriet leben aktuell acht Missionsfranziskanerinnen, die das "Selbstständige Wohnen in Gemeinschaft" führen. In erster Linie kümmern sich die jüngeren Schwestern um die älteren. "Wir versuchen nach dem Ideal des Heiligen Franz von Assisi zu leben und gestalten dementsprechend unseren Alltag", sagt Schwester Oberin Martha-Eugenia. Rund 500 Schwestern setzen sich weltweit für das Wohl der Menschen ein. Ein besonders eindrucksvolles Projekt sei im afrikanischen Mali umgesetzt worden. Gemäss Oberin Martha Eugenia setzt sich Schwester Gloria Cecilia seit Jahren zusammen mit drei weiteren Schwestern für muslimische Frauen ein und hat mit ihren Projekten unzählige Leben gerettet. Rund 700 Frauen habe sie das Lesen, Rechnen und Nähen beigebracht. "Zudem haben die Missionsschwestern ein Waisenhaus gegründet, setzen sich für die Medikamentenversorgung von Menschen ohne Geld ein und haben eine Praxis für Schwangere ins Leben gerufen", sagt Oberin Martha Eugenia. Möglich wurde dies durch Spenden aus der Schweiz. (lex)